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/ 21.02.19 / 19:51

Freenet: Dividendenmonster oder Bewertungsfalle?

Die Aktie der Freenet AG (WKN: A0Z2ZZ) weist zurzeit eine Dividendenrendite von fast 9,5% auf. Auch das KGV 2019e wirkt mit knapp 10 sehr günstig. Darum wird der Titel auch von vielen Experten zum Kauf empfohlen. Aber ist ein Einstieg auf dem aktuellen Kursniveau wirklich eine gute Idee?

Bevor ich zur Beantwortung dieser Frage komme, vielleicht eine kleine Anekdote. Nachdem der Neue Markt damals zusammen gebrochen war, gab es die Aktie des direkten Freenet-Konkurrenten Drillisch für weniger als einen Euro (Pennystock). Ich kenne jemand Glücklichen, der sie damals gekauft hat.

Heute zahlt Drillisch eine Dividende, die gleich dem mehrfachen damaligem Kaufpreis entspricht. Mit anderen Worten: Derjenige, der seinerzeit so mutig war die Aktie für etwas mehr als 0,50 Euro einzusammeln, hat heute eine persönliche Dividendenrendite von mehr als 200%. So kanns gehen!

Was macht Freenet eigentlich?

Um beurteilen zu können, ob die Freenet-Aktie wirklich eine gute Geldanlage darstellt, müssen wir uns erst einmal anschauen, was das Unternehmen überhaupt macht? Nun, die Freenet AG ist ein netzunabhängiger Telekommunikationsanbieter in Deutschland mit einem breiten Portfolio an Produkten und Services aus dem Bereich mobiler Sprach- und Datendienste. Dabei verfügt das Unternehmen jedoch nicht über ein eigenes Netz, sondern vermarktet Dienstleistungen der Deutschen Telekom, Vodafone sowie Telefónica Deutschland.

Darüber hinaus werden unter der Hauptmarke mobilcom-debitel sowie den Discountmarken callmobile, freenetMobile und klarmobil eigene netzunabhängige Dienste und Tarife im Vertrags-, No-Frills- sowie Prepaid-Bereich vermarktet. Ferner hat Freenet auch Mobilfunk-Endgeräte sowie weitere Services im Angebot. Deren Vertrieb erfolgt sowohl über unternehmenseigene Shops als auch über Elektronik- und Flächenmärkte sowie im Online- bzw. Direktvertrieb. Zu guter Letzt verfügt man mit freenet.de auch noch über ein eigenes Internetportal.

In den letzten Jahren machte das Unternehmen zunächst durch die Übernahme des bekannten Apple-Händlers Gravis sowie durch Beteiligungen am Schweizer Telekommunikationsanbieter Sunrise Communications und der Metro-Tochter CECONOMY auf sich aufmerksam. Gerade der letzte Deal war jedoch bisher eher ein Reinfall. Denn die CECONOMY-Aktie brach nach dem Einstieg von Freenet völlig ein. Doch darauf werde ich gleich noch etwas näher eingehen, da dies wichtig für die Bewertung des Titels ist.

Niedrige Eigenkapitalquote soll durch Sunrise-Verkauf aufgebessert werden

Wirft man einen Blick in die Bilanz, fällt einem sofort die vergleichsweise Eigenkapitalquote auf. Diese lag bis 2015 noch über 50%, sank dann aber auf ca. 34% und zuletzt sogar phasenweise unter 30%. Angesichts der Tatsache, dass man als Freenet-Aktionär sicherlich auch auf die hohe Dividende schielt, ist dies durchaus kritisch zu werten. Zumal in der Vergangenheit Kreditvereinbarungen teilweise an die Eigenkapitalquote gebunden waren.

Konkret hätte das nämlich bedeuten können, dass Freenet das Eigenkapital entweder durch eine Kapitalerhöhung oder aber eine Reduzierung bzw. Streichung der Dividende hätte stärken müssen. Allerdings hat das Management des Konzerns um CEO Christoph Vilanek eine andere, bessere Idee. So möchte sich der Vorstand von seiner Beteiligung an der Sunrise Communications trennen und dadurch das Eigenkapital stärken.

Offenkundige Verkaufsabsicht nicht förderlich für den Verkaufspreis, aber...

Zahlreiche Marktbeobachter halten dies zwar grundsätzlich für eine gute Idee, finden allerdings das Vorgehen des Managements etwas befremdlich. Denn wenn potenzielle Käufer dieser Beteiligung von der Verkaufsabsicht wissen, dürfte das nicht gerade förderlich für den Verkaufspreis sein. Seinerzeit, im Jahr 2016, hat die Freenet AG gut 24% des Aktienkapitals der Sunrise Communications zum Preis von 72,95 CHF (seinerzeit ca. 66,50 Euro) je Aktie.

Zurzeit notiert die Aktie der Sunrise Communications bei 71,50 Euro je Aktie. Ferner hat Freenet bereits mehrfach Dividenden von Sunrise erhalten. Angenommen Freenet könnte die Beteiligung an Sunrise Communications wenigstens zum aktuellen Kurs oder nur leicht darunter los schlagen, wäre dies zumindest aus bilanzieller Sicht unproblematisch. Im gegenwärtigen Marktumfeld halte ich dies für machbar.

Auch die CECONOMY-Beteiligung ist auf einem guten Weg...

Weiterer Abschreibungsbedarf hätte durch den Einstieg von Freenet bei CECONOMY entstehen können. Zur Erinnerung bzw. Information: Freenet hatte Mitte des Jahres 2018 an der damaligen Kapitalerhöhung von CECONOMY teilgenommen und sich so einen Anteil in Höhe von gut 9% des Aktienkapitals erworben. Dabei bezahlte man jedoch 8,50 Euro je CECONOMY-Aktie. Aktueller Kurs: ca. 5,00 Euro, also ca. -41% weniger.

Diesen Einstieg hat damals niemand wirklich nachvollziehen können. Allerdings gab es seinerzeit Spekulationen, dass CECONOMY – der Konzern hinter Freenets wichtigstem Kooperationspartner MediaSaturn – auf diese Beteiligung gedrängt hätte – und anderenfalls mit einer Beendigung der Kooperation gedroht habe, was plausibel erscheint. Im Tief lag die CECONOMY-Aktie noch Mitte Dezember sogar unter 3,00 Euro.

Mit den letzten Quartalszahlen hat Freenet daher auch bereits Abschreibungen auf diese Beteiligung vorgenommen, die jedoch eigentlich noch nicht ausreichend gewesen wären. Dank der deutlichen Kurserholung der CECONOMY-Aktie von knapp 3,00 auf 5,00 Euro (+66%) haben sich zusätzliche Abschreibungen inzwischen aber wohl auch erledigt. Aus rein bilanzieller Sicht steht Freenet also, auch dank der Kursrally an den Aktienmärkten zuletzt, wieder recht sauber da.

Fazit: Es gibt noch viel zu tun, aber Freenet ist auf dem richtigen Weg!

Dank der Hilfe der Notenbanken, die eine Kursrally an den Aktienmärkten seit den Tiefs im Dezember initiieren konnten, haben sich die großen bilanziellen Risiken bei Freenet zuletzt quasi in Luft aufgelöst. Zwar hat das Management noch einiges zu tun, denn die Beteiligung an Sunrise Communications muss noch zu einem anständigen Preis verkauft werden. Wenn dies jedoch klappt, sieht es sehr gut aus.

So erscheint mir die Bewertung der Aktie mit einem KGV von knapp 10 sehr günstig und keineswegs als Bewertungsfalle. Auch die Dividende halte ich, zumindest im Falle eines Verkaufs der Beteiligung an der Sunrise Communications für gesichert. Dies gilt nicht nur für dieses Jahr, sondern auch für die folgenden. Vor diesem Hintergrund erachte ich die Aktie zu den aktuellen Kursen als klaren Kaufkandidaten mit einem Kursziel von 24,00 Euro auf von 12 Monaten.

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