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Freedom Holding: Ist das der Short des Jahres?

Simon Ruic / 28.01.22 / 16:22

Die an der Nasdaq notierte Freedom Holding (WKN: A2DW84) hat sich in den vergangenen zwei Jahren mit minimalen Mitteln zu einer der am schnellsten wachsenden Firmen an der Wall Street entwickelt. Fragen zu seinen undurchsichtigen Geschäftspraktiken weicht der Broker dabei seit langem gekonnt aus. Während für Investoren die Warnlampen angehen sollten, bringen sich Shortseller vielleicht schon in Position.

Die Freedom Holding Corporation ist ansässig in Las Vegas, Nevada, betreibt ihre Brokerage-Geschäfte jedoch hauptsächlich in Kasachstan. Seit dem Corona-Crash erlebte die Firma an der US-Tech-Börse einen kometenhaften Aufstieg: Mit einem außergewöhnlichen Gewinnwachstum kletterte die Freedom-Aktie in 22 Monaten auf 61,20 US$ – ein Plus von über 325%. Die Marktkapitalisierung des Brokers liegt derzeit bei gut 3,5 Milliarden US$.

Eine Recherche der Foundation for Financial Journalism (FFJ) hat jedoch ergeben, dass die enormen Gewinne des Unternehmens anscheinend auf undurchsichtige Praktiken und dubiose Partnerfirmen zurückzuführen sind, über die das Management nur sehr ungern spricht. Die folgenden Informationen über die Freedom Holding gehen ebenfalls auf den FFJ-Beitrag von August 2021 zurück.

Fast 1.100% Vermögenswachstum

Der Fixpunkt der Freedom-Holding-Geschäfte ist die im zentralamerikanischen Belize ansässige FFIN Brokerage Services. Der Wertpapierhändler gehört dem milliardenschweren Timur Turlov, der zugleich auch Gründer und Mehrheitsaktionär von Freedom Holding ist.

In den Geschäftsjahren 2019 und 2020 stammten 65% respektive 56% der Einnahmen der Freedom Holding aus FFIN-Provisionszahlungen. Womit sich das Nasdaq-Unternehmen diese Provisionen verdient, ist jedoch nicht ohne Weiteres ersichtlich. Da leitende Freedom-Angestellte FFIN-E-Mail-Konten nutzen, ist fraglich, ob die beiden Unternehmen wirklich voneinander getrennt sind.

Im vergangenen Juni veröffentlichte FFIN einen Jahresbericht, der nicht nur Freedom-Holding-Aktionären zu denken geben sollte: In nur zwölf Monaten schwoll das Vermögen der Firma auf mehr als 2,5 Milliarden US$ an, was im Vorjahresvergleich einem Wachstum von fast 1.100% entspricht.

Wie genau läuft das Geschäft mit FFIN?

Obwohl die Bedingungen der Vereinbarung zwischen FFIN und Freedom Holding nicht veröffentlicht wurden, sind die grundlegenden Konturen klar: FFIN fungiert als Makler für Freedom Holding und vollzieht in erster Linie den Handel mit beliebten börsennotierten US-Aktien und Börsengängen.

Die besonderen Geschäftspraktiken von FFIN sollten jedoch misstrauisch machen: Kunden müssen für IPO-Aktien, die sie kaufen, eine 93-tägige Sperrfrist einhalten. Während dieses Zeitraums dürfen sie ihre neue erworbenen Anteilsscheine weder verkaufen noch auf ein anderes Konto übertragen.

Dies steht in krassem Gegensatz zu der in den USA und Europa üblichen Praxis, wonach die Kunden ihre Aktien unmittelbar nach Erhalt frei handeln können. Jeder andere Makler, der versuchen würde, derartige Beschränkungen aufzuerlegen, würde wahrscheinlich mit einer sofortigen Kundenabwanderung und einer Klagewelle rechnen müssen.

FFJ hat bei Freedom Holding wiederholt zu den Einzelheiten der Beziehung zu FFIN nachgefragt, jedoch keine Antwort erhalten – weder vom Rechtsvertreter noch vom Präsidenten oder dem Mehrheitsinvestor des Unternehmens.

Riesige Gewinne mit einer kleinen zypriotischen Einheit

Eine kleine auf Zypern ansässige Tochtergesellschaft spielt in den Finanzberichten von Freedom Holding eine herausragende Rolle. Die Freedom Finance Europe Limited zeichnet sich durch ein astronomisches Gewinnwachstum aus, das an der Wall Street seinesgleichen sucht: Nach einem Verlust im Jahr 2017 von 30.000 US$ stiegen die Nettoeinnahmen der Tochterfirma im Jahr 2019 auf 33,8 Millionen US$.

Im Folgejahr erhöhten sich die Gewinne nochmal auf 80,4 Millionen US$. Damit trug die zypriotische Einheit im Geschäftsjahr 2020/21 (per Ende März) mindestens 56% zum Nettoeinkommen der Muttergesellschaft bei. Bemerkenswert daran: Um diese Summe zu erwirtschaften, waren bei Freedom Finance Europe nur 13 Mitarbeiter und 6,3 Millionen US$ Kapital erforderlich.

Geschäfte auf Umwegen

Für die Geschäfte seiner Kunden führt Freedom Holding einen bemerkenswert umständlichen Ausführungsprozess durch. Versucht ein Kunde eine Aktie online zu kaufen, wird der Auftrag über FFIN und Freedom Finance Europe zu einer weiteren Tochter der Freedom Holding in Moskau weitergeleitet oder an Lek Securities U.K., ein Unternehmen mit einer beunruhigenden aufsichtsrechtlichen Vergangenheit.

Es muss angenommen werden, dass Freedom Holding seinen Kunden auf diese Weise mehrere Gebühren für eine einzige Transaktion in Rechnung stellt. Gebührenschichtung ist eine legale, wenn auch umstrittene Praxis, die das Unternehmen vermutlich einsetzt, weil der überwiegend russische und kasachische Kundenstamm kaum Erfahrung hat mit den Praktiken der Wall Street oder einem soliden Verbraucherschutz.

Partner von zweifelhaftem Ruf

Wie bereits angemerkt haben die Partnerunternehmen der Freedom Holding umfangreiche rechtliche Probleme – darunter zwei in Moskau ansässige Unternehmen: der Vermögensverwalter QBF LLC und der Netzwerkvermarkter CityLife. Beide sind ins Visier der russischen Behörden geraten, weil sie ein Schneeballsystem betrieben haben sollen, und stehen nun auf einer Liste von Unternehmen, bei denen illegale Aktivitäten festgestellt wurden.

Der Umgang, den Freedom Holding pflegt, sollte stutzig machen, denn expandierende und hoch-profitable Unternehmen tolerieren derartige Partner in der Regel nicht. Wenn beispielsweise ein Kunde ein Reputationsrisiko darstellt oder im Verhältnis zu seinem wirtschaftlichen Wert zu anspruchsvoll ist, ist die Beendigung der Geschäftsbeziehung für solche Firmen im Allgemeinen eine risikoarme Angelegenheit.

Noch geringes Shortseller-Interesse

Die Recherchen der Finanzjournalismus-Stiftung FFJ haben letztlich eine Vielzahl von roten Flaggen bei Freedom Holding offenbart, klare Warnzeichen für Investoren.

Shortseller sehen solche Hinweise zwar eher als Einladung; laut der Plattform marketbeat.com ist das Leerverkaufsinteresse am Nasdaq-Titel derzeit jedoch noch niedrig: Am 15. Januar haben Händler demnach insgesamt 731.100 Freedom-Aktien leer verkauft – nur 1,23% aller im Umlauf befindlichen Anteilsscheine.

Fakt ist aber: Die zypriotische Tochter Freedom Finance Europe wurde mehrmals von Kleinanlegern als Plattform genutzt, um mit organisieren Käufen von Meme-Aktien shortenden Hedgefonds eins auszuwischen. Jetzt muss die Red-Flag-Fabrik aus Belize aufpassen, dass sie nicht selbst irgendwann zum Vehikel solcher Zockereien wird.

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