Broadcom enttäuscht – was bedeutet das für die Chipbranche?

von (sh)  /   14. Juni 2019, 10:06  /   unter Dividenden-Aktien, Technologie-Aktien  /   Keine Kommentare

Erst kürzlich berichtete das bekannte US-Anlegermagazin Barron’s über begeisterte Analysten, die dem US-amerikanischen Chipspezialisten Broadcom (WKN: A2JG9Z) dank einer starken Cash Flow-Entwicklung prozentual zweistellige Dividendenerhöhungen zutrauen würden. Auch generell schien die Welt in der Chipbranche wieder in bester Ordnung zu sein – und das, obwohl gerade diese Aktien noch Ende vergangenen Jahres an der Börse ausverkauft worden waren.

Am Donnerstag Abend, nachbörslich, sorgte nun Broadcom mit seinen aktuellen Quartalszahlen und insbesondere mit einem relativ schwachen Ausblick für etwas Ernüchterung. Dass in der Branche längst nicht alles Gold ist, was glänzt, zeigten dabei schon die Kursentwicklungen von Aktien wie Infineon (nach Gewinnwarnung und angekündigter Cypress-Übernahme, wir berichteten) sowie Siltronic.

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Doch zuletzt beginnen selbst die bisher stärksten Titel der Branche – wie eben Broadcom oder auch Xilinx – immer stärker abzubröckeln. Grund genug für mich an dieser Stelle nochmals ausführlich auf die entsprechenden Entwicklungen einzugehen. Denn ich bleibe dabei, dass die Chipbranche eine zyklische Branche war, ist und auch bleibt, die aktuell – allen positiven langfristigen Aussichten zum Trotz – vor einem zyklischen Abschwung steht!

Ein Blick auf das vorgelegte Zahlenwerk…

Bevor ich gleich näher darauf eingehe, lassen Sie uns aber zunächst einmal die von Broadcom vorgelegten Zahlen anschauen. Demnach erzielte der Konzern in seinem zweiten Fiskalquartal des laufenden Geschäftsjahres 2019 (das Geschäftsjahr endet bei Broadcom stets Ende Oktober!) einen Quartalsumsatz von 5,52 Mrd. US-Dollar (ca. +10,2% gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal) sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie von 5,21 US-Dollar.

Die Konsensschätzungen der Analysten lagen bei einem Quartalsumsatz von 5,68 Mrd. US-Dollar bei einem bereinigten Gewinn je Aktie von 5,19 US-Dollar. Somit verfehlte das Unternehmen die Analystenschätzungen in der Topline (beim Umsatz) deutlich, wohingegen man Bottom Line (beim Gewinn) leicht besser abschnitt. Dies ist für sich genommen insofern trotzdem schon kritisch zu beurteilen, weil sich ein schwächeres Umsatzwachstum früher oder später immer auch in einer schwächeren Gewinnentwicklung niederschlägt.

Ein Chip von Broadcom…

Schwacher Ausblick aufgrund eines „zunehmend herausforderndem Marktumfelds“

Schlimmer jedoch war der dann folgende aktualisierte Ausblick des Managements für das Geschäftsjahr 2019. Denn aufgrund eines – auch durch den eskalierenden Handelsstreit der USA mit China – „zunehmend herausfordernden Marktumfelds“ erwartet das Management für das Geschäftsjahr 2019e nun nur noch einen Jahresumsatz von 22,5 Mrd. US-Dollar, was deutlich unter den Konsensschätzungen der Analysten von 24,33 Mrd. US-Dollar liegt.

Zugleich soll jedoch die operative Marge weiterhin leicht steigen, so dass zumindest die Gewinnschätzungen wohl noch erfüllt werden können. Allerdings halte ich diese Prognose für ein echtes Vabanquespiel der Unternehmensführung. Denn sollte sich der Handelskonflikt mit China weiter verschärfen oder Trump sich – wie zuletzt ja am Beispiel Mexico vorexerziert – auch noch mit anderen Handelspartnern anlegen, wird wohl auch diese nicht mehr zu halten sein.

Ein weiterer Chip von Broadcom…

Fazit: Handelsstreit nur vorgeschoben, Chipbranche wohl vor zyklischem Abschwung!

Darüber hinaus glaube ich jedoch, dass sich die große Teile der Weltwirtschaft ohnehin bereits auf dem Weg in eine Rezession befinden. Sollte sich dieses Szenario bewahrheiten, so dürfte davon auch die Chipbranche – Handelsstreit hin oder her – getroffen werden. Diese gilt ohnehin als extrem zyklisch, auch wenn einige Analysten zuletzt eine „neue Normalität“ ohne Zyklen ausgerufen haben mögen. Begründet wurde diese Einschätzung stets damit, dass neue Entwicklungen wie das autonome Fahren für eine anhaltend hohe Nachfrage nach Chips sorgen würden.

Dies erscheint zunächst einleuchtend, ist es letztlich aber nicht. So hat sich bspw. auch das Internet in den vergangenen 30 Jahren immer weiter entwickelt und am Ende durchgesetzt, obwohl es auch hier Boom- und Bustphasen gab. Ich erinnere nur mal an die „Dotcom Bubble“ sowie das anschließende Platzen dieser Spekulationsblase im Jahr 2000. Insofern kann und wird es sowohl in der realen Wirtschaft als auch – und noch viel mehr – an der Börse weiterhin zu zyklischen Auf- und Abschwüngen der Chipbranche kommen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Aktuell stehen wir meines Erachtens eher an einem zyklischen Hochpunkt und somit relativ unmittelbar vor einem Abschwung. Dies zeigt sich schon daran, dass es in der Branche zuletzt vermehrt zu Übernahmen gekommen ist. Das aktuelle Paradebeispiel ist der von mir ja durchaus kritisch beäugte Kauf von Cypress Semiconductor durch Infineon. Insofern halte ich auch die Begründung des Broadcom-Managements für die gesenkte Umsatzprognose für vorgeschoben und wäre mit Investments in der gesamten Branche derzeit sehr vorsichtig bzw. zurückhaltend.

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