Biogen – Alzheimer, zum Vergessen!

von (sh)  /   26. März 2019, 18:27  /   unter Biotech-Aktien, Technologie-Aktien  /   Keine Kommentare

Zuletzt erreichten mich zahlreiche Anfragen dazu, ob man nicht genau jetzt in die Aktie des US-amerikanischen Biotechkonzerns Biogen einsteigen sollte. Der Grund hierfür ist auch sehr klar. Denn vor wenigen Tagen musste Biogen bekannt geben, dass die klinischen Studien bzgl. seines Alzheimer-Medikaments Aducanumab in Phase III (dies ist eigentlich die letzte Phase vor einem entsprechenden Zulassungsantrag bei der FDA) abgebrochen werden müssen. In der Folge fiel die Aktie von Biogen um ca. -30%, wodurch ein Börsenwert in Höhe von rund 18 Mrd. US-Dollar vernichtet wurde.

Dabei handelt es sich bei Biogen nicht um irgendein kleines, unbedeutendes Biotechunternehmen. Vielmehr zählt die 1978 gegründete Biogen, neben der 1980 gegründeten Amgen, zu den Pionieren dieser ja insgesamt noch sehr jungen Branche. Daher wirkt sich der Rückschlag bei einem solchen „Dickschiff“ auch negativ auf die gesamte Branche aus! Allerdings kann man sich natürlich schon die Frage stellen, ob ein einziges Medikament, das sich ja zudem noch in der Entwicklung befand, einen Rückgang des Börsenwertes um ca. 18 Mrd. US-Dollar rechtfertigt?

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Die Antwort ist, wie wir gleich noch sehen werden, ein klares Jein. Wobei der Wertverlust durch diesen Fehlschlag in der Alzheimer-Forschung insgesamt noch viel größer war. Denn auch die Aktie des japanischen Kooperationspartners bei diesem Medikamenten-Kandidaten, Eisai, verlor nach dieser Meldung ca. 40% ihrer Marktkapitalisierung, was einem Wertverlust von weiteren knapp neun Milliarden US-Dollar entsprach.

Alzheimer-Forschung extrem schwierig

Generell möchte ich jedoch einleitend erst einmal feststellen, dass die Entwicklung eines Medikaments gegen Alzheimer sehr, sehr schwierig ist. So arbeiten zahlreiche Forscher schon seit mehr als zwei Jahrzehnten daran, ohne das bis heute ein entsprechendes Medikament durch die zuständigen Behörden zugelassen worden wäre. Dies liegt daran, dass bis heute eigentlich noch nicht einmal klar ist, wie es überhaupt zu dieser Krankheit kommt. So vermutete man in der Vergangenheit, dass eine Art Plaque auf den Nervenbahnen eine wichtige Rolle spielen könnte.

Doch in klinischen Studien fand dann der Schweizer Pharmagigant Roche in Zusammenarbeit mit seinem deutschen Kooperationspartner MorphoSys heraus, dass eine vollständige Entfernung dieses Plaques von den Nervensträngen die Übermittlung von Signalen des Gehirns stört. So einfach ist es also nicht. Daher stellten Roche und MorphoSys ihr Projekt mit Namen Gantenerumab vorübergehend ein, haben es inzwischen jedoch wieder aufgenommen.

Klar ist, dass das Biotech- respektive Pharmaunternehmen, dem es als erstem gelingt ein solches Medikament zur Marktreife zu führen, ein gigantisches Geschäft machen wird. Da Biogen und Eisai mit Aducanumab bereits in der wichtigen Phase III der klinischen Studien angekommen waren, hatten viele Anleger einen Erfolg wohl schon ziemlich fest eingeplant. Umso größer natürlich nun die Enttäuschung, dass man doch noch gescheitert ist.

Bombenstarke Bilanz: Keinerlei Nettoverschuldung trotz kapitalintensiver Forschung

Wirft man einen Blick in die Bilanz, stellt man schnell fest, dass diese bei Biogen bombenstark aussieht. Der Kauf von IDEC Pharmaceuticals im Jahr 2003 ist also längst verdaut. So weist Biogen zwar einen aktuellen Gesamtschuldenstand in Höhe von gut 12,25 Mrd. US-Dollar auf. Davon sind jedoch etwa die Hälfte langfristige Verbindlichkeiten. Ferner stehen diesen Schulden Assets im Volumen von über 25,25 Mrd. US-Dollar gegenüber, so dass man netto eigentlich sogar schuldenfrei ist.

Von diesen Assets sind zudem gut 1,22 Mrd. US-Dollar Cash/Cash-äquivalente Mittel sowie gut 2,3 Mrd. US-Dollar in kurzfristigen Investments (wie US-Staatsanleihen) geparkt. Darüber hinaus gibt es noch offene Forderungen in Höhe von knapp 2,5 Mrd. US-Dollar (was bei einem Biopharma-Konzern nicht ungewöhnlich ist) sowie Lagerbestände (vermutlich in erster Linie Medikamente) im Gesamtwert von knapp einer Milliarde US-Dollar. Über drei Milliarden US-Dollar hat man langfristig investiert und gut 3,6 Mrd. US-Dollar sind alleine die Immobilien des Konzerns wert.

Umsatz- und Gewinnentwicklung: Gewinneinbruch im Jahr 2017 verdaut

Aber ich möchte an dieser Stelle nicht zu tief in die Bilanz einsteigen, sondern mir die Umsatz- und Gewinnentwicklung ansehen. Tut man das, stellt man fest, dass das Unternehmen seinen Jahresumsatz von 2015 bis 2018 von gut 10,76 Mrd. auf gut 13,45 Mrd. US-Dollar oder um ca. +25% respektive um ca. +7,7% p.a. steigern konnte. Proportional dazu stieg auch der Nettogewinn um ca. +25% von seinerzeit knapp 3,55 Mrd. US-Dollar auf zuletzt gut 4,43 Mrd. US-Dollar.

Allerdings kam es dabei zwischenzeitlich, nämlich im Jahr 2017, zu einem deutlichen Gewinneinbruch um mehr als -31%, nämlich von gut 3,7 Mrd. US-Dollar in 2016 auf knapp 2,54 Mrd. US-Dollar in 2017. Solche vorübergehenden Gewinnrückgänge sind jedoch in der Branche prinzipiell keine Seltenheit. Schließlich läuft der Patentschutz jedes noch so überragenden Blockbuster-Medikaments irgendwann einmal aus, was die Generika-Hersteller auf den Plan ruft.

Fundamentale Bewertung: Biogen ist JETZT tatsächlich günstig bewertet!

Biogen ist, nach dem kürzlichen Rückschlag in der Alzheimer-Forschung, an der Börse „nur“ noch rund 45 Mrd. US-Dollar wert. Demgegenüber steht ein Biotechkonzern, der – auch ohne Aducanumab – über eine prall gefüllte Medikamentenpipeline (mit Elenbecestat sogar ein weiteres Alzheimer-Medikament) sowie zahlreiche schon auf dem Markt befindliche Medikamente verfügt. So lag der Jahresumsatz zuletzt bei knapp 13,5 Mrd. US-Dollar sowie der Nettogewinn bei gut 4,43 Mrd. US-Dollar, woraus sich eine Marge von knapp 33% errechnet.

Das aktuelle KUV beträgt zurzeit ca. 3,35, was für den Biotechsektor eher niedrig ist. Auch das aktuelle KGV liegt mit gerade noch 10 eher am unteren Ende. Wenngleich es natürlich Aktien aus dieser Branche – mir fallen sofort Celgene und Mylan ein – die noch einen Tick günstiger bewertet sind. Darüber hinaus sieht der Ausblick für das bereits laufende Jahr 2019 sowie die folgenden Jahre so schlecht nicht aus, zumal sich ja noch einige Medikamente in der Pipeline befinden, die nach und nach zur Marktreife geführt werden dürften.

Auch das Management hält die Aktie des eigenen Unternehmens offensichtlich für nicht zu teuer. So hat man erst kürzlich – erfreulicherweise nach dem Kursrutsch – eine Ausweitung des laufenden Aktienrückkaufprogramms um fünf Milliarden US-Dollar beschlossen und verkündet. Wohl in Folge dieser News kann sich die Aktie zurzeit deutlich erholen. Allerdings muss man noch abwarten, wie weit diese Erholung geht und wie nachhaltig sie ist.

Fazit: Mutige Langfrist-Investoren können an schwachen Tagen zugreifen!

Charttechnisch nämlich ist eine Kurserholung an die Marke von 230,00 US-Dollar erst einmal nur eine Pullback-Bewegung an eine im Zuge des „Sell Offs“ gerissen Unterstützung. Prallt die Aktie daher im Bereich 230,00 bis 235,00 US-Dollar ab, kann sie kurzfristig durchaus noch einmal Fahrt nach unten aufnehmen. Wichtig wäre dabei, dass sie nicht unter die charttechnische Auffangzone um die Marke von 200,00 US-Dollar herum (+/- 5,00 US-Dollar) fällt. Denn sonst käme es zu Anschluss-Verkaufssignalen mit Kurszielen bei 160,00 sowie 135,00 US-Dollar.

Kein Problem, sondern erst einmal eine (Nach)Kaufgelegenheit, stellen dagegen Rücksetzer bis an die genannte Auffangzone um 200,00 US-Dollar dar. Zwischen 195,00 und 210,00 US-Dollar können langfristig denkende Investoren die Aktie daher durchaus kaufen. Essentiell ist nur, dass man dann auch einen Stoppkurs knapp unterhalb der Marke von 195,00 US-Dollar, am besten bei 187,28 US-Dollar, platziert, um kurzfristig größere Kursverluste zu vermeiden. Solange die Aktie jedoch nicht nachhaltig unter 195,00 US-Dollar fällt, könnte der „Sell Off“ schon vorbei sein.

Um die Bären jedoch endgültig zu vertreiben, braucht die Aktie – egal ob es nochmal zu kurzfristigen Rücksetzern an die 200,00 US-Dollar Marke kommen mag oder nicht – einen Kursanstieg über die Marke von 230,00/235,00 US-Dollar. Erst wenn dies gelingt, kann bzw. muss man von einer Wiederaufnahme des langfristigen Bullenmarktes ausgehen. Die Kursziele liegen dann zunächst bei 280,00 sowie später bis zu 350,00/360,00 US-Dollar. Kurzfristig wird die Aktie daher durchaus volatil bleiben, langfristig aber bietet sie durchaus gute Chancen!

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