Babbel Group: Kinderleichte Kursgewinne?

Marco Messina
15.09.21 um 10:45

Die Online-Sprachplattform Babbel Group (WKN: A3CWAW) plant in wenigen Tagen einen Milliarden-IPO im Prime Standard. Winken schnelle Zeichnungsgewinne oder ist die Bewertung überzogen?

Babbel wurde 2007 gegründet und ist nach eigenen Angaben mit Millionen zahlender Kunden die weltweit erfolgreichste Sprachlern-App. Durch die Corona-Pandemie konnte die Sprachplattform in den letzten zwei Jahren massiv wachsen.

Das Angebot von Babbel umfasst mittlerweile über 60.000 Lektionen und mehr als 13.000 Stunden an Inhalten, die über verschiedene Lernerfahrungen das Erlernen von 15 Sprachen aus neun Basissprachen ermöglichen.

Milliardenbewertung gerechtfertigt?

Insgesamt werden knapp 13 Millionen Aktien an den Mann und an die Frau gebracht. Davon werden rund 7,3 Millionen Aktien aus der Kapitalerhöhung platziert. Damit fließen Brutto-Emissionserlöse zwischen 175 bis 204 Millionen € in die Unternehmenskasse.

Doch Vorsicht, die Verwendung dieser Erlöse geschieht wie folgt: circa 140 Millionen € sollen investiert werden, um das B2B-Geschäft zu erweitern, wie es so schön heißt. So sollen neue Lernerfahrungen eingeführt werden und/oder neue geografische Märkte erschlossen werden, und zwar jeweils in erster Linie auf anorganischem Weg. Was nichts anderes heißt als Wachstum durch Übernahme bestehender Wettbewerber.

Satte 38,6 Millionen € sollen für die Zahlung der Barkomponente des virtuellen Mitarbeiterbeteiligungsprogramms an ehemalige und aktuelle Führungsmitglieder und Mitarbeiter von Babbel und damit zusammenhängender Steuern verwendet werden! Das ist mal ein Brett, welches natürlich in keiner Pressemitteilung zu finden ist, sondern nur versteckt im Wertpapierprospekt auf einer der über 200 Seiten.

Dennoch können interessierte institutionelle und Privatanleger in der Zeichnungsphase vom 15. bis 22. September ihre Zeichnungsaufträge abgeben. Der erste Handelstag ist für den 24. September geplant.

Bei der Zeichnungsspanne zwischen 24 und 28 € bringen die Berliner eine Marktkapitalisierung von satten 1,08 bis 1,26 Milliarden € auf die Waage. Das ist ein ordentliches Pfund, wenn wir bedenken, dass die Berliner im vergangenen Jahr ein negatives EBIT in Höhe von fast 24 Millionen € bei Umsatzerlösen in Höhe von 147 Millionen € eingefahren haben.

Organisches Wachstum im intensiven Wettbewerb möglich?

Im ersten Halbjahr 2021 konnte das Unternehmen zwar ein sattes Umsatzplus von 18% gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf einen Umsatz von rund 83 Millionen € verzeichnen, doch kann dieses zum Ende der Pandemiezeit auch im zweiten Halbjahr 2021 aufrechterhalten werden?

Die Emissionserlöse sollen, wie berichtet, insbesondere für das anorganische Wachstum sowie den goldenen Handschlag mit ehemaligen und aktuellen Führungskräften genutzt werden.

Wettbewerber gibt es wie Sand am Meer, zum Beispiel Duolingo, Memrise oder Busuu. Einige kleinere Wettbewerber sind nahezu kostenlos und finanzieren sich über Werbung.

Fazit

Die Bewertung ist recht sportlich in Anbetracht der bisherigen Zahlen und des ungenauen Ausblicks, auch wenn Babbel sich nach eigenen Angaben in einem dreißig bis vierzig Milliarden € Markt bewegt. Dass über 20% des Nettoerlöses in ein Mitarbeiterprogramm für Führungskräfte fließt, hat für mich Geschmäckle.

Wer auf schnelle Zeichnungsgewinne hofft, sollte die Kurse beim Handel per Erscheinen im Blick behalten. Ich fühle mich etwas ins Jahr 2000 zurückversetzt und werde die Zeichnungsphase kritisch beobachten. Kinderleichte Kursgewinne sehe ich derzeit leider nicht.

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