Apple mit Quartalszahlen: Auf der Jagd nach Microsoft

von (sh)  /   31. Juli 2019, 10:59  /   unter Dividenden-Aktien, Technologie-Aktien  /   Keine Kommentare

Die US-Berichtssaison, die bereits letzte Woche mit den Quartalszahlen von Alphabet, Amazon.com und Facebook ihren Höhepunkt erreichte, läuft nun langsam aus. Ein Highlight, auf das viele Anleger noch gespannt warteten, gab es jedoch erst gestern Abend, nämlich den aktuellen Quartalsbericht von Apple (WKN: 865985). Trotz einiger Schwächen wusste Apple letztlich die Anleger mit seinen Quartalszahlen dann doch zu überzeugen.

Doch beginnen wir mal mit diesen Schwächen.So sank beispielsweise der Umsatz mit Apples nach wie vor wichtigsten Produkt, dem iPhone, gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal um -12% auf 26,0 Mrd. US-Dollar. Damit einhergehend verzeichnete Apple auch einen leichten Rückgang der Bruttomarge auf 37,3% (gegenüber 38,3% im vergleichbaren Vorjahresquartal), die somit auch unterhalb der Konsensschätzungen von 38,1% lag.

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Die Quartalszahlen selbst konnten jedoch die, allerdings inzwischen recht niedrigen, Erwartungen der Analysten locker schlagen. So verzeichnete Apple in seinem dritten Fiskalquartal letztlich einen Quartalsumsatz von 53,8 Mrd. US-Dollar (Analystenkonsensus: 53,35 Mrd. US-Dollar) sowie einen Gewinn je Aktie von 2,18 US-Dollar (Analystenkonsensus: 2,10 US-Dollar). Und auch der Ausblick fiel sehr konstruktiv aus.

Management überzeugt mit Ausblick…

Denn auf Basis dieses Top- und Bottom-Line Beat, wie die Amerikaner die Übertreffung von Umsatz- und Gewinnprognosen bezeichnen, erwartet das Management um CEO Tim Cook nun für das laufende vierte Fiskalquartal einen Quartalsumsatz zwischen 61 und 64 Mrd. US-Dollar, was deutlich über den bisherigen Konsensschätzungen von nur 61,0 Mrd. US-Dollar liegt. Im Gegenzug bleibt man jedoch bzgl. der Bruttomarge vorsichtig.

So soll diese „nur“ zwischen 37,5% und 38,5% und damit im arithmetischen Mittel bei 38,0% liegen, wohingegen Analysten bis dato im Durchschnitt mit einer Bruttomarge von 38,3% kalkulierten. Obwohl die Anleger sich nachbörslich von dem Zahlenwerk durchaus angetan zeigten, so dass die Aktie +4% zulegen konnte, zeigte sich daher auch der ein oder andere Analyst ein wenig enttäuscht, was nachvollziehbar erscheint.

Analysten von Goldman Sachs bleiben bei „Neutral“

So haben beispielsweise die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs ihre Einschätzung der Aktie auf „Neutral“ bestätigt und ihr Kursziel nur leicht von bisher 187 auf nunmehr 191 US-Dollar angehoben. Allerdings liegt dieses Kursziel damit immer noch gut -12% unter dem aktuellen (nachbörslichen) Kursniveau von knapp 220 US-Dollar. Da kann man sich übrigens durchaus auch mal die Frage stellen, warum sie die Aktie überhaupt noch mit „Neutral“ bewerten?

Aber grundsätzlich kann ich diese Einschätzung durchaus nachvollziehen. Denn Fakt ist, dass Apple schon wegen der aggressiven China-Politik der Trump-Administration seit längerer Zeit mit einer Schwäche in seinem sehr wichtigen Chinageschäft zu kämpfen hat. Dies zeigt sich insbesondere im ebenfalls weiterhin schwächelnden iPhone-Absatz sowie eben der sinkenden Bruttomargen. Bisher ist es dem Management jedoch gelungen diese Schwächen einigermaßen positiv zu verkaufen.

Das iPhone verliert etwas an Bedeutung, bleibt aber nach wie vor Apples wichtigstes Produkt

So spricht CEO Tim Cook beispielsweise auch vom „besten Juni-Quartal aller Zeiten, das getrieben worden sei von einem Rekordumsatz bei den Services, einem sich beschleunigenden Wachstum bei den Wearables (u.a. Apple Watch) sowie von einer starken Performance bei iPad und Mac“. Konkret möchte CEO Tim Cook den Konzern bekanntlich schon länger etwas mehr in Richtung Softwareunternehmen transformieren, um so den Börsenwert weiter steigern zu können.

Das Vorbild heißt wohl Microsoft

Dabei heißt das Vorbild wohl Microsoft, die – dank des Erfolgs von CEO Satya Nadella – Apple ja schon seit einiger Zeit die Krone als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen der Welt entrissen haben. Denn Microsoft bringt es, derzeit übrigens als einziges Unternehmen überhaupt, auf einen aktuellen Börsenwert von über einer Billion US-Dollar (englisch: „trillion“). Und das, obwohl Apple zuletzt einen mehr als doppelt so hohen Jahresumsatz sowie einen rund 50% höheren Nettogewinn ausweist wie der ewige Rivale.

Allerdings können Sie an den gerade genannten Zahlen auch schon ablesen, was das Geheimnis dieser höheren Bewertung ist. Denn da Microsoft sich in erster Linie auf gut skalierbare Softwarelösungen sowie den damit verbundenen Serviceleistungen konzentriert – neben der Spielekonsole XBox gibt es nur wenig Hardwareangebote – erzielt das Unternehmen eben deutlich höhere Margen.

Daher zielt Tim Cooks Strategie eben darauf die installierte Gerätebasis zu nutzen, um die Kunden zukünftig über zahlungspflichtige Serviceangebote wie Apple Music oder die neue Apple TV+ zur Kasse zu bitten. Hier kämpft das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino jedoch mit harten Konkurrenten wie Netflix sowie bald sogar Walt Disney (Apple TV+) bzw. Spotify (Apple Music), was gewisse Fragen aufwirft.

Warum holt Tim Cook nicht endlich zum Rundumschlag aus?

So schwimmt Apple, das haben die gestern Abend veröffentlichten Quartalszahlen ja – trotz gewisser Schwächen – erneut gezeigt, weiterhin regelrecht im Geld. Sicherlich ist es auch richtig, dass man daher die Anteilseigner über das umfangreiche Aktienrückkaufprogramm sowie ansehnliche Dividenden am Geschäftserfolg beteiligt. Aber könnte Apple nicht doch etwas aggressiver vorgehen und sich durch die ein oder andere mutige Akquisition stärker aufstellen?

So weist der Apple Music Konkurrent Spotify derzeit einen Börsenwert von ca. 28 Mrd. US-Dollar sowie der Apple TV+ Konkurrent Netflix einen Börsenwert von „nur“ noch ca. 142 Mrd. US-Dollar auf. Meines Erachtens wären dies also durchaus interessante Akquisitionsziele für Apple, zumal man mit einem Kauf solcher Unternehmen ja nicht nur die Konkurrenz aus dem Markt nehmen, sondern sich auch deren Kundenbasis einverleiben könnte.

Natürlich könnte es im Zuge solcher Übernahmen zu kartellrechtlichen Bedenken kommen. Aber wenn ein Großkonzern wie Apple solche größeren Übernahmen tätigt, gibt es solche Probleme doch immer. Meines Erachtens hat Apple unter CEO Tim Cook hier schon in der Vergangenheit geschlafen und hätte Spotify und/oder Netflix erst gar nicht so groß werden lassen dürfen. Noch aber kann man diesen Fehler möglicherweise korrigieren.

Apple CEO Tim Cook – kann er den Konzern fit für die Zukunft machen?

Fazit: Apple könnte über kurz oder lang wieder in Schwierigkeiten geraten!

Die größte Angst von Steve Jobs soll es immer gewesen sein, dass sein Unternehmen, das er nach seinem Comeback wieder groß gemacht hatte, wieder in alte Schwierigkeiten geraten könnte. Darum hortete er seinerzeit die Milliarden, quasi als eine Art Sicherheitsnetz. Erst unter seinem Nachfolger Tim Cook begann Apple dann das Geld für Aktienrückkäufe und Dividenden einzusetzen, was viele Anleger schon lange gefordert hatten.

Insofern kann ich die Vorsicht von Tim Cook in gewisser Weise nachvollziehen. So hat das Management die Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen bisher auch so getimt, dass Apples Geldberg durch die entsprechenden Ausgaben nicht wirklich sinkt. Die Frage ist aber, ob man den Geldberg nicht langsam auch für größere, natürlich sinnvolle, Akquisitionen einsetzen sollte. So wurde Apple ja beispielsweise auch schon mehrfach ein Interesse an Tesla nachgesagt.

Aus meiner Sicht jedenfalls ist die aktuelle Phase für Apple sehr entscheidend. Zwar war, ist und bleibt das iPhone aktuell Apples wichtigstes Produkt. Das weitere Wachstum ist hier aber letztlich sehr begrenzt. Wenn Tim Cook es Ernst meint mit der Transformation des Konzerns, muss er meines Erachtens mutiger werden. Tut er das nicht, gilt gerade im Silicon Valley: „Stillstand ist Rückschritt!“. Insofern könnte gerade eine zu vorsichtige Herangehensweise Apple über kurz oder lang in alte Schwierigkeiten stürzen. Die Aktie ist daher für mich derzeit nur eine Halteposition.

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