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Auto-Aktien: Diese zwei Titel haben überraschend hohes Potenzial

Zwischen Krise und Aufbruch
Redaktion
Software, Assistenzsysteme, Elektroantriebe und neue digitale Dienstleistungen verändern zunehmend die Geschäftsmodelle der Automobilhersteller. Für Anleger eröffnen sich dadurch Chancen, die weit über das klassische Geschäft mit dem Verkauf von Fahrzeugen hinausgehen – insbesondere bei Unternehmen, die bereits über starke Marken oder überzeugende Turnaround-Strategien verfügen.

Ferrari-Aktie: Starke Marke trifft auf enorme Preissetzungsmacht

Ferrari nimmt innerhalb der Automobilbranche eine Sonderstellung ein. Der italienische Sportwagenhersteller verfügt über eine außergewöhnlich starke Marke, eine lange Rennsporttradition, eine loyale und äußerst kaufkräftige Kundschaft sowie Margen, die deutlich über denen klassischer Automobilkonzerne liegen. Hinzu kommt, dass Ferrari aufgrund seiner wohlhabenden Kundenbasis weniger stark von konjunkturellen Schwankungen betroffen ist als viele andere Hersteller. Für Anleger macht das die Aktie zu einem vergleichsweise widerstandsfähigen Investment innerhalb des Automobilsektors.

Dennoch war die Stimmung gegenüber Ferrari zuletzt nicht uneingeschränkt positiv. Die Aktie wurde über längere Zeit mit einem niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt als im historischen Durchschnitt. Einer der Gründe dafür war die Vorstellung des ersten vollelektrischen Ferrari-Modells Luce. Vor allem das ungewöhnliche Design sorgte bei Beobachtern und in sozialen Medien für kritische Reaktionen. Zusätzlich verstärkte die Entscheidung des Konkurrenten Lamborghini, seine Pläne für ein vollelektrisches Modell angesichts einer nach eigener Einschätzung nahezu nicht vorhandenen Nachfrage zu stoppen, die Zweifel am Markt für elektrische Luxus-Sportwagen.

Der Luce wird zum überraschenden Verkaufserfolg

Für Ferrari erwies sich die Kritik jedoch bislang nicht als ernsthaftes Problem. Das Unternehmen konnte nach eigenen Angaben bereits sämtliche für das laufende Jahr vorgesehenen Luce-Fahrzeuge verkaufen. Rund 500 Exemplare waren innerhalb von weniger als zwei Monaten vergriffen – und das noch bevor die ersten Fahrzeuge überhaupt ausgeliefert werden. Die Auslieferungen sollen erst im Oktober beginnen.

Die Bedeutung dieses Erfolgs liegt weniger in der absoluten Stückzahl als in der damit demonstrierten Preissetzungsmacht. Mit einem Einstiegspreis von rund 640.000 US-Dollar bewegt sich der Luce bereits am oberen Ende der Ferrari-Produktpalette. Dass Kunden bereit sind, einen derart hohen Preis für ein vollkommen neues und vollelektrisches Modell zu bezahlen, unterstreicht die Stärke der Marke. Besonders interessant ist zudem, dass Ferrari zufolge einige Käufer des Luce bislang noch keinen Ferrari besessen haben.

Der Einstieg in den Elektroautomarkt könnte Ferrari damit nicht nur zusätzliche Absatzmöglichkeiten eröffnen, sondern auch die potenzielle Kundengruppe erweitern. Während zahlreiche klassische Automobilhersteller mit Elektrofahrzeugen noch immer unter hohen Kosten und geringen Margen leiden, kann Ferrari seine außergewöhnliche Markenposition und seine enorme Preissetzungsmacht nutzen. Genau diese Kombination macht die Aktie zu einem der interessantesten Werte im Automobilsektor.

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Stellantis-Aktie: Vom Problemfall zum Turnaround-Kandidaten

Bei Stellantis ist die Ausgangslage nahezu das Gegenteil. Der Konzern gilt derzeit als einer der am stärksten angeschlagenen großen Automobilhersteller. Die Aktie hat in den vergangenen drei Jahren rund 70 Prozent ihres Wertes verloren. Gleichzeitig verzeichnete Stellantis bis einschließlich 2025 sieben Jahre in Folge rückläufige Absatzvolumina. Auch die ursprünglich ambitionierte Elektrostrategie musste teilweise korrigiert werden, was zu erheblichen Belastungen führte.

Gerade diese massive Neubewertung könnte allerdings die Grundlage für eine interessante Turnaround-Chance bilden. Stellantis verfolgt einen umfassenden Fünfjahresplan und will in diesem Zeitraum rund 70 Milliarden US-Dollar investieren. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere eine Verbesserung der Erschwinglichkeit von Fahrzeugen, eine Erholung der Marktanteile und eine stärkere Fokussierung auf Nordamerika.

Nordamerika als Schlüssel für die Erholung

Der nordamerikanische Markt spielt für Stellantis eine zentrale Rolle, da die Region traditionell zu den wichtigsten Gewinnquellen des Konzerns gehört. Gleichzeitig besteht dort eine erhebliche Nachfrage nach günstigeren Neuwagen. Angesichts stetig gestiegener Fahrzeugpreise sind Modelle unterhalb der Marke von 40.000 US-Dollar für viele Verbraucher besonders interessant.

Stellantis will diese Nachfrage mit einer neuen Modelloffensive adressieren. Insgesamt sind neun neue Fahrzeuge für Nordamerika vorgesehen, deren Preise unter 40.000 US-Dollar liegen sollen. Mindestens zwei davon sollen sogar weniger als 30.000 US-Dollar kosten. Gelingt es dem Konzern, damit verlorene Marktanteile zurückzugewinnen, könnte dies gleich mehrere positive Effekte haben: höhere Verkaufszahlen, eine bessere Auslastung der Produktionsstätten und letztlich steigende Margen.

Nordamerika soll deshalb auch einen besonders großen Teil der Investitionen erhalten. Rund 60 Prozent der Produkt- und Markeninvestitionen des neuen Strategieplans sind für die Region vorgesehen. Gleichzeitig will Stellantis das Angebot seiner besonders wichtigen Marken Jeep und Ram ausbauen und neue, margenstärkere Fahrzeuge auf den Markt bringen.

Erste Anzeichen für eine Stabilisierung sind bereits erkennbar. Nach mehreren Jahren mit rückläufigen Verkaufszahlen konnte Stellantis zuletzt wieder Wachstum in Nordamerika verzeichnen. Die dortigen Absatzvolumina lagen vier Quartale in Folge über dem jeweiligen Vorjahresniveau. Damit deutet sich an, dass die neue Strategie erste Wirkung entfalten könnte.

Für Anleger bleibt die Aktie dennoch deutlich spekulativer als Ferrari. Der Konzern muss beweisen, dass er seine rückläufigen Verkaufszahlen tatsächlich drehen, seine Produktionskapazitäten effizienter nutzen und die Profitabilität nachhaltig verbessern kann. Sollte dieser Turnaround jedoch gelingen, bietet die stark gefallene Bewertung erhebliches Erholungspotenzial.

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Redaktion

Fazit

Ferrari und Stellantis stehen für zwei völlig unterschiedliche Investmentansätze im Automobilsektor. Ferrari überzeugt vor allem durch eine außergewöhnlich starke Marke, hohe Preissetzungsmacht und eine kaufkräftige Kundschaft, während Stellantis vor allem wegen seiner stark gesunkenen Bewertung und der Aussicht auf einen erfolgreichen Turnaround interessant ist.

Beide Unternehmen könnten vom langfristigen Wandel der Automobilbranche profitieren, wenn Fahrzeuge zunehmend zu softwarebasierten Plattformen mit zusätzlichen digitalen Diensten und neuen Erlösquellen werden. Ferrari erscheint dabei als qualitativ hochwertigeres und defensiveres Unternehmen, während Stellantis deutlich mehr Turnaround-Risiko, zugleich aber auch erhebliches Aufwärtspotenzial bietet. Für Anleger, die gezielt nach bislang unterschätzten Chancen im Automobilsektor suchen, könnten beide Aktien daher einen genaueren Blick wert sein.

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