Biodel: Widerstand schwindet; Synta 50% nach Merger

von (as)  /   25. Juli 2016, 9:33  /   unter Aktien, Nasdaq, Technologie, Top-Stories  /   Keine Kommentare

Ein Kursplus von knapp 50% in der Spitze gab es vergangenen Freitag für unsere Watchlist-Aktie Synta Pharmaceuticals (WKN: A0MJ3X). Rund 10 Millionen gehandelte Stücke bedeuteten dabei das höchste Handelsvolumen seit über drei Monaten. Der Knall kommt für SD-Leser alles andere als überraschend, ist aber nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns bei Biodel (WKN: A1JZU5) erwartet.

Synta gab am Freitag den Abschluss des wenige Monate zuvor angekündigten Mergers mit Madrigal Pharmaceuticals bekannt. Die Aktie kannte daraufhin kein Halten mehr, lief intraday von 0,27 auf 0,40 USD. Nun steht ein Reverse Split im Verhältnis 35:1 unmittelbar bevor, zudem wird das Papier ab sofort unter dem Namen Madrigal und dem Kürzel MDL handeln. Der Fall Synta veranschaulichst nur allzu deutlich, welchen Effekt ein Merger-Abschluss zumeist auf den Aktienkurs hat. Ist der Zusammenschluss durch, kaufen sich in der Regel völlig neue Investorengruppen in den jeweiligen Wert ein, der zuvor nur noch ein Schattendasein pflegte.

Synta-Aktie ambitioniert bewertet – Biodel weiter spottbillig

Bei einem Schlusskurs von 0,34 USD oder rund 12 USD nach Aktienzusammenlegung wird dem kombinierten Unternehmen eine Marktkapitalisierung von etwa 135 Millionen USD zugestanden. Dem gegenüber stehen gut 40 Millionen USD Cash sowie Madrigals Leitwirkstoff MGL-3196 zur Behandlung von NASH und Cholesterinüberschuss. Das potenzielle Medikament befindet sich für beide Indikationen erst im frühen Phase-2-Stadium. Mit den neu vorhandenen Geldmittel sollen nun entsprechende klinische Studien finanziert werden, um Wirksamkeit und Sicherheit des Wirkstoffs genauer zu belegen. Nach Cash-Abzug käme Madrigal also derzeit auf eine Pipeline-Bewertung von fast 100 Millionen USD – möglicherweise zu viel für die Tatsache, dass man noch über kein einziges Late-Stage-Programm verfügt.

Bei Biodel steht das entscheidende Shareholders‘ Meeting zur Merger-Abstimmung in den nächsten Wochen auf der Agenda. Ein genauer Termin dürfte in Kürze verkündet werden. Das zuletzt veröffentlichte Proxy Statement fasste noch einmal die Details des avisierten Mergers mit Albireo zusammen und weckte zudem Spekulationen auf einen vorherigen Verkauf von Biodels Diabetes-Assets. Selbst ohne letzteren wäre die Biodel-Aktie mit Zustandekommen des Mergers aus unserer Sicht ein Geschenk und dürfte demnächst eine noch viel stärkere Kursreaktion zeigen als jüngst die Papiere von Synta. So wird erwartet, dass das zukünftige Albireo Pharma über mindestens 30 Millionen Cash verfügen wird und derzeitige Biodel-Aktionäre rund ein Drittel des neuen Unternehmens halten werden. Auf Basis des aktuellen Aktienkurses von 0,33 USD käme man damit auf einen Börsenwert von lediglich gut 60 Millionen USD. Mit anderen Worten: Albireos weit forgeschrittene und teilweise schon verpartnerte Wirkstoff-Pipeline gäbe es schon für 30 Millionen USD und damit für einen Bruchteil der eigentlich weniger wertvollen Madrigal-Assets.

Führende Pharma-Köpfe können Kurs durch die Decke schießen

Dem Abschluss des Mergers steht bei Biodel im Prinzip nichts mehr im Wege, nachdem Albireos Verantwortliche und Aktionäre bereits verbindlich zugestimmt haben. Die Einzigen, die noch ihr Veto einlegen könnten, sind also Biodels Anteilseigner im Rahmen des kommenden Shareholder Meetings. Diese dürften dem Ganzen jedoch kaum noch einen Strich durch die Rechnung machen, denn die Konditionen und Perspektiven des Deals sind bei genauerer Betrachtung außerordentlich vielversprechend. Dass Biodels Aktienkurs bei Abschluss des Mergers vermutlich durch die Decke knallen wird, dürften Profis längst wissen. So ist es nicht verwunderlich, dass nunmehr seit Monaten ganz offensichtlich der Freefloat immer weiter ausgedünnt und Aktienpakete gezielt aufgesaugt werden, ohne den Kurs bereits fliegen zu lassen.

Fakt ist: Albireos schwergewichte Investoren wie Phase 4 Partners, TPG Growth oder TVM Capital, die neben dem britischen Pharmakonzern AstraZeneca die hauptsächlichen Aktionäre sind, würden Stand jetzt einen heftigen Buchverlust auf ihr Investment erleiden, sollte Albireo mit nur etwa 60 Millionen USD Marktkapitalisierung an die Börse gehen. Dies wäre ein absoluter Irrsinn, da ein (Quasi-)IPO bekanntermaßen eher einen enormalen Wert-Hebel bedeutet und Albireo über die letzten Jahre eine exzellente Entwicklung vorweisen kann. Nicht umsonst bekleidet mit Ron Cooper seit Ende letzten Jahres der langjährige Europachef von Bristol-Myers Squibb den Posten des CEOs. Im Aufsichtsrat sitzen zudem mit David Chiswell und Denise Scots-Knight zwei der wohl renommiertesten und einflussreichsten Pharma-Köpfe überhaupt. Für Albireos Netzwerk dürfte es ein Leichtes sein, Freefloat-Investoren zu gewinnen und schnell für eine angemessene Bewertung zu sorgen. Zocker und Kleinanleger sind dabei wohl eher unerwünscht.

Wenn selbst Madrigal eine IPO-Bewertung im deutlich dreistelligen Millionenbereich erreicht, sollte dies für Albireo erst recht zu schaffen sein. Vor allem deshalb, da bei Albireo bis Jahresende reihenweise mögliche Kurskatalysatoren auf der Agenda stehen. Einige davon listen wir im Folgenden auf.

Potenzielle Kurskatalysatoren bis Jahresende:

  • Verkauf von Biodels Diabates-Assets (zus. Erlös für Aktionäre, evtl. vor Merger)
  • Einigung in Biodels Rechtsstreit mit Unilife (zus. Erlös für Aktionäre, evtl. vor Merger)
  • Positive Merger-Abstimmung auf Shareholders Meeting/Abschluss Merger
  • Reverse Split und damit einhergehend neue Käuferschichten
  • Positive Phase 2-Studiendaten zu A4250
  • Meeting mit FDA bzgl. Festlegung eines Pivotal Trials für A4250
  • Positive Phase 3-Studiendaten zu Elobixibat in Japan/Ankündigung Zulassungsantrag
  • Weitere Meilensteinzahlung für Elobixibat durch Japan-Partner EA Pharma
  • Verpartnerung von Elobixibat in USA/Europa (hohe Einmalzahlungen)
  • Neue Phase 2-Studie zu A3384 (ggf. nach Kapitalerhöhung zu höheren Kursen)
  • Überführung präklinischer Assets in die klinische Entwicklung
  • Weitere Partnerschaften/Kooperationen
  • Bestätigung weiterer Patente

Interessenkonflikt
Der Autor dieser Publikation hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Aktien des hier besprochenen Unternehmens Biodel und hat – wie andere Aktionäre auch – eventuell die Absicht, diese – auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei insbesondere von erhöhter Handelsliquidität profitieren. Hierdurch besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Bitte beachten Sie unseren vollständigen Haftungsausschluss und weitere Hinweise gemäß §34b Abs. 1 WpHG in Verbindung mit FinAnV (Deutschland) unter: sharedeals.de/haftungsausschluss.

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