Salesforce-Aktie: Was kann ihr denn noch helfen?
Eine neue Übernahme
Gestern gab Salesforce die Übernahme von Fin für 3,6 Milliarden US$ bekannt. Fin ist eine der führenden KI-Plattformen im Bereich des automatisierten Kundenservices.
Das Unternehmen entwickelt KI-Agenten, die Kundenanfragen über zahlreiche Kanäle automatisiert bearbeiten können – darunter Chat, E-Mail, Slack, SMS, Telefon und WhatsApp. Für Salesforce ist der Customer Service ein wichtiger Teil- und Wachstumsbereich. Der ERP-Riese will seine Kunden dabei unterstützen, Support-Prozesse zu automatisieren, Kosten zu senken und Kundenanfragen schneller zu lösen.
Wie SAP verstärkte Salesforce zuletzt massiv sein Engagement auf dem Gebiet der Agentic AI. Anfang Juni rollte der Tech-Konzern das Summer '26 Product Release aus. Der technologische Fokus verschiebt sich dabei weg von einfachen, isolierten Chatbots hin zu sogenannten Multi-Agenten-Systemen.
Künftig arbeiten Teams aus verschiedenen KI-Agenten vernetzt zusammen. Ein Agent nimmt die Kundenanfrage an, übergibt für das Angebot an den nächsten Spezialagenten und ein dritter regelt die After-Sales-Logistik. Eine neue, offene Schnittstelle ermöglicht es diesen KI-Agenten, direkt und sicher Live-Daten aus der Analyse-Engine von Tableau abzufragen.
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Ein Abverkauf droht
Nach einer kurzzeitigen Kurserholung Ende Mai befindet sich die Salesforce-Aktie seit Anfang Juni wieder im Sinkflug. Charttechnisch besonders kritisch ist, dass der Tech-Wert gestern unter das 3-Jahrestief bei 165 US$ gerutscht ist. Sollte dieser Support nicht gehalten werden, müssen Anleger mit einem weiteren technischen Abverkauf rechnen.
Viele Analysten sind noch optimistisch
Die jüngsten Reaktionen von Banken auf den milliardenschweren Fin-Zukauf zeigen, dass die meisten darin eine sinnvolle Übernahme sehen, die die KI-Strategie von Salesforce nach vorne bringt. Die Bullen der Investmentbank Jefferies und Stifel betonen, dass Fin perfekt in das neue Agentforce-Ökosystem von Salesforce passe sowie über 400 Millionen Dollar an jährlich wiederkehrendem Umsatz und einen treuen Kundenstamm aus dem lukrativen Segment der kleinen und mittleren Unternehmen mitbringe.
Dementsprechend empfehlen sowohl Jefferies als auch Stifel die Salesforce-Aktie zum Kauf. Mit einem Kursziel von 250 US$ sehen sie sogar ein Upside von über +50% für den Kurs.
Wesentlich vorsichtiger sind in Sachen Bewertung die Experten der Schweizer Großbank UBS und des Analysehauses Bernstein Research. Sie prognostizieren mit Kurszielen von 185 bzw. 173 US$ kaum mehr Potenzial für die Salesforce-Aktie. Die UBS argumentiert, dass der Markt erst handfeste Beweise sehen wolle, dass sich das organische Software-Wachstum in der zweiten Jahreshälfte tatsächlich wieder beschleunigt. Und Bernstein sieht das Risiko, dass der Trend zu KI-Agenten das traditionelle, pro Mitarbeiterlizenz abgerechnete Geschäftsmodell von Salesforce strukturell beschädigt.
Das spricht gegen die Aktie
Auch ich bin seit längerem ein Bär in Bezug auf die Salesforce-Aktie. Das Forward-KGV der Aktie liegt mit 12 zwar auf einem historisch niedrigen Niveau.
Aber das Wachstum von Salesforce wird sich in den kommenden Jahren auch im hohen einstelligen Bereich einpendeln. Genauer gesagt liegt das organische Wachstum (ohne Berücksichtigung von Übernahmen) bereits in dieser Größenordnung.
Zudem bringt die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz gleich zwei Probleme für Salesforce mit sich. Zum einen rechnet der Konzern seine Software traditionell pro Nutzerlizenz ab. Wenn hochentwickelte KI-Agenten in Zukunft massenhaft menschliche Arbeitsplätze ersetzen, bedeutet das weniger Abo-Einnahmen für Salesforce.
Zum anderen machen KI-Modelle Salesforce bereits heute Konkurrenz. Das Management von Kundenbeziehungen, also das Kerngeschäft von Salesforce, zählt meiner Einschätzung zu denjenigen Teilbereichen, die am einfachsten von KI-Agenten übernommen werden können.
Viele kleine und mittelgroße Unternehmen werden meiner Meinung nach in Zukunft darauf verzichten, sich große, komplexe und teure Lizenzen von Konzernen wie Salesforce einzukaufen, sondern auf kleinere Lösungen setzen, die ihren Bedürfnisse trotzdem voll und ganz gerecht werden. Diese Entwicklung wird die Preismacht von Salesforce unter Druck setzen.
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ℹ️ Salesforce in Kürze
- Salesforce (WKN: A0B87V) mit Sitz in San Francisco ist der weltweit führende Anbieter von Customer Relationship Management Software-Lösungen (Unternehmenssoftware für das Management von Kundenbeziehungen).
- Der Konzern bietet Unternehmen jeder Größe Cloud-basierte Lösungen in den Bereichen Kundenservice, Marketing und Vertrieb.
- Der im Dow Jones gelistete Software-Konzern ist an der Börse ca. 135 Milliarden US$ wert.
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Fazit
Ich sehe derzeit keine positiven Kurskatalysatoren für die Salesforce-Aktie. Der CRM-Konzern wird auch weiterhin im Zentrum der Angst vor einer KI-Disruption des Geschäftsmodells stehen und die Bewertung kann man immer noch nicht als Schnäppchen bezeichnen. Es gibt momentan keinen guten Grund, in die Salesforce-Aktie zu investieren.