Oracle-Aktie: Ist der Boden endlich erreicht?
Anleger wenden sich von Infrastrukturwerten ab
Mit Beginn der zweiten Jahreshälfte 2026 zeichnet sich an den Börsen eine Umschichtung ab. Die Begeisterung für den Boom rund um KI-Infrastruktur lässt nach, während insbesondere Halbleiterwerte kräftig korrigieren. Viele Speicherchip-Hersteller notieren inzwischen mehr als 20 Prozent unter ihren Höchstständen und erfüllen damit die klassische Definition eines Bärenmarktes. Gleichzeitig konnten zahlreiche große Softwareunternehmen sowie die meisten Mitglieder der sogenannten Magnificent Seven ihre Verluste wieder aufholen. Oracle bildet dabei eine auffällige Ausnahme.
Die Oracle-Aktie hat seit Jahresbeginn mehr als 30 Prozent an Wert verloren und bewegt sich auf dem niedrigsten Stand der vergangenen zwölf Monate. Vom Rekordniveau oberhalb von 300 US-Dollar aus dem Vorjahr ist der Kurs inzwischen um rund 60 Prozent entfernt. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, ob Oracle inzwischen attraktiv bewertet ist oder ob der Kursrückgang Ausdruck tiefer liegender Probleme ist.
Übrigens: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.
Softwaregeschäft bleibt ein stabiles Fundament
Oracle besteht inzwischen im Wesentlichen aus zwei großen Geschäftsbereichen. Zum einen steht das etablierte Softwaregeschäft mit den Datenbanklösungen, ERP-Systemen, NetSuite sowie den Fusion-Anwendungen. Zum anderen treibt das Unternehmen den Ausbau seiner Cloud-Infrastruktur mit enormen Investitionen voran.
Während viele Marktteilnehmer den Infrastrukturbereich kritisch beobachten, gerät das klassische Softwaregeschäft häufig in den Hintergrund. Dabei gehört Oracle weiterhin zu den weltweit führenden Anbietern von Unternehmensdatenbanken und ERP-Lösungen. Diese Systeme bilden das Rückgrat zahlreicher Konzerne und sind tief in deren Geschäftsprozesse integriert. Ein Wechsel zu einer anderen Plattform würde in vielen Fällen jahrelange Entwicklungsarbeit und erhebliche Kosten verursachen.
Diese starke Marktstellung spiegelt sich auch im Wachstum wider. Im vierten Quartal legte der Umsatz im Bereich Cloud Applications gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent zu. Besonders die Fusion-Anwendungen für Unternehmensverwaltung steigerten ihre Erlöse um zehn Prozent auf 4,1 Milliarden US-Dollar.
Damit bewegt sich Oracle auf einem ähnlichen Wachstumspfad wie andere etablierte Softwarekonzerne. Auch Salesforce, Workday und SAP wachsen derzeit im niedrigen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich. Von einer allgemeinen Schwäche des Softwaremarktes ist bislang wenig zu erkennen.
Effizienzsteigerungen stärken Profitabilität
Parallel zum Wachstum arbeitet Oracle an einer höheren Kosteneffizienz. Bis Ende des im Mai abgeschlossenen Quartals reduzierte das Unternehmen seine Belegschaft um rund 21.000 Stellen, was etwa 13 Prozent der Beschäftigten entspricht.
Die Auswirkungen zeigen sich bereits deutlich in den Geschäftszahlen. Der Nettogewinn nach GAAP stieg im Geschäftsjahr 2026 um 38 Prozent auf 17,1 Milliarden US-Dollar. Noch dynamischer entwickelte sich der operative Cashflow, der um 52 Prozent auf 32 Milliarden US-Dollar zulegte. Für ein Technologieunternehmen dieser Größenordnung sind solche Wachstumsraten bemerkenswert.
Cloud-Infrastruktur sorgt für enorme Auftragsbestände
Der wichtigste Wachstumstreiber bleibt das Infrastrukturgeschäft. Im vierten Quartal gewann Oracle neue Aufträge mit einem Gesamtvolumen von 85 Milliarden US-Dollar hinzu. Dadurch stiegen die verbleibenden Leistungsverpflichtungen auf insgesamt 638 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Zuwachs von 363 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Dieser Auftragsbestand entspricht nahezu dem Zehnfachen des aktuellen Jahresumsatzes von rund 67 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig zeigt diese Entwicklung, dass ein erheblicher Teil der Investitionen bereits durch langfristige Kundenverträge abgesichert ist und nicht auf bloßen Zukunftserwartungen basiert.
Hohe Investitionen bleiben Herausforderung
Für das Geschäftsjahr 2027 plant Oracle Investitionen von rund 70 Milliarden US-Dollar. Um dieses Programm zu finanzieren, sollen etwa 40 Milliarden US-Dollar über den Kapitalmarkt aufgenommen werden.
Die Verschuldung ist bereits heute erheblich. In der Bilanz stehen Finanzverbindlichkeiten von 129,5 Milliarden US-Dollar liquiden Mitteln von 31,9 Milliarden US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich eine Nettoverschuldung von knapp 98 Milliarden US-Dollar.
Dem gegenüber steht allerdings ein operativer Cashflow, der bereits 2026 bei 32 Milliarden US-Dollar lag und bei anhaltendem Wachstum in den kommenden Jahren weiter steigen dürfte. Dadurch erscheint der zusätzliche Finanzierungsbedarf zwar hoch, aber grundsätzlich beherrschbar.
Neue Vertragsmodelle könnten Kapitalbedarf senken
Eine wichtige Veränderung betrifft die Struktur neuer Infrastrukturverträge. Oracle setzt zunehmend auf Vereinbarungen, bei denen Kunden die benötigte Hardware selbst finanzieren. Von den im vierten Quartal neu gewonnenen Aufträgen über 85 Milliarden US-Dollar entfielen bereits 67 Milliarden US-Dollar auf dieses Modell.
Insgesamt umfassen inzwischen Verträge im Wert von 75 Milliarden US-Dollar diese Struktur. Nach Unternehmensangaben entstehen dadurch keine Nachteile bei Preisen oder Margen. Gleichzeitig sinkt der Kapitalbedarf für Oracle erheblich, da teure Grafikprozessoren nicht mehr vollständig vom Unternehmen finanziert werden müssen.
Diese Entwicklung könnte dazu beitragen, dass der derzeit außergewöhnlich hohe Investitionszyklus seinen Höhepunkt erreicht und die Abhängigkeit von neuen Schulden künftig sinkt.
Niedrige Bewertung trotz hoher Wachstumsziele
Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet Oracle einen Umsatz von rund 90 Milliarden US-Dollar. Das entspräche einem Wachstum von 34 Prozent. Beim bereinigten Gewinn je Aktie rechnet das Management mit einem Anstieg um 18 Prozent auf 8,05 US-Dollar.
Auf Basis dieser Prognosen wird die Aktie derzeit lediglich mit dem etwa 16-fachen des erwarteten Jahresgewinns bewertet. Damit liegt Oracle sowohl unter der Bewertung von SAP als auch unter jener von Microsoft, obwohl das erwartete Gewinnwachstum höher ausfällt.
Aus Sicht vieler Investoren wirkt die Bewertung daher vergleichsweise günstig. Das Verhältnis von Wachstum und Bewertung spricht dafür, dass der Markt einen Großteil der bestehenden Risiken bereits eingepreist hat.
Schulden und Kundenkonzentration als Risikofaktoren
Trotz der attraktiven Bewertung bestehen erhebliche Unsicherheiten. An erster Stelle steht die hohe Verschuldung, die durch die geplanten Investitionen zunächst weiter steigen dürfte. Sollten sich die Finanzierungskosten verschlechtern oder das Wachstum hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnte dies den finanziellen Spielraum einschränken.
Hinzu kommt die starke Abhängigkeit von einzelnen Großkunden im Infrastrukturgeschäft. Besonders der umfangreiche Vertrag mit OpenAI besitzt erhebliches Gewicht innerhalb des Auftragsbestands. Sollte sich die Monetarisierung von ChatGPT schwieriger entwickeln als erwartet oder der Wettbewerb im Markt für Künstliche Intelligenz deutlich zunehmen, könnte dies auch Oracle belasten.
ℹ️ Oracle in Kürze
- Oracle (WKN: 871460) ist ein US-Soft- und Hardwarekonzern mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas.
- Bekannt ist der Konzern vor allem als Betreiber eines Datenbanksystems. Darüber hinaus bietet Oracle seinen Kunden Cloud-Infrastruktur und zahlreiche Anwendungen an.
- Gegründet im Jahre 1977 und mit einem Jahresumsatz von über 50 Milliarden US$ zählt Oracle zu den ältesten und größten Tech-Konzernen weltweit.
- Oracle ist Mitglied im US-Leitindex S&P 500 und ca. 382 Milliarden US$ wert.
Oracle kaufen, halten oder verkaufen? Unsere zehnköpfige Redaktion berichtet regelmäßig über Oracle und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.
Oracle weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »
Fazit
Oracle verbindet ein weiterhin solides Softwaregeschäft mit einem stark wachsenden Infrastruktursegment. Die hohe Verschuldung bleibt zwar ein bedeutender Risikofaktor, doch die niedrige Bewertung und der umfangreiche Auftragsbestand sprechen dafür, dass die Aktie auf dem aktuellen Kursniveau aus langfristiger Sicht stark an Attraktivität gewonnen hat.
Echte Top-Rendite: Als Mitglied bei sharedealsPlus profitierst Du von wahren Börsenstars (+13.000% in 7 Jahren) und den richtigen Aktientipps zur richtigen Zeit!