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Evotec-Aktie: Zahlen-Desaster und Vertrauensverlust – Insolvenz ein Thema?

Neue Tiefs winken
Redaktion
Die Hoffnungen auf eine operative Trendwende bei Evotec haben einen schweren Dämpfer erhalten. Mit einer drastischen Senkung der Jahresprognose und deutlich schwächeren Gewinnerwartungen hat der Hamburger Wirkstoffforscher den Kapitalmarkt überrascht und das ohnehin fragile Vertrauen der Anleger erneut belastet. Für die Aktie könnte die Gewinnwarnung zum Startschuss einer weiteren Verkaufswelle werden.

Prognose bricht ein

Der nächste schwere Rückschlag für Evotec dürfte die ohnehin angeschlagene Aktie massiv unter Druck setzen. Das Unternehmen hat seine Jahresprognose am Montagabend überraschend deutlich zusammengestrichen und damit die Hoffnungen vieler Investoren auf eine operative Trendwende vorerst zunichtegemacht. Statt eines Umsatzes von 700 bis 780 Millionen Euro erwartet das Unternehmen nun nur noch 570 bis 610 Millionen Euro. Noch gravierender fällt die Korrektur beim operativen Ergebnis aus: Aus einem ursprünglich erwarteten bereinigten EBITDA zwischen 0 und 40 Millionen Euro wird nun ein Verlust von 70 bis 105 Millionen Euro.

Die vorläufigen Halbjahreszahlen zeigen gleichzeitig, dass der Jahresstart deutlich schwächer verlief als erhofft. Evotec erzielte im ersten Halbjahr lediglich einen Umsatz von 300,1 Millionen Euro und ein bereinigtes EBITDA von minus 42,7 Millionen Euro. Damit wird klar, wie weit das Unternehmen inzwischen von seinen ursprünglichen Jahreszielen entfernt ist.

Wieder dieselbe Begründung

Evotec verweist darauf, dass der Großteil der Prognosekorrektur nicht auf verlorene Geschäfte zurückzuführen sei. Rund 40 Prozent der Umsatzlücke entfallen auf verschobene Meilensteinzahlungen aus bestehenden Partnerschaften, weitere 45 Prozent auf Verzögerungen beim Abschluss neuer strategischer Kooperationen. Lediglich 15 Prozent seien auf eine tatsächlich schwächere Umsatzentwicklung zurückzuführen.

Doch genau diese Argumentation dürfte viele Anleger inzwischen skeptisch stimmen. Bereits in der Vergangenheit musste Evotec Erwartungen mehrfach nach unten korrigieren oder Erlöse zeitlich verschieben. Ob die angekündigten Einnahmen tatsächlich 2027 realisiert werden, bleibt letztlich offen. Für den Kapitalmarkt zählt nicht, wann Umsätze theoretisch erzielt werden könnten, sondern ob Prognosen eingehalten werden. Genau dieses Vertrauen hat das Unternehmen erneut beschädigt.

Operatives Geschäft macht Hoffnung – reicht aber nicht

Dabei entwickelt sich das Basisgeschäft durchaus positiv. Die Nettoverkäufe im Discovery-&-Preclinical-Development-Geschäft ohne strategische Partner legten im ersten Halbjahr um rund 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Auch Just – Evotec Biologics profitierte von einer hohen Kapazitätsauslastung und einer wachsenden Kundenbasis.

Diese Fortschritte reichen allerdings nicht aus, um den Ausfall der margenstarken Meilensteinzahlungen zu kompensieren. Gerade diese Erlöse sorgen üblicherweise für einen erheblichen Ergebnishebel. Entsprechend fällt die Belastung beim EBITDA deutlich stärker aus als beim Umsatz.

Mit einem Cashbestand von noch gut 465 Millionen Euro besteht zwar kein akutes Insolvenzrisiko, allerdings muss Evotec das Ruder eher früher als später herumreißen. Sollte auch nur ein Top-Partner wie Bristol Myers Squibb einmal wegfallen, könnte das Unternehmen plötzlich mit dem Rücken zur Wand stehen.

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Management setzt auf Geduld

Vorstandschef Christian Wojczewski verweist auf eine weiterhin gut gefüllte Pipeline und fortgeschrittene Gespräche über neue Partnerschaften in Bereichen wie Onkologie, Adipositas oder Nierenerkrankungen. Gleichzeitig hält Evotec an seinem Transformationsprogramm "Horizon" fest und sieht sich bei den geplanten Kostensenkungen auf Kurs.

Allerdings dürften Investoren diese Aussagen inzwischen mit deutlich größerer Zurückhaltung aufnehmen. Solange neue Partnerschaften nicht unterschrieben und Meilensteinzahlungen tatsächlich verbucht werden, bleiben sie Zukunftsmusik. Nach der erneuten Prognosesenkung steht das Management stärker denn je in der Pflicht, seine Ankündigungen endlich mit belastbaren Ergebnissen zu untermauern.

ℹ️ Evotec in Kürze

  • Evotec (WKN: 566480) mit Sitz in Hamburg ist ein international tätiges Unternehmen im Bereich der pharmazeutischen Wirkstoffforschung.
  • In Forschungs- und Entwicklungspartnerschaften mit Biotech-Unternehmen und Pharmakonzernen weltweit erforscht und entwickelt Evotec Wirkstoffkandidaten für Therapieansätze in verschiedensten medizinischen Richtungen.
  • Evotec ist Mitglied im TecDAX und rund 900 Millionen € wert.

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Redaktion

Fazit

Mit der drastischen Gewinnwarnung hat Evotec einen weiteren schweren Vertrauensverlust am Kapitalmarkt riskiert. Nach mehreren Enttäuschungen innerhalb kurzer Zeit dürfte die Geduld vieler Anleger erschöpft sein. Entsprechend erscheint ein Test der bisherigen Jahrestiefs oder sogar neue Mehrjahrestiefstände bei der Aktie kurzfristig durchaus wahrscheinlich, solange das Unternehmen keine klaren Belege für eine nachhaltige operative Wende liefern kann.

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