Rheinmetall-Aktie: Panik oder antizyklische Kaufchance?
Warum die Aktie trotz voller Auftragsbücher fällt
Operativ gibt Rheinmetall derzeit kaum Anlass zur Sorge. Im Gegenteil: Zuletzt konnte der Rüstungskonzern gleich mehrere Großaufträge an Land ziehen – darunter ein fast eine Milliarde € schweres Ausbildungsprojekt für die britische Armee, ein Auftrag für die kuwaitische Marine sowie ein Gemeinschaftsprojekt mit MBDA Deutschland zur Entwicklung moderner Laserwaffensysteme. Auch die Munitionslieferungen an die Ukraine laufen planmäßig.
An der Börse verpuffen diese positiven Nachrichten jedoch weitgehend. Stattdessen dominieren politische Schlagzeilen und Bewertungsfragen. Fortschritte bei den von den USA vermittelten Gesprächen über einen möglichen Waffenstillstand in der Ukraine haben den gesamten europäischen Rüstungssektor unter Druck gesetzt. Obwohl ein konkretes Friedensabkommen weiterhin nicht in Sicht ist, befürchten viele Anleger eine nachlassende Dynamik bei den Verteidigungsausgaben.
Hinzu kommt, dass die Aktie nach ihrer spektakulären Rallye der vergangenen Jahre inzwischen einen erheblichen Bewertungsabbau durchläuft. Nach Kursgewinnen von mehreren hundert Prozent mussten die hohen Erwartungen erst einmal an die operative Entwicklung angepasst werden. Belastet wurde die Stimmung zuletzt zudem durch den Wegfall eines milliardenschweren Fregattenprojekts der Bundeswehr.
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Langfristige Wachstumstreiber bleiben intakt
Fundamental hat sich an der langfristigen Investmentstory dagegen wenig geändert. Die NATO-Staaten bauen ihre Verteidigungsbudgets weiter aus, Europa investiert massiv in militärische Fähigkeiten und Rheinmetall verfügt weiterhin über einen Rekordauftragsbestand. Vor allem der Ausbau der Munitionsproduktion dürfte in den kommenden Jahren erhebliches Wachstum eröffnen.
Der nächste wichtige Gradmesser wird der Quartalsbericht am 6. August sein. Anleger werden dabei weniger auf den Umsatz als vielmehr auf die Entwicklung der operativen Margen und des Cashflows achten. Entscheidend ist, ob Rheinmetall den enormen Auftragsbestand weiterhin profitabel abarbeiten kann.
Analysten bleiben trotz Kurssturz optimistisch
Die Analystenzunft hält dem Konzern bislang weitgehend die Treue. Von rund 28 Analysten empfehlen 25 die Aktie zum Kauf, drei raten zum Halten und kein Experte spricht eine Verkaufsempfehlung aus. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit rund 1.700 € weiterhin deutlich über dem aktuellen Kursniveau.
Allerdings gehen die Einschätzungen inzwischen stärker auseinander. Während Häuser wie die Deutsche Bank oder die DZ Bank weiterhin erhebliches Aufwärtspotenzial sehen, verweisen vorsichtigere Analysten auf politische Risiken, mögliche Budgetverschiebungen innerhalb der Verteidigungsetats sowie den zunehmenden Wettbewerb in Zukunftsfeldern wie Drohnen und KI-gestützter Verteidigungstechnologie.
Charttechnisch wird es jetzt spannend
Das Chartbild hat sich zuletzt deutlich eingetrübt. Seit Beginn des Iran-Krieges hat die Aktie mehr als -44% an Wert verloren und notiert inzwischen über -50% unter ihrem Hoch von 1.966 € zu Jahresbeginn. Mit dem erneuten Rutsch unter die psychologisch wichtige Marke von 1.000 € wurde ein weiteres Verkaufssignal ausgelöst.
Nun richtet sich der Blick auf das 16-Monats-Tief bei 900,20 €, das Ende Juni markiert wurde. Im großen Bild befindet sich die Aktie inzwischen wieder innerhalb des langfristigen Aufwärtstrendkanals, der seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 besteht. Dessen Untergrenze sowie die knapp darunter verlaufende 200-Wochen-Linie bei rund 804 € könnten sich als wichtige langfristige Unterstützungszone erweisen.
ℹ️ Rheinmetall AG in Kürze
- Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
- Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
- Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
- Rheinmetall ist Mitglied in den Leitindizes DAX und EuroStoxx 50. Der Börsenwert liegt aktuell bei 45,8 Milliarden €.
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Fazit
Kurzfristig sprechen das angeschlagene Chartbild, die hohe politische Unsicherheit und die nervöse Marktstimmung gegen eine schnelle Trendwende. Gleichzeitig scheint ein erheblicher Teil der schlechten Nachrichten inzwischen eingepreist zu sein. Fundamental bleibt Rheinmetall dank des weltweiten Auf- und Ausrüstungsbooms, prall gefüllter Auftragsbücher und robuster Wachstumsperspektiven hervorragend positioniert.
Für antizyklisch orientierte Langfristinvestoren wird die Aktie auf dem aktuellen Niveau daher zunehmend interessant. Dennoch dürfte der Titel angesichts seiner hohen Volatilität und politischen Abhängigkeit auch künftig anfällig für kräftige Kursschwankungen bleiben.
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