DAX vs. NASDAQ100: Die Saisonalität wirft Fragen auf
Ein schwieriges Umfeld für die Börsen
Die Ausgangslage könnte kaum widersprüchlicher sein. Zwar bleiben die Wachstumserwartungen rund um Künstliche Intelligenz hoch und die jüngsten US-Inflationsdaten haben den Druck auf die Notenbank zunächst reduziert. Zudem sorgen geopolitische Risiken, höhere Energiepreise und Unsicherheiten über die weitere Geldpolitik für Gegenwind. Auch Chinas Wirtschaft verlor zuletzt an Dynamik und wuchs im zweiten Quartal nur noch um 4,3%.
In Europa kommt hinzu, dass die EZB im Juni den Einlagenzins auf 2,25% angehoben hat und höhere Energiepreise die Inflationsperspektive belasten. Damit bleibt das Umfeld auch für den exportorientierten DAX anspruchsvoll.
Andere Chance(n) rund um Energie und Rohstoffe gesucht? Schau Dir unsere drei Werte in unserem neuen exklusiven Report rund um Energie, Rohstoffe und Infrastruktur an. Wer wissen will, welche Aktien von der Energiekrise als Börsenchance besonders profitieren könnten, sollte hier genauer hinschauen.
Der DAX hat historisch ein Sommerproblem

Quelle Chart: seasonax
Besonders auffällig fällt der saisonale Verlauf beim DAX aus. Die Seasonax-Auswertung der vergangenen 25 Jahre zeigt von Mitte Juli bis Anfang Oktober eine durchschnittliche Rendite von -3,41%.
Dabei überrascht zunächst die Trefferquote: In 13 von 25 Jahren verlief der betrachtete Zeitraum positiv, in zwölf Jahren negativ. Entscheidend ist jedoch die Größenordnung der Bewegungen. Positive Perioden brachten im Durchschnitt +5,58%, während die Verlustperioden durchschnittlich satte -12,28% kosteten.
Mit anderen Worten: Der DAX fiel historisch nicht besonders häufig, wenn es zwischen Mitte Juli und Anfang Oktober abwärts ging, dann allerdings häufig kräftig. Genau diese asymmetrische Verteilung drückt die durchschnittliche Rendite deutlich ins Minus.
NASDAQ 100 zeigt sich robuster

Quelle Chart: seasonax
Beim NASDAQ 100 sieht das saisonale Bild weniger dramatisch aus. Auch hier weist die 25-jährige Historie für die Zeit von Mitte Juli bis Anfang Oktober eine negative Durchschnittsrendite aus. Mit -0,61% fällt sie allerdings wesentlich geringer aus als beim DAX.
Zudem endeten 14 von 25 betrachteten Perioden mit einem Gewinn, was einer Trefferquote von 56% entspricht. Die durchschnittlichen Gewinne lagen bei +7,03%, während Verlustperioden im Mittel -9,54% einbrachten.
Besonders interessant ist der Median von +2,48%. Dieser zeigt, dass ein typisches Jahr für den NASDAQ 100 in diesem Zeitraum keineswegs zwingend negativ verlaufen muss. Einzelne besonders schwache Jahre ziehen den langfristigen Durchschnitt jedoch unter die Nulllinie.
Saisonalität ist keine Prognose
Die Zahlen zeigen zugleich die größte Schwäche saisonaler Betrachtungen. Sie liefern Wahrscheinlichkeiten und historische Muster, aber keine verlässliche Prognose für das laufende Jahr.
Gerade 2026 stehen sich außergewöhnlich starke Einflussfaktoren gegenüber. Der KI-Investitionszyklus stützt insbesondere den US-Technologiesektor, während geopolitische Risiken und mögliche neue Inflationsimpulse durch höhere Energiepreise jederzeit für größere Schwankungen sorgen können. Die zuletzt deutlich niedrigere US-Inflation wiederum hat die Erwartungen an eine unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung der Fed reduziert.
Welcher Index hat die besseren Karten?
Rein saisonal betrachtet besitzt der NASDAQ 100 für die kommenden Wochen die deutlich bessere Ausgangslage. Zwar ist auch seine durchschnittliche Performance bis Anfang Oktober leicht negativ, doch die historischen Rückschläge fallen weniger schwer ins Gewicht als beim DAX. Wenn Du interaktiven Austausch suchst, schau doch einfach auch bei unserem Hauptchat vorbei - dort findest Du auch eine Community-Umfrage zum Thema: Hier geht es zum Chat-Room!
Besonders beim deutschen Leitindex sollten Anleger die kommenden Wochen daher nicht unterschätzen. Die Kombination aus einer durchschnittlichen Rendite von -3,41% und deutlich größeren Verlusten in schwachen Jahren zeigt, wo das eigentliche Risiko liegt. Beim NASDAQ 100 spricht hingegen die positive Trefferquote von 56% zusammen mit einem Median von +2,48% dafür, saisonale Schwäche nicht automatisch mit einem bevorstehenden Kursrückgang gleichzusetzen.
DAX kaufen, halten oder verkaufen? Unsere zehnköpfige Redaktion berichtet regelmäßig über DAX und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.
DAX weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »
Fazit
Die saisonalen Daten liefern keinen Grund, Aktien pauschal zu verkaufen, mahnen aber zur Vorsicht. Besonders der DAX zeigte zwischen Mitte Juli und Anfang Oktober historisch eine ungünstige Risiko-Rendite-Verteilung, da schwache Jahre deutlich höhere Verluste verursachten als gute Jahre Gewinne brachten. Der NASDAQ 100 präsentiert sich im direkten Vergleich robuster und könnte insbesondere von der anhaltenden KI-Fantasie profitieren. Angesichts der aktuellen geopolitischen und geldpolitischen Unsicherheiten dürfte jedoch bei beiden Indizes in den kommenden Wochen mit erhöhter Volatilität zu rechnen sein.
Dabei bemerkt: Regierungen stocken strategische Rohstoffreserven massiv auf – unser Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ analysiert zwei Aktien, die zu großen Profiteuren werden dürften.