Berichtssaison startet: Was die Bankbilanzen über die Wirtschaft verraten
JPMorgan: Rekordjagd
Mit 58 Milliarden US$ Umsatz (erwartet: 50 Milliarden US$) und einem Rekordgewinn von rund 21 Milliarden US$ lieferte JPMorgan einen der größten Beats der Firmengeschichte. Primär waren Visa-Sondereffekte von 4,6 Milliarden US$ der Grund dafür, aber auch ohne diesen Einmalposten übertrafen die Ergebnisse zu Erwartungen. Die Aktie stieg von -2% zu Beginn auf aktuell +2%.
Der Aktienhandel legte 86% zu und Investment-Banking-Gebühren stiegen um 30%.
Das zweite Quartal übertraf das bereits extrem starke Auftaktquartal und das kommende dritte Quartal dürfte nochmals mehr Gewinne liefern, vor allem durch den höheren Zinsausblick. CEO Jamie Dimon rechnet mit einem Zinsüberschuss von 105 Milliarden US$ für das gesamte Jahr 2026. Das ist knapp die Hälfte des gesamtem pr0gnotiszierten Umsatzes von 210 Milliarden US$ für 2026.
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Der neue Liebling: Goldman Sachs
Ein völlig anderes Bild zeichnete sich heute bei Goldman Sachs. Das reine Investmentbanking-Haus ist mittlerweile kaum vom klassischen Privatkundengeschäft mehr abhängig und glänzt dadurch mehr denn je. Die Aktie schoss heute bereits um rund +7% nach oben, was eher untypisch für Bank-Aktien ist.
Ein Nettogewinn von rund 6 Milliarden US$ ist nahezu eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Erträge stiegen um 39% und lagen damit klar über den Erwartungen. Treiber war vor allem der Handel mit Aktien und Anleihen. Die Einnahmen aus dem Aktienhandel legten um 72% gegenüber dem Vorjahr zu.
Die Gebühreinnahmen wuchsen um mehr als die Hälfte und der Zinsüberschuss um etwa ein Viertel. All das, weil globale Fusionen, Übernahmen (M&A) und Börsengänge nach einer langen Durststrecke explosionsartig zurückgekehrt sind. Im Zuge dessen erhöhte der Verwaltungsrat die Quartalsdividende um 11% auf 5 US$ je Aktie.
Auch die restlichen drei Banken (Citigroup, Wells Fargo und Bank of America) gingen mit dem Konsens steigender Trading-Erträge, Kreditvolumina und Vermögensverwaltungsgebühren mit. Ein schönes Bild, was die US-Banken zeichnen, doch es trifft auf ein nervöses Marktumfeld.
Was Bankenchefs sagen
Mehrere Bankchefs, darunter auch Goldman Sachs und JPMorgan, verwiesen darauf, dass die Bewertungen vieler Vermögenswerte – insbesondere Aktien – inzwischen sehr hoch seien. Sollten sich Wachstum oder Unternehmensgewinne abschwächen, könnten die Märkte empfindlich reagieren.
Geopolitische Risiken könnten die Inflation wieder anheizen oder die Weltwirtschaft bremsen. Kredite steigen, aber sie werden auch teurer. Die Frage ist, ob US-Konsumenten, das langfristig tragen können.
Mehrere Manager äußerten sich besorgt über die steigenden US-Haushaltsdefizite. Langfristig könnten diese zu höheren Staatsanleiherenditen, Finanzierungskosten und mehr Volatilität an den Kapitalmärkten führen.
Was bedeuten diese Ergebnisse für die Gesamtwirtschaft?
- Keine baldige Vollbremsung der Zinsen: Da die Banken operativ immer noch sehr profitabel sind und die Wirtschaft nicht kollabiert, hat die US-Notenbank vorerst keinen Druck, die Zinsen zu senken. Sie dürften länger hoch bleiben, was die wirtschaftliche Aktivität im zweiten Halbjahr dämpfen könnte.
- Der Konsument baut ab (oder auf): Die gestiegenen Kredite zeigen, dass die US-Haushalte konsumieren wollen, aber aufgrund gestiegener Kosten dafür Finanzierungen brauche. Solange Banken keine Verschlechterung der Kreditqualität melden, dürfte das kein Risiko sein.
- Die Unternehmen schöpfen wieder Mut: Die starken Zahlen von Goldman Sachs im Investmentbanking belegen, dass Konzerne wieder investieren, fusionieren und den Gang an die Börse wagen. Allerdings ist das zyklisch und garantiert keine dauerhaften Gewinne.
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Fazit
Die Berichtssaison ist hervorragend gestartet und offenbart, wie es um den relevantesten Faktor für die US-Wirtschaft steht: den Konsumenten.
Die heute frisch vorgelegten Kreditzahlen der Banken bestätigen das makroökonomische Bild eines sich zunehmend verschuldenden US-Bürgers, der aber weiterhin robust konsumiert. Das dürfte sich in den anstehenden Ergebnisse von Konsum-Aktien dementsprechend positiv widerspiegeln, ist aber mit Vorsicht zu genießen. Langfristig sind steigende Kredite und gleichbellend hohe Zinsen kein gesundes Wirtschaftsumfeld.
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