Gold: Kurzfristig unter Druck, langfristig mit Potenzial?
Die Stimmung hat gedreht
Noch Ende Januar schien es für Gold kein Halten zu geben. Der Preis für eine Feinunze schoss auf ein Rekordhoch von knapp 5.600 US$ und profitierte von geopolitischen Spannungen, massiven Zentralbankkäufen und der Sorge um die Staatsfinanzen vieler Länder. Doch die Stimmung hat sich seitdem dramatisch gedreht. Mit Kursen von etwas über 4.000 US$ notiert Gold inzwischen fast -30% unter seinem Jahreshoch.
Die entscheidende Frage für Anleger lautet daher: Ist das der Beginn eines längeren Bärenmarktes oder lediglich eine gesunde Korrektur innerhalb eines intakten Aufwärtstrends?
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Geldpolitik rückt in den Fokus
Der wichtigste Belastungsfaktor kommt derzeit aus den USA. Seit dem Amtsantritt von Fed-Chef Kevin Warsh haben sich die Erwartungen an die Geldpolitik deutlich verändert. Statt baldiger Zinssenkungen diskutieren die Märkte inzwischen wieder über länger hohe Zinsen oder sogar weitere Straffungsschritte.
Für Gold ist das problematisch. Das Edelmetall wirft keine laufenden Erträge ab und verliert an Attraktivität, wenn Anleger auf Anleihen oder andere verzinsliche Anlagen ausweichen können. Gleichzeitig hat der US-Dollar kräftig zugelegt, was Gold für Käufer außerhalb der Vereinigten Staaten verteuert.
Der Markt reagiert entsprechend empfindlich.
Deutsche Bank wird vorsichtiger
Vor diesem Hintergrund hat auch die Deutsche Bank ihre Goldprognosen deutlich reduziert. Die Analysten erwarten für das dritte Quartal nun einen durchschnittlichen Preis von 4.300 US$ je Unze und für das vierte Quartal 4.800 US$. Beide Werte liegen weit unter den bisherigen Schätzungen.
Mit ihrer Einschätzung steht die Deutsche Bank nicht allein da. Auch Goldman Sachs hat seine Jahresendprognose zuletzt um 500 US$ auf 4.900 US$ gesenkt. Die Botschaft ist klar: Kurzfristig dominiert die Zinsdebatte das Geschehen am Goldmarkt.
Warum die langfristigen Treiber intakt bleiben
Trotz der jüngsten Schwäche gibt es jedoch gute Argumente gegen einen nachhaltigen Einbruch. So kaufen zahlreiche Zentralbanken weiterhin große Mengen Gold. Besonders China hat seine Importe zuletzt massiv ausgeweitet und erreichte die höchsten Einfuhren seit mehr als zwei Jahren.
Hinzu kommen strukturelle Faktoren wie die steigende US-Staatsverschuldung, hohe Haushaltsdefizite und die zunehmende Entdollarisierung vieler Länder. Genau darauf verweisen langfristig orientierte Analysten.
Die Bank of America hält weiterhin an ihrem Szenario fest, wonach Gold langfristig sogar die Marke von 6.000 US$ erreichen könnte. Auch Rohstoffexperten wie Jerry Prior sehen die aktuelle Schwächephase eher als Marktbereinigung denn als Trendbruch. Nach ihrer Einschätzung wurden vor allem spekulative Übertreibungen abgebaut, während die fundamentalen Treiber unverändert bestehen bleiben.
ℹ️ Gold im Überblick
- Gold erfüllt mehrere Funktionen. Neben seiner Verwendung in der Schmuckindustrie und in bestimmten Industriebereichen dient es vor allem als Wertspeicher. Viele Anleger nutzen Gold als Schutz vor Inflation, Währungsabwertung und geopolitischen Krisen.
- Schätzungen zufolge wurden bislang rund 216.000 Tonnen Gold gefördert. Die wirtschaftlich abbaubaren Reserven werden auf etwa 50.000 bis 55.000 Tonnen geschätzt. Die begrenzte Verfügbarkeit ist ein wichtiger Grund dafür, weshalb Gold langfristig seinen Wert behalten bzw. steigern konnte.
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Fazit
Gold befindet sich aktuell in einem Spannungsfeld aus restriktiver Geldpolitik, Dollarstärke und nachlassender Krisenprämie. Solange die Märkte mit höheren US-Zinsen rechnen, dürfte die Volatilität hoch bleiben. Bei einem nachhaltigen Rutsch unter die 4.000-US$-Marke sind weitere Verluste nicht ausgeschlossen.
Langfristig spricht jedoch vieles dafür, dass der übergeordnete Aufwärtstrend intakt bleibt. Zentralbankkäufe, die wachsende Staatsverschuldung vieler Länder, geopolitische Unsicherheiten und der Trend zur Entdollarisierung bilden weiterhin ein starkes Fundament für das Edelmetall.
Auch ich sehe in der aktuellen Schwächephase weniger ein Warnsignal als vielmehr nur eine Zwischenkorrektur in einem weiterhin intakten Bullenmarkt.