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Oracle-Aktie: Angst vor den Zahlen?

Große Nervosität
Erst zum Monatsbeginn kletterte die Oracle-Aktie auf ein neues Jahreshoch. Doch seitdem ist es mit der guten Laune beim Technologieriesen vorbei. Inzwischen notiert der Kurs -17% unter dem Hoch und auch am Mittwochmorgen geht es um weitere -3% im europäischen Handel bergab. Haben Anleger Angst vor den Zahlen, die Oracle heute Abend vorlegen wird? Und wenn ja, zu Recht?

Das wird erwartet

Oracle wird am Abend die Zahlen für das Ende Mai abgelaufene vierte Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 abliefern und die Erwartungen der Analysten-Community sind hoch. Beim Umsatz rechnen die Experten mit einem Wachstum von 20% gegenüber dem Vorjahr auf ca. 19,1 Milliarden US$. Der bereinigte Gewinn soll den Konsensschätzungen nach bei ca. 1,96 US$ liegen, was einer Steigerung von ca. 15% auf Jahressicht entspräche.

Noch wichtiger als die nackten Umsatz- und Gewinnzahlen werden die Entwicklungen bei den folgenden drei Kennzahlen sein:

1. Das OCI-Wachstum: Die Oracle Cloud Infrastructure ist seit geraumer Zeit der Haupttreiber der Aktie. Für Oracles Cloud-Infrastruktur-Sparte, die direkt mit Microsoft Azure und AWS konkurriert, wird ein extrem starkes Wachstum erwartet. Einige optimistische Analysten halten sogar ein Wachstum von bis zu 90% im Jahresvergleich für möglich, angetrieben durch die enorme Nachfrage nach KI-Rechenkapazitäten. Das OCI-Wachstum wird zeigen, wie schnell Oracle im Wettlauf der großen Hyperscaler aufholen kann.

2. Der Auftragsbestand: Im Vorquartal meldete Oracle die gigantische Summe von 553 Milliarden US$ an verbleibenden Leistungsverpflichtungen (Remaining Performance Obligations). Die großen Fragen heute Abend werden sein, wie schnell Oracle diesen astronomischen Auftragsberg in Umsatz ummünzen kann und wie schnell der Auftragsbestand weiterhin wächst.

3. Die Investitionsausgaben: Um den KI-Boom zu bedienen, baut Oracle massiv Rechenzentren aus. Die Investitionen lagen in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres bereits bei knapp 39 Milliarden US$ (im Vergleich zu nur 12 Milliarden US$ im Vorjahreszeitraum). Investoren werden ganz genau hinsehen, wie sich die Capex entwickeln.

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Es sieht nicht gut aus

Das Chartbild der Oracle-Aktie sieht vor der Zahlenvorlage gar nicht gut aus. Der wochenlange Aufwärtstrend ist nicht nur Anfang Juni zu Ende gegangen, sondern gleich in einen steilen Abwärtstrend übergegangen. Die untere Trendlinie wurde durchbrochen — ein charttechnisch sehr negatives Signal.

Heute wird die Oracle-Aktie im US-Handel voraussichtlich auf unter 200 US$ fallen. Auch das ist ein psychologisch negatives Signal.

Wo ist das Haar in der Suppe?

Die Oracle-Zahlen haben Signalwirkung, nicht nur für das Unternehmen selbst, sondern für die gesamte Technologiebranche. Sie werden Hinweise darauf geben, wie hoch das Wachstum nach wie vor ist und vor allem, wie viel Geld der IT-Gigant in die Hand nehmen muss, um dieses Wachstum überhaupt zu ermöglichen.

Die Börse macht sich meiner Meinung nach zunehmend Sorgen, dass auch bei Oracle eine Kapitalerhöhung anstehen könnte. Zuletzt musste sogar Alphabet die Börse für frisches Kapital anzapfen, um seine dreistelligen Milliardeninvestitionen in KI-Infrastruktur finanzieren zu können. Auch bei Meta Platforms häufen sich Medienberichte, dass eine Kapitalerhöhung vonnöten ist.

Die Oracle-Aktie wird aktuell mit einem Forward-KGV von 26 bewertet. Das ist meiner Einschätzung nach für einen Konzern, der im kommenden GJ mit möglicherweise über 30% wachsen wird und nach wie vor eine Gewinnmaschine ist, kein übertrieben hohe Bewertung.

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ℹ️ Oracle in Kürze

  • Oracle (WKN: 871460) ist ein US-Soft- und Hardwarekonzern mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas.
  • Bekannt ist der Konzern vor allem als Betreiber eines Datenbanksystems. Darüber hinaus bietet Oracle seinen Kunden Cloud-Infrastruktur und zahlreiche Anwendungen an.
  • Gegründet im Jahre 1977 und mit einem Jahresumsatz von 50 Milliarden US$ zählt Oracle zu den ältesten und größten Tech-Konzernen weltweit.
  • Oracle ist Mitglied im US-Leitindex S&P 500 und ca. 592 Milliarden US$ wert.

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Fazit

Trotzdem rate ich Anlegern, nicht vor der Zahlenpräsentation heute Abend einzusteigen. Das Risiko einer Fortsetzung des jüngsten Kursrückgangs der Oracle-Aktie ist mir zu hoch.

Die Börse war zuletzt sehr gut darin, bei allen Tech-Riesen mindestens ein Haar in der Suppe zu finden. Ich kann mir deshalb gut vorstellen, dass das auch bei den Oracle-Zahlen so ablaufen wird. Entweder ist das OCI-Wachstum zu niedrig oder die Entwicklung des Auftragsbestands zu schwach oder die Investitionsausgaben zu hoch.