Snowflake-Aktie: Historische Zahlen, ein Milliarden-Deal und der Aufstieg zur KI-Schaltzentrale

Cloud-Daten & KI-Revolution
Polina Dmitrovskaya
Snowflake hat in einer einzigen Nacht die Skeptiker verstummen lassen. Mit einem Kurssprung von über +30% nach Börsenschluss, dem stärksten Quartalswachstum der Unternehmensgeschichte und einem milliardenschweren Strategiedeal signalisiert das Unternehmen: Die nächste Stufe der künstlichen Intelligenz ist eingeleitet worden (Agentic AI). Bahnt sich die Aktie erneut ihren Weg zum einstigen Allzeithoch?

Zahlen-Explosion auf dem Parkett

Der Produktumsatz von Snowflake schoss im ersten Quartal des Fiskaljahres 2027 um 34% auf 1,33 Milliarden US$ – das stärkste Dollar-Wachstum in der Geschichte des Unternehmens. Der Gesamtumsatz belief sich auf 1,39 Milliarden US$, was einem Plus von rund 33% entspricht. Besonders bemerkenswert: Die Net Revenue Retention Rate – ein Schlüsselindikator dafür, wie viel bestehende Kunden im Jahresvergleich mehr ausgeben – lag bei 126%. Ein Wert von 100% würde bedeuten, die bestehenden Kunden geben heute exakt genauso viel Geld aus wie vor einem Jahr. 126% bedeutet, dass bestehende Kunden ihre Ausgaben im Durchschnitt um 26% gesteigert haben. 

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Vom Nachzügler zur Speerspitze

Lange galt Snowflake als Nachzügler im KI-Hype. Im April 2026 war die Aktie mit 118€ nahe ihrem Allzeittief von 103€. Nun scheint sie sich zu erholen, hat aber noch einiges aufzuholen, um ihrem Allzeithoch von ca. 378€ näher zu kommen.

KI-Nachfrage beschleunigt das Kerngeschäft der Datenplattform, und Unternehmenskunden migrieren mit zunehmender Dringlichkeit auf Snowflake, getrieben von dem Bedürfnis, ihre Daten für moderne KI-Anwendungen fit zu machen. Das Management hob die Jahresprognose für den Produktumsatz um unglaubliche 31% an. Für Q2 erwartet Snowflake eine bereinigte operative Marge von 12,5%, was auch über den Erwartungen der Analysten liegt.

Der 6-Milliarden-Dollar-Coup mit Amazon

Außerdem verkündete Snowflake eine erweiterte strategische Partnerschaft mit Amazon Web Services (AWS). Das Unternehmen verpflichtet sich, über fünf Jahre 6 Milliarden US$ in AWS-Graviton-Chips und KI-Dienste zu investieren. Analyst Holger Mueller von Constellation Research wertet die 6-Milliarden-US$-Verpflichtung als Schlüsselelement, um künftige Infrastrukturkosten zu senken, da solche Commitments in der Regel erhebliche Volumenrabatte mit sich bringen. Gleichzeitig ist das Abkommen für die Marktteilnehmer das klarste Signal überhaupt, dass das Management von einem dauerhaft robusten und hohen Nachfragewachstum im Cloud-Daten-Geschäft ausgeht.

Die Evolution zur „Agentic AI“

Flankiert wird das Rekordquartal von einer zukunftsweisenden Akquisition: Snowflake übernimmt Natoma Partners, eine hochspezialisierte Plattform für sogenannte Model Context Protocols (MCP) und KI-Agenten. Snowflake wandelt sich rasant von einer reinen Cloud-Datenbank zur Sicherheits- und Schaltzentrale für „Agentic AI“.

Künftig sollen autonome KI-Agenten direkt auf den riesigen Datenbergen der Unternehmenskunden operieren, um komplexe Geschäftsprozesse selbstständig zu lösen. Durch die Kombination aus der Natoma-Sicherheitsschicht, der eigenen Datenschnittstelle (Snowflake Cortex) und Amazons KI-Modellen (AWS Bedrock) entsteht ein extrem mächtiges Ökosystem.

Analysten-Euphorie trifft auf sportliche Bewertung

Analysten zeigten sich durch die Bank weg begeistert von der unerwartet schnellen und harten Monetarisierung der KI-Anwendungen, was zu reihenweisen Kurszielerhöhungen führte. Einziger Wermutstropfen bleibt – wie so oft im Tech-Sektor – die Bewertung. Das Forward-KGV liegt bei rund 85 und damit deutlich über Wettbewerbern wie Datadog (55), ServiceNow (21) oder Oracle (26).

Auf der Schattenseite bleibt ein GAAP-operativer Verlust von 326 Millionen US$ und eine weiterhin erhöhte aktienbasierte Vergütung, die das Eigenkapital der Aktionäre belastet. Das Ratinghaus Morningstar mahnt: Snowflakes Bewertung sei „fordernd",  jede Abschwächung beim Wachstum könnte erheblichen Druck auf den Kurs erzeugen.

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ℹ️ Snowflake in Kürze

  • Snowflake (WKN: A2QB38) ist ein Software-as-a-Service-Unternehmen, das seinen Kunden eine Plattform für die Datenanalyse bietet.
  • Das Unternehmen besitzt keine eigenen Rechenzentren, sondern bündelt und strukturiert die Datenmengen von Großkonzernen auf den Clouds von Amazon (AWS), Microsoft und Google.
  • Das 2012 gegründete Unternehmen hat Standorte in zwölf Ländern weltweit.
  • Snowflake notiert an der New York Stock Exchange und ist aktuell ca. 60,7 Milliarden US$ wert.

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Polina Dmitrovskaya

Fazit

Nach einem Kursanstieg von über +30% in einer Nacht lautet die ehrliche Antwort: nicht blind kaufen, aber auch nicht ignorieren. Die operative Story ist überzeugend: 34% Produktwachstum, eine nach oben revidierte Jahresprognose, ein langfristig gesicherter Infrastrukturvertrag und eine klare KI-Positionierung durch die Natoma-Übernahme zeigen, dass Snowflake endlich liefert. 

Geduldige Investoren mit hoher Risikotoleranz können die Aktie auf dem Radar behalten, kurzfristig orientierte Anleger sollten den Einstieg nach einer Konsolidierungsphase abwarten.