Über- oder unterbewertet? Micron, Samsung und SK Hynix im Direktvergleich
Im Markt für Speicherchips werden jetzt die Bullen von der Leine gelassen. Sogenannte High Bandwidth Memory (HBM) (auf Deutsch: Speicher mit hoher Bandbreite) sind mehr als nur ein Massenprodukt. Es ist eine hochprofitable Spezialkomponente des KI-Zeitalters, dessen Produktion sich gerade einmal nur drei Unternehmen weltweit untereinander aufteilen. Die bisherige Rallye war bereits steil, doch es ist noch lange kein Ende in Sicht für die Speicherchip-Hersteller Micron Technology, Samsung und SK Hynix – im Gegenteil, die Bewertungen sind dermaßen niedrig, dass ein Einstieg allemal gerechtfertigt ist.
Das HBM-Oligopol: Die Kontrahenten im Überblick
- Micron Technology (USA): Das US-Schwergewicht fungiert als geopolitischer Hoffnungsträger des Westens und profitiert massiv von der US-Offensive für heimische Halbleiterlieferketten.
- Samsung Electronics (Südkorea): Der breit aufgestellte Technologieriese federt die Zyklik des Speichergeschäfts geschickt durch seine starke Marktposition bei Smartphones und Displays ab.
- SK Hynix (Südkorea): Der pure Speicher-Spezialist gilt als unangefochtener Pionier bei der Entwicklung von HBM für KI-Anwendungen.
Brutale Margen
Im ersten Quartal 2026 haben die Speicherhersteller Margen erzielt, die sonst nur Software-Giganten vorbehalten waren:
- SK Hynix schoss mit einer atemberaubenden operativen Marge von 72% den Vogel ab.
- Samsung zog mit über 70% operativer Marge in seiner Chip-Sparte eindrucksvoll nach.
- Micron untermauerte die Rallye mit dem letzten Quartalsbericht (März 2026), in dem es mit einer Bruttomarge von satten 74,4% und einer operativen Marge von rund 68% die Erwartungen übertraf. Der Ausblick für das Folgequartal bei Micron liegt bei einer prognostizierten Bruttomarge von rund 81%.
Diese astronomische Profitabilität sieht man an der Wall Street sonst nur bei reinen Software-Firmen.
Auftragsbücher und politische Faktoren
Die Auftragsbücher von SK Hynix und Micron sind für HBM-Speicher bis weit in das Jahr 2027 ausverkauft. Nvidia kann seine Blackwell-Generation physisch nicht ohne diese Chips ausliefern.
Politisch hat Micron durch seinen US-Sitz die Nase vorn. Dank des CHIPS Acts profitiert Micron von massiven Subventionen beim Aufbau von Fabriken im Inland. Für westliche Kunden ist das ein gewichtiges Argument für Lieferkettensicherheit.
Die südkoreanischen Giganten Samsung und SK Hynix sitzen hingegen geografisch näher am Taiwan-Konflikt, genießen jedoch durch ihre schiere Größe und staatliche Unterstützung in Seoul ebenfalls hohe systemische Relevanz. Nicht zuletzt werden südkoreanische Unternehmen mit einem Bewertungsabschlag von 20 bis 30% gehandelt, weshalb die Regierung das sogenannte „Corporate Value-Up Program“ ins Leben gerufen hat, um die Bewertungen langfristig zu steigern.
Bewertung: KGVs im Vergleich
Trotz der massiven Rallye der vergangenen Monate bleiben die Bewertungen gemessen an klassischen Kennzahlen erstaunlich moderat:
- SK Hynix ist aktuell der am günstigsten bewertete Titel unter den Speicherherstellern mit einem Forward KGV von rund 4. Durch die rekordverdächtigen HBM-Margen im ersten Quartal haben Analysten ihre Gewinnprognosen drastisch nach oben korrigiert, was das Forward-KGV trotz der jüngsten Kursrallye auf diesen sehr niedrigen Wert gedrückt hat.
- Auch Samsung ist mit einem Forward KGV von 5,4 im historischen Vergleich extrem günstig bewertet. Hier spiegelt sich der typische „Korea-Discount” wider. Im Branchenvergleich bietet Samsung aufgrund seines breiten Portfolios (inkl. Smartphones) die defensivste Bewertung.
- Micron Technology wird mit einem Forward KGV von rund 5,9 gehandelt und ist damit das am höchsten bewertete Unternehmen in diesem Trio, bleibt aber im Vergleich zum breiten US-Tech-Sektor weiterhin auffallend günstig.
Fazit
Alle drei Titel sind meiner Meinung nach einen Kauf wert. SK Hynix ist aktuell die beste Wahl für spekulative Anleger. Die operative Marge von 72% in Verbindung mit einem extrem niedrigen Forward-KGV signalisiert schlichtweg eine Unterbewertung. Wer es konservativer mag, greift zu Samsung, da das Smartphone-Geschäft die typische Chip-Volatilität dämpft. Während Samsung oft über die schiere Masse kommt, glänzt Micron durch extreme technologische Präzision bei der Verkleinerung von Speicherstrukturen, spart somit enorme Produktionskosten und sorgt für die aktuell überlegene Energieeffizienz der Micron-Chips.
Allerdings darf man nicht vergessen, dass alle drei Unternehmen extrem von einem einzigen Markttrend abhängig sind: der künstlichen Intelligenz. Sollten die Tech-Giganten ihre Budgets für KI-Infrastruktur aufgrund steigender (Energie-)Kosten kürzen, würde dies die Nachfrage nach High-End-Speicherchips unmittelbar einbrechen lassen.
Während andere Anleger nur auf allgemeine Marktnachrichten angewiesen sind, erhältst Du mit dem kostenlosen SD Insider Newsletter zweimal wöchentlich konkrete Aktientipps von sharedeals-Börsenprofis.