Ferrari-Aktie: Warum gibt sie kein Gas mehr?
Jahrelang stand die Ferrari-Aktie auf dem Gaspedal und eilte von Allzeithoch zu Allzeithoch. Doch seit geraumer Zeit stottert der Motor des italienischen Sportwagenbauers. In den letzten zwölf Monaten fiel der Aktienkurs um gut ein Drittel. Warum kann die Ferrari-Aktie kein Gas mehr geben und wird sich das bald ändern?
Klasse statt Masse
Auch die zur Wochenmitte vorgelegten Zahlen für das erste Quartal konnten der Ferrari-Aktie keinen neuen Schub verleihen, obwohl sie durch die Bank gut ausfielen. Wie immer glänzten die Italiener mit Klasse statt Masse.
Der Absatz ging in den ersten drei Monaten des Jahres zwar um 4,4% auf 3.436 Fahrzeuge zurück. Aber Ferrari gelang es mit teureren Modellen und kostspieligen Personalisierungen der Fahrzeuge trotzdem, seinen Umsatz um 3% auf 1,85 Milliarden € zu steigern. Währungsbereinigt lag das Erlösplus sogar bei 6%. Analysten hatten im Vorfeld nur mit 1,82 Milliarden € gerechnet.
Das EBITDA erhöhte sich um 4% auf 722 Millionen €, was einer wie gewohnt beeindruckenden Gewinnmarge von 39% entspricht. Auch hier gelang es Ferrari, die Markterwartung von 710 Millionen € zu toppen.
Der Nettogewinn lag bei 413 Millionen € und der Gewinn je Aktie erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr minimal von 2,30 auf 2,33 €. Der Free Cashflow fiel mit 653 Millionen € außergewöhnlich stark aus.
Erstaunlicherweise schient Ferrari nicht von den Schwierigkeiten auf dem chinesischen Markt betroffen zu sein. Der Sportwagenbauer steigerte seinen Absatz in China um 7,6%, Auch in den USA gab es leichte Zugewinne. Das Geschäft in der Region EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) ging allerdings um 14% zurück.
Die Auftragsbücher von Ferrari sind nach wie vor prall gefüllt. Die Produktion ist für die nächsten 18 Monate ausverkauft.
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Charttechnisch kritisch
Die Ferrari-Aktie befindet sich in einer charttechnisch kritischen Situation. Sie notiert aktuell nur hauchdünn über ihrem 3-Jahrestief bei ca. 270 €. In den letzten Tagen konnte sich Ferrari nicht entscheidend von diesem Mehrjahrestief absetzen. Die Marke von 320 € scheint derzeit ein unüberwindbares Hindernis darzustellen.
Zwei Belastungsfaktoren
Angesichts der guten Quartalszahlen ist es schon ein wenig erstaunlich, dass die Ferrari-Aktie keine deutlich positive Kursreaktion zeigte. Das mag mit zwei Faktoren zu tun haben:
Das Wachstum bei Ferrari scheint sich abzuflachen. Nachdem die Sportwagenikone in den letzten drei Jahren ihren Umsatz um ca. 12% jährlich steigerte, gehen Analysten 2026 und 2027 nur noch von einem Wachstum von 6 bis 7% aus.
Gleichzeitig belasten die neuen Zolldrohungen aus den USA die Stimmung. Für Ferrari sind die Vereinigten Staaten ein sehr wichtiger Absatzmarkt. Zollerhöhungen um 10% und mehr könnten Spuren in der Marge hinterlassen.
Schafft Ferrari, was Porsche nicht gelungen ist?
Der letzte, aber vielleicht wichtigste Punkt ist, dass Ferrari aktuell an der Schwelle zur Transformation zu einem E-Autohersteller steht. Ende des Monats werden die Italiener mit dem Luce ihr erstes vollelektrisches Modell vorstellen.
Ferrari muss damit beweisen, dass sein Erfolg nicht von bärenstarken Verbrennungsmotoren mit sattem Auspuff-Sound abhängt, sondern auch in Welt des E-Antriebs Bestand hat. Porsche wirft mit all seinen Transformationsproblemen einen Schatten voraus.
Ich bin trotzdem guter Dinge, dass Ferrari diese Transformation zum E-Auto erfolgreich hinbekommen wird. Die Autos aus Maranello haben einen so hohen Kultstatus bei vermögenden Autokäufern in aller Welt, dass sie auch weiterhin jedes Preisschild tragen können, ohne dadurch Absatzprobleme zu verursachen.
Ferrari wird es meiner Meinung nach zweifellos gelingen, mit dem Luce einen einzigartigen Elektrosportwagen vorzustellen, der alles bislang Dagewesene in den Schatten stellen wird. Die Ferrari-Aktie ist auf dem aktuellen Kursniveau definitiv einen Kauf wert. Die Bewertung ist so günstig wie schon lange nicht mehr.
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ℹ️ Ferrari in Kürze
- Ferrari (WKN: A2ACKK) entwickelt, produziert und vermarktet exklusive Sportwagen und Formel-1-Fahrzeuge. Das 1947 vom legendären italienischen Rennfahrer Enzo Ferrari gegründete Unternehmen hat seinen Verwaltungssitz in Maranello bei Modena in Italien und seinen Rechtssitz in Amsterdam.
- Nachdem der Sportwagenhersteller über viele Jahrzehnte ein Tochterunternehmen von Fiat war, notiert die Ferrari-Aktie seit 2015 an der Börse.
- Ferrari ist Mitglied im europäischen Leitindex Euro Stoxx 50 und an der Börse ca. 56 Milliarden € wert.