Take-Two Interactive-Aktie: Jetzt für GTA 6 positionieren?

Kurs deutlich zurückgekommen

Die Aktie von Take-Two Interactive bewegte sich über lange Zeit erstaunlich stabil im Bereich zwischen rund 230 und 250 Dollar. Inzwischen hat der Markt den Titel deutlich korrigiert, obwohl sich operativ kaum Schwächen zeigen. Gerade im Vorfeld des Mega-Blockbusters Grand Theft Auto VI könnte jedoch ein entscheidender Umsatztreiber unterschätzt werden.

Take-Two Interactive
stock.adobe.com/Timon

Kursrückgang trotz solider Geschäftszahlen

Seit Jahresbeginn ist die Take-Two-Aktie über 20% gefallen, obwohl das letzte Quartal solide ausgefallen ist. Ein Teil dieser Schwäche dürfte mit neuen Entwicklungen im Bereich generativer künstlicher Intelligenz zusammenhängen. Insbesondere das von Alphabet Inc. vorgestellte Projekt Project Genie sorgt für Diskussionen, weil es theoretisch ermöglichen soll, Spiele mit wenigen Eingaben automatisch zu erzeugen.

Solche Technologien könnten die Entwicklung vereinfachen und damit den Wettbewerb verschärfen. Langfristig dürfte der Effekt für Take-Two jedoch eher positiv als negativ sein. Entscheidender ist ein anderer Aspekt, der im Markt bislang kaum Beachtung findet: das Umsatzpotenzial der Vorbestellungen von Grand Theft Auto VI.

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Rockstar und das seltene Vertrauen der Spielergemeinschaft

Das Studio Rockstar Games gilt innerhalb der Branche als eines der angesehensten Entwicklerteams. Dieser Ruf beruht weniger auf finanziellen Kennzahlen als auf der Glaubwürdigkeit gegenüber der Spielergemeinschaft.

Viele große Publisher haben in der Vergangenheit zwar erfolgreiche Titel veröffentlicht, das Vertrauen der Spieler jedoch durch fehlerhafte Releases oder nicht eingelöste Versprechen beschädigt. Beispiele sind etwa Ubisoft oder CD Projekt. Rockstar hingegen genießt weiterhin einen außergewöhnlichen Vertrauensvorschuss.

Selbst die Verschiebung von Grand Theft Auto VI wird von vielen Fans nicht als Problem gesehen, sondern als Hinweis darauf, dass das Studio zusätzliche Zeit nutzt, um ein besonders ausgereiftes Produkt zu liefern.

Der Maßstab Red Dead Redemption 2

Ein wesentlicher Grund für dieses Vertrauen liegt im Erfolg von Red Dead Redemption 2. Das 2018 veröffentlichte Spiel gilt bis heute als Referenz für die Kombination aus Erzählung, Detailtiefe und lebendiger Spielwelt.

Auch Jahre nach der Veröffentlichung fällt es vielen Studios schwer, eine ähnlich komplexe und glaubwürdige virtuelle Welt zu erschaffen. Zahlreiche Spiele erschienen seither mit beeindruckender Technik oder guter Handlung, doch nur wenige verbinden so viele Elemente zu einem stimmigen Gesamtwerk.

Diese Qualität entsteht nicht allein durch Technologie. Sie basiert auf Erfahrung, kreativer Vision und einem tiefen Verständnis dafür, welche Details ein Spiel für Spieler lebendig wirken lassen.

KI als Werkzeug, nicht als Ersatz für Kreativität

Die aktuelle Diskussion um KI-gestützte Entwicklungstools zeigt, dass technische Innovation nicht automatisch bessere Spiele hervorbringt. Spieler reagieren häufig skeptisch auf Technologien, die zwar realistischere Grafik versprechen, aber den künstlerischen Stil verwässern.

Ein Beispiel ist die Debatte um neue Grafikverfahren von Nvidia, bei denen künstliche Intelligenz zur Optimierung der Darstellung eingesetzt wird. Trotz beeindruckender technischer Ergebnisse kritisierten viele Spieler, dass visuelle Elemente dadurch generischer wirken können.

Der entscheidende Faktor bleibt daher die kreative Umsetzung. Studios, die bislang Schwierigkeiten hatten, überzeugende Spielwelten zu erschaffen, werden durch KI allein kaum erfolgreicher. Entwickler wie Rockstar hingegen könnten von solchen Tools profitieren, weil sie Entwicklungsprozesse beschleunigen, ohne die kreative Qualität zu beeinträchtigen.

Markenstärke und strategische Entscheidungen

Rockstar hat über viele Jahre hinweg starke Marken aufgebaut. Noch wichtiger ist jedoch der strategische Ansatz hinter den Spielen. Anstatt zunächst auf langfristige Monetarisierung zu setzen, wurde mit Grand Theft Auto V zunächst ein außergewöhnlich umfangreiches Spiel entwickelt.

Erst danach entstand mit Grand Theft Auto Online ein dauerhaftes Online-Ökosystem, das bis heute hohe Einnahmen generiert. Dieser Ansatz unterscheidet sich deutlich von vielen anderen Studios, die von Beginn an auf Service-Modelle setzen.

Diese Kombination aus Qualität, Markenstärke und strategischem Timing erklärt, warum Aussagen des Managements zur Nachfrage nach GTA VI von vielen Investoren und Spielern ernst genommen werden.

Das unterschätzte Potenzial der Vorbestellungen

Die eigentliche Überraschung könnte jedoch schon vor dem eigentlichen Verkaufsstart des Spiels entstehen. Historisch betrachtet begann die Vorbestellphase für Grand Theft Auto V etwa fünf Monate vor der Veröffentlichung.

Sollte sich ein ähnlicher Zeitplan wiederholen, könnten Vorbestellungen für Grand Theft Auto VI bereits im Sommer starten. Falls der geplante Release im Herbst bestätigt wird, wäre eine entsprechende Ankündigung rund um die nächste Quartalspräsentation denkbar.

Analystenschätzungen gehen derzeit davon aus, dass der Umsatz im Quartal bis Juni 2026 etwa 1,5 Milliarden Dollar erreichen wird. Diese Erwartung basiert im Wesentlichen auf dem bestehenden Geschäft und berücksichtigt kaum zusätzliche Einnahmen aus Vorbestellungen.

Dabei könnten schon moderate Annahmen erhebliche Umsätze erzeugen. Angenommen, lediglich 2,5 Prozent der rund 90 Millionen Besitzer einer PlayStation 5 würden das Spiel vorbestellen und der durchschnittliche Preis läge bei 70 Dollar, ergäbe sich bereits ein zusätzlicher Umsatz von mehr als 150 Millionen Dollar. Premium-Editionen und weitere Plattformen könnten diesen Betrag deutlich erhöhen.

Umsatzpotenzial über den Launch hinaus

Auch beim eigentlichen Verkaufsstart könnte der Markt zu konservativ rechnen. Konsensschätzungen erwarten für das Geschäftsjahr 2027 einen Umsatz von etwa 9,2 Milliarden Dollar.

Das bestehende Geschäft von Take-Two generiert derzeit ungefähr 6,4 Milliarden Dollar jährlich. Um die erwarteten 9,2 Milliarden zu erreichen, müssten rund 2,8 Milliarden Dollar aus dem Verkauf von GTA VI stammen.

Das entspräche etwa 35 Millionen verkauften Exemplaren zu einem durchschnittlichen Preis von 80 Dollar. Für eine Reihe mit der Popularität von Grand Theft Auto erscheint diese Annahme eher konservativ.

Sollten dagegen 45 Millionen Exemplare verkauft werden, läge der zusätzliche Umsatz bereits bei rund 3,6 Milliarden Dollar. Damit könnte der Jahresumsatz von Take-Two in Richtung von 10 Milliarden Dollar steigen.

Bewertung der Aktie im Branchenvergleich

Bei einer Unternehmensbewertung von rund 35 Milliarden Dollar wirkt die Aktie nicht extrem günstig, erscheint jedoch zunehmend attraktiv. Historisch konnte das Unternehmen in einzelnen Jahren Free-Cash-Flow-Margen von bis zu 30 Prozent erreichen.

Sollte der freie Cashflow langfristig in Richtung von drei Milliarden Dollar steigen, entspräche dies aktuell einem Verhältnis von Unternehmenswert zu Free Cashflow von etwa 12.

Zum Vergleich: Andere Spieleentwickler wie Capcom, Roblox und CD Projekt werden teilweise mit Multiplikatoren von mehr als 15-fachen EBITDA bewertet. Vor diesem Hintergrund erscheint ein ähnliches Bewertungsniveau für Take-Two durchaus nachvollziehbar.

Risiken für das langfristige Szenario

Trotz des positiven Ausblicks bleiben Risiken bestehen. Ein wesentlicher Faktor ist der langfristige Erfolg der Online-Komponente des neuen Action-Highlights. Sollte es nicht gelingen, ein ähnlich starkes Ökosystem wie bei GTA Online aufzubauen, könnte ein kurzfristiger Umsatzhöhepunkt schnell wieder abflachen.

Ein warnendes Beispiel liefert der Online-Modus von Red Dead Redemption 2, der hinter den Erwartungen zurückblieb. Ein vergleichbares Szenario bei GTA VI würde das langfristige Wachstum deutlich bremsen.

Darüber hinaus hängt ein Teil des Potenzials von zusätzlichen Projekten ab, etwa möglichen Neuauflagen älterer GTA-Titel auf Basis der neuen Engine.

Fazit

Doch auch mit diesen Unsicherheiten überwiegen derzeit die Chancen. Vorbestellungen, starke Erstverkäufe und ein möglicher Ausbau des Online-Ökosystems könnten die Erwartungen des Marktes deutlich übertreffen.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Aktie von Take-Two Interactive nach dem jüngsten Rückgang wieder attraktiv bewertet. Unter der Annahme eines erfolgreichen Starts von Grand Theft Auto VI ergibt sich daher eine vorsichtig positive Einschätzung für den Titel.

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ℹ️ Take-Two Interactive in Kürze

  • Take-Two Interactive (WKN: 914508) ist ein 1993 gegründeter US-amerikanischer Entwickler und Publisher von Computerspielen mit Sitz in New York City.
  • Bekannt ist der Games-Konzern vor allem für seine Studios Rockstar Games und 2K Games.
  • Mit Serien wie BioShock, Borderlands, Farmville, Grand Theft Auto und Red Dead Redemption brachte Take-Two Interactive in den letzten Jahren einige der beliebtesten Games-Franchises auf den Markt.
  • Über das Unternehmen Zynga, das Take-Two im Jahr 2022 erwarb, ist der Games-Konzern auch stark im Markt für Mobile und Social Gaming etabliert.
  • Take-Two Interactive notiert an der US-Technologiebörse Nasdaq und ist ca. 35 Milliarden US$ wert.
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