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Was steckt hinter dem Kupfer-Hype?

Kupfer-Player für Dein Depot
Polina Dmitrovskaya

Kupfer ist das neue Lithium. Während Tech-Giganten die Software für die Zukunft liefern, liefert Kupfer die Hardware. Im Mai 2026 ist das Industriemetall endgültig zum strategischen Asset der KI-Ära aufgestiegen. Was in Zukunft von dem Metall zu erwarten ist, welche Unternehmen den Markt dominieren und ob sich ein Einstieg noch lohnt, erfährst Du hier.

Der Hype

Der Bau modernen Rechenzentren erzeugt eine hohe Kupfernachfrage. Somit notiert der aktuelle Spotpreis an der COMEX, der weltweit wichtigsten Terminbörse für den Handel mit Metallen, bei rund 6,42 US$/lb. Das ist zwar kein Peak, atmet dem Allzeithoch aber direkt im Nacken.

Das löst bei Analysten oft Panik oder extreme Euphorie aus, weil niemand genau weiß, wo der neue Deckel liegt. Seit Jahresbeginn steht ein sattes Plus von +12% zu Buche – für ein Basismetall wie Kupfer eine außergewöhnlich starke Rallye. Normalerweise schwanken diese Metalle im einstelligen Bereich pro Jahr. Dieser Anstieg könnte eine echte Knappheit signalisieren.

Auch die US-Bank Goldman Sachs hat ihr Kursziel für Ende 2026 bereits auf 12.650 US$/t angehoben, doch der Markt rennt den Prognosen aktuell davon. Die Wetten auf Prognosemärkten wie Kalshi zeigen eine hohe Wahrscheinlichkeit (über 60%), dass Kupfer bis zum Monatsende die Marke von 6,50 US$/lb nachhaltig durchbricht.

Welche Trends wir für 2026 noch erkennen, kannst Du in unserem Report „3 Top-Picks 2026“ nachlesen. Schau unbedingt rein!

Die Kupfer-Giganten im Check

Wer vom Boom profitieren will, kommt an diesen drei Playern nicht vorbei. Doch Vorsicht: Die Bewertungen sind heiß gelaufen und dadurch hochvolatil.

1. Antofagasta (+21% YTD): Der chilenische Pure-Player profitiert direkt von der exzellenten Infrastruktur und stabilen Abnehmern in China und den USA. Der Fokus liegt auf der Kosteneffizienz und das hat seinen Wert. Ein KGV von 40,5 ist nicht gerade günstig (und das höchste aller im Artikel genannten Firmen). Es profitiert von Chiles erneuerbarem Stromnetz für die Förderung, hat allerdings eine starke Abhängigkeit von der chilenischen Wasserknappheit. Deshalb investiert das Unternehmen kontinuierlich in Entsalzungsanlagen mit dem Ziel bis 2030 etwa 50 bis 66% des Wassers für den Bergbau aus dem Meer zu beziehen. Das könnte die Produktion langfristig absichern.

 

2. Freeport-McMoRan (+22% YTD): Der unangefochtene US-Leader mit massiven Projekten in Indonesien und Arizona. Der USA-Heimvorteil ist hier ein wichtiger Faktor, denn in Zeiten von Handelskriegen ist Kupfer aus den USA für die heimische Industrie (Tesla, Nvidia-Rechenzentren, US-Stromnetz) Gold wert. Anders als seine Konkurrenz nutzt Freeport modernste chemische Verfahren und KI-gesteuerte Analysen, um mehr Kupfer pro Mine zu gewinnen. Jedoch bleibt die für Freeport sehr relevanten Grasberg-Mine in Indonesien aufgrund der Geopolitik der größte Unsicherheitsfaktor.

 

3. Southern Copper (+25% YTD): Die Dividendenmaschine kontrolliert gigantische Reserven in Peru und Mexiko. Es hat weltweit mit die niedrigsten Cash-Costs. Das bedeutet, sie holen das Kupfer extrem günstig aus dem Boden. Bei hohen Preisen bleibt hier fast jeder zusätzliche Dollar als Reingewinn hängen (Nettomargen von 32 bis 38%). Jedoch bestehen operative Risiken durch soziale Unruhen in Peru. Zuletzt gab es den Entzug einer Betriebsgenehmigung für Tía María, einem neuen Kupferbergwerk in Peru.

 

4. Lundin Mining (+28% YTD): Wenn Anleger die geopolitischen Risiken von Chile (Antofagasta), Peru (Southern Copper) oder Indonesien (Freeport) umgehen wollen, ist das der stabilste Kandidat auf der Liste. Lundin Mining ist ein diversifizierter Basis-Metall-Produzent mit Sitz in Kanada und hat ein derzeitiges KGV von ca. 20 – vergleichsweise niedrigere als die der Konkurrenz (31-40). Obwohl sie auch in Chile aktiv sind, ist ihr Engagement geografisch so breit gestreut, dass ein politisches Problem in einem einzelnen Land das Gesamtunternehmen nicht zu Boden reißt. Mit erwarteten Nettomargen für 2026 von 12 bis 16% liegt Lundin zwar unter den Werten von Southern Copper oder Freeport, behauptet sich aber als extrem solider Mid-Cap-Performer mit geringerem Risiko.

Lass Dir eines gesagt sein: Rohstoffe sind nicht bloß ein Hype, sondern ein systemrelevanter Baustein des KI-Zeitalters. Weitere spannende Unternehmen findest Du in unserem unschlagbaren Report zum Rohstoffsektor.

Polina Dmitrovskaya

Fazit

Wer kurzfristig auf einen schnellen Verdoppler hofft, kommt zu spät – die KGVs von 30 bis 40 bei den Top-Minern sind sportlich. Die vergangenen Kursanstiege im zweistelligen Bereich leiten gut und gerne harte Kurskorrekturen ein. Ein Seitwärtstrend aufgrund der Unsicherheit wäre denkbar. Zudem sind Miner sehr zyklische Unternehmen.

Doch für langfristige Investoren ist jeder Rücksetzer Richtung 6,00 US$/lb eine Kaufgelegenheit, da der Bau von Rechenzentren noch lange nicht vorbei ist und Kupfer weiterhin auf Nachfrage stoßen sollte.