Palantir-Aktie: Zu teuer oder wieder ein „Strong Buy“?
Ein Einstieg nach Kursrückgängen wirkt bei einem Unternehmen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 90 auf den ersten Blick ungewöhnlich. Dennoch liefert Palantir Technologies weiterhin operative Kennzahlen, die selbst skeptische Marktteilnehmer nur schwer ignorieren können. Hohe Wachstumsraten, steigende Margen, eine wachsende Kundenbasis und kontinuierlich angehobene Gewinnerwartungen sprechen bislang für die Stärke des Geschäftsmodells.
Die zentrale Frage bleibt jedoch, ob die jüngste Entwicklung dauerhaft tragfähig ist. Entscheidend ist dabei vor allem, ob die Artificial Intelligence Platform AIP das Geschäftsmodell strukturell verbessert hat oder ob die aktuelle Dynamik vor allem auf einen kurzfristigen KI-Boom und besonders intensive Implementierungsprojekte zurückzuführen ist. Bislang deuten die Zahlen eher auf eine nachhaltige Entwicklung hin.
Mehr als ein klassisches Softwareunternehmen
Palantir unterscheidet sich deutlich von traditionellen Softwareanbietern. Das Unternehmen verkauft keine standardisierte SaaS-Lösung mit einfachem Lizenzmodell, sondern adressiert zunächst konkrete operative Probleme seiner Kunden.
Versicherungen etwa stehen häufig vor komplexen Aufgaben wie der Betrugserkennung oder der Automatisierung von Risikoanalysen. Solche Herausforderungen lassen sich oft nicht allein mit einem einzelnen KI-Modell lösen. Genau an dieser Stelle setzt Palantir an.
Zwar bieten auch Konzerne wie Salesforce, ServiceNow oder Microsoft entsprechende Lösungen an, doch Palantir kombiniert Datenintegration, Modellierung, operative Prozesse, Governance und Kontrollmechanismen innerhalb einer hochintegrierten Plattform. Herzstück dieser Strategie ist die sogenannte Ontology-Plattform.
Mit dem Start von AIP hat das Unternehmen zusätzlich seine Vertriebsstrategie verändert. Statt künstliche Intelligenz theoretisch zu vermarkten, führt Palantir potenzielle Kunden in kurzen, praxisnahen Workshops direkt an konkrete Anwendungsfälle heran. Unternehmen arbeiten dabei unmittelbar mit ihren eigenen Daten. Dieser Ansatz beschleunigt den Verkaufsprozess erheblich.
Vom Pilotprojekt zur tiefen Unternehmensintegration
Nach der Kundengewinnung beginnt bei Palantir die eigentliche Skalierung. Zunächst wird ein einzelner Anwendungsfall implementiert und in bestehende Datenstrukturen eingebunden. Ziel ist es, ein konkretes Problem zu lösen, das zuvor nur schwer beherrschbar war.
Sobald sich der Nutzen zeigt, folgt die Ausweitung auf weitere Abteilungen und Prozesse. Schritt für Schritt entwickelt sich Palantir damit zu einer zentralen operativen Ebene innerhalb der Kundenorganisation.
In dieser Phase entstehen die hohen Wechselkosten, die als einer der wichtigsten Wettbewerbsvorteile gelten. Unternehmen nutzen die Plattform dann nicht mehr nur für Analysen, sondern auch für operative Entscheidungen, Berechtigungen und Kontrollmechanismen.
Genau deshalb misst das Management der Ontology-Plattform eine so hohe Bedeutung bei. Die eigentliche Differenzierung liegt nach Ansicht des Unternehmens nicht mehr in den Sprachmodellen selbst, sondern in deren praktischer Integration in komplexe Unternehmensabläufe.
Die Debatte um die außergewöhnlich hohe Kundenbindung
Besonders intensiv diskutiert wird derzeit die sogenannte Net Dollar Retention. Diese Kennzahl misst, wie stark bestehende Kunden ihre Ausgaben erhöhen.
Im ersten Quartal 2026 erreichte Palantir hier einen Wert von 150 Prozent. Das bedeutet, dass Bestandskunden heute im Durchschnitt 50 Prozent mehr ausgeben als vor einem Jahr.
Kritiker sehen darin allerdings keinen klassischen Skaleneffekt eines typischen Softwareunternehmens. Stattdessen argumentieren sie, dass Palantir stark von beratungsintensiven Dienstleistungen und technischer Unterstützung abhängig sei. Das Wachstum könnte demnach stärker durch zusätzliche Ingenieure als durch reine Softwarelizenzen entstehen.
Diese Sichtweise ist nicht unbegründet. Tatsächlich fiel die Net Dollar Retention bereits zwischen 2022 und 2023 deutlich zurück und erreichte zeitweise nur noch 107 Prozent. Damals litt das Unternehmen unter vorsichtigeren IT-Budgets und einer geringeren Nachfrage nach KI-Lösungen.
Warum die aktuellen Zahlen dennoch überzeugen
Die aktuelle Situation unterscheidet sich jedoch deutlich von der Phase nach der Pandemie. Parallel zur hohen Kundenbindung meldete Palantir zuletzt ein Umsatzwachstum von 133 Prozent im US-Kommerzgeschäft. Gleichzeitig stieg die Zahl der kommerziellen Kunden in den USA um 42 Prozent.
Hinzu kommen Vertragsabschlüsse im Umfang von 4,7 Milliarden Dollar innerhalb der vergangenen zwölf Monate.
Diese Entwicklung spricht dafür, dass das Wachstum nicht nur von wenigen Großkunden getragen wird. Vielmehr scheint sich die Nachfrage über verschiedene Kundengruppen hinweg deutlich auszuweiten.
Auch die Analystenschätzungen spiegeln diese Dynamik wider. Die Gewinnerwartungen für die kommenden Jahre wurden zuletzt kontinuierlich nach oben angepasst. Das deutet darauf hin, dass der Markt die Entwicklung nicht als kurzfristigen Effekt betrachtet, sondern als strukturelle Verbesserung des Geschäftsmodells.
Warum die Dynamik möglicherweise noch unterschätzt wird
Interessant ist zudem die Aussage des Finanzchefs aus der jüngsten Quartalskonferenz. Demnach bilde die aktuelle Net Dollar Retention das tatsächliche Wachstumstempo womöglich noch nicht vollständig ab.
Der Grund dafür liegt in der Berechnung der Kennzahl. Neue Kunden aus den vergangenen zwölf Monaten fließen dort noch nicht vollständig ein. Gerade diese Kundengruppe wächst laut Management derzeit besonders dynamisch.
Damit könnte die tatsächliche Nachfrage nach AIP sogar stärker ausfallen, als es die bisherigen Kennzahlen bereits zeigen.
Hohe Bewertung bleibt entscheidender Prüfstein
Trotz der starken operativen Entwicklung bleibt die Bewertung anspruchsvoll. Palantir wird derzeit mit dem rund 93-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt.
Allerdings wächst das Unternehmen gleichzeitig mit außergewöhnlicher Geschwindigkeit. Umsatzsteigerungen von mehr als 80 Prozent bei Margen von rund 60 Prozent sind selbst im Technologiesektor selten.
Unter Berücksichtigung des langfristigen Gewinnwachstums relativiert sich die Bewertung teilweise. Das Verhältnis von Wachstum zu Bewertung erscheint im Vergleich zu anderen Softwareunternehmen bei genauerem Hinsehen weniger extrem.
Dennoch dürfte die Aktie empfindlich reagieren, sobald sich das Wachstumstempo abschwächt oder die Kundenbindung spürbar zurückgeht.
ℹ️ Palantir in Kürze
- Palantir Technologies (WKN: A2QA4J) ist ein US-Technologieunternehmen, das Software und Dienstleistungen zur Analyse großer Datenmengen anbietet.
- Das Unternehmen hat zwei Geschäftsbereiche: Während sich Palantir Gotham an Armeen, Geheimdienste, Polizeibehörden und sonstige staatliche Einrichtungen richtet, kommt Palantir Foundry bei gewerblichen Kunden in verschiedensten Branchen zum Einsatz.
- Das Unternehmen mit Sitz in Denver im US-Bundesstaat Colorado notiert an der New York Stock Exchange und ist derzeit ca. 318 Milliarden US$ wert.
Wenn Du Palantir beobachtet, solltest Du Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung sichern. Im SD Insider Newsletter berichten wir regelmäßig über Entwicklungen bei dieser und ähnlichen Aktien – kompakt und ohne Umwege.
Palantir weiter verfolgen – Newsletter kostenlos abonnieren »
Fazit
Palantir bleibt eine hoch bewertete Wachstumsaktie mit außergewöhnlicher operativer Dynamik. Sollte das Unternehmen die starke Nachfrage nach seiner KI-Plattform weiterhin in steigende Gewinne umwandeln, könnte die aktuelle Bewertung trotz aller Skepsis langfristig gerechtfertigt erscheinen.
Jetzt dabei sein: Als Mitglied bei sharedealsPlus profitierst Du von wahren Börsenstars und den richtigen Aktientipps zur richtigen Zeit!