Autowerte: Erholung trotz China-Druck – lohnt sich der Einstieg jetzt?
Europas Autowerte laufen seit sechs Handelstagen in Folge aufwärts. Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts hat sich seit seinem Jahrestief Ende Juni um 8 Prozent erholt und dabei zuletzt auch die 50-Tage-Linie zurückerobert, also jenen gleitenden Durchschnitt, der die mittelfristige Kursentwicklung abbildet. Die 21-Tage-Linie, die den kurzfristigen Trend beschreibt, hatte der Index bereits einige Tage früher überwunden. Gemessen am gesamten Jahresverlauf bleibt das Bild allerdings trüb. Gut 13 Prozent Minus stehen noch zu Buche, während der marktbreite Stoxx Europe 600 auf Rekordniveau notiert und seit Jahresbeginn rund 10 Prozent gewonnen hat.
Porsche sticht heraus
Unter den deutschen Autobauern fällt die Porsche AG derzeit positiv auf. Im MDax legte die Aktie um 2,6 Prozent auf 48,24 € zu. Damit nähert sie sich dem 15-Monatshoch bei 50,66 € wieder an, das Mitte Juni markiert wurde und von dem aus der Kurs anschließend auf ein Zwischentief Ende des vergangenen Monats abrutschte. Harald Hendrikse von der Citigroup sieht mehrere wesentliche Treiber für eine weitere Erholung und hat sein Kursziel um 3 auf 56 € angehoben, bei einer Kaufempfehlung. Laut Hendrikse haben sich die Ergebnisse bei Porsche stabilisiert und dürften im zweiten Quartal stark bleiben, während die Ebit-Margen der Wettbewerber und die Markterwartungen sinken. Dazu kommt der Fokus des neuen Vorstandschefs Michael Leiters auf Kostendisziplin, geringere Volumina und höhere Margen. Das wird als Signal in die richtige Richtung wahrgenommen. Porsche sei zudem dank seiner Kundenpositionierung weniger anfällig für strukturelle Wettbewerbsrisiken in der EU und den USA als andere Hersteller. Der Analyst fasst es so zusammen:
Der langfristige Erholungspfad bei den Ebit-Margen zeichne sich inzwischen klarer ab, auch wenn das Geschäftsjahr 2027 eine Herausforderung bleibe.
VW, BMW und Mercedes holen auf
Auch die übrigen deutschen Hersteller zogen mit. VW stieg um 2,3 Prozent auf 76,50 € und liegt damit knapp 10 Prozent über dem 16-Jahrestief von Anfang Juli, das bei etwas unter 70 € markiert wurde. Mercedes gewann 1,5 Prozent auf 46,08 €, BMW legte 2,0 Prozent auf 61,32 € zu. Beide erholen sich damit schrittweise von ihren Sechsjahrestiefs. In Paris verbuchten Renault ein Plus von 1,8 Prozent, Stellantis kletterte um 1,4 Prozent auf 5,10 € und entfernt sich damit weiter von seinem Ende Juni erreichten Rekordtief bei 4,83 €.
Chinas Druck könnte zum Boomerang werden
Christian Frenes von Goldman Sachs liefert eine interessante Wendung zu den schwachen Branchendaten des Vormonats. Die Zahlen zeigen, dass chinesische Anbieter den europäischen Herstellern kollektiv schneller Marktanteile abnehmen als bisher. Doch genau das könnte, so Frenes, politischen Druck erzeugen und Protektionismus in Europa begünstigen. Das wäre dann ein Faktor, der die Branche stützt.
Was bedeutet das für die Aktien
Meiner Meinung nach ist die laufende Erholung der europäischen Autobauer charttechnisch beachtenswert, denn das Überwinden der 50-Tage-Linie beim Branchenindex sendet ein konstruktives Signal. Besonders die Porsche-Aktie hat mit dem angehobenen Citigroup-Kursziel von 56 € und einem klar formulierten Erholungsszenario bei den Margen eine konkrete Fantasie. Bei VW, BMW und Mercedes sehe ich die Bewegung derzeit eher als technische Gegenbewegung nach den Jahrestiefs, weniger als fundamentalen Trendwechsel. Solange das Jahresverlauf-Minus von über 13 Prozent auf Indexebene nicht weiter abgebaut wird, bleibt das große Bild für den Sektor herausfordernd.
Quelle: dpa-AFX
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