SAP-Aktie +30%: Ist das schon die Trendwende?
Cloud-Zahlen liefern den entscheidenden Impuls
Auslöser der kräftigen Aufwärtsbewegung waren die Ende Juli vorgelegten Quartalszahlen, die am Markt insgesamt positiv aufgenommen wurden. Vor allem das Cloud-Geschäft bleibt der Wachstumsmotor des Walldorfer Softwarekonzerns. Der Cloud-Umsatz stieg im zweiten Quartal währungsbereinigt um 24% auf 6,28 Milliarden €. Noch wichtiger für Investoren: Der Current Cloud Backlog (Cloud-Auftragsbestand) legte um 27% auf 22,9 Milliarden € zu und signalisiert weiterhin hohe künftige Erlöse.
Zwar senkte SAP die Prognose für das operative Ergebnis 2026 leicht auf 11,8 bis 12,2 Milliarden €. Als Grund nannte das Management Verwässerungseffekte durch die Übernahmen von Dremio und Prior Labs sowie die damit verbundenen Integrationskosten. Anleger bewerteten diese Belastung jedoch als vorübergehend und legten den Fokus auf die anhaltend hohe Dynamik des Cloud-Geschäfts.
Zusätzlichen Rückenwind lieferten ein Insiderkauf von CEO Christian Klein gleich nach der Bilanzvorlage, der Start der zweiten Tranche des großangelegten Aktienrückkaufprogramms sowie die starken Cloud-Zahlen von Microsoft und Amazon, die den gesamten Softwaresektor beflügelten.
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Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch
Auch auf Analystenseite überwiegt weiterhin der Optimismus. Rund drei Viertel der beobachtenden Experten empfehlen die Aktie zum Kauf. Die durchschnittlichen Kursziele bewegen sich – je nach Datenanbieter – zwischen rund 200 und 210 € und liegen damit deutlich über dem aktuellen Kursniveau.
Jefferies bekräftigte zuletzt seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 210 € und verweist auf den außergewöhnlich starken Cloud-Auftragsbestand. Bernstein hält sogar Kurse von bis zu 273 € für möglich. Vorsichtiger bleibt unter anderem die DZ Bank, die wegen des Margendrucks und der hohen Investitionen ihr Kursziel auf 120 € gesenkt hat. Insgesamt zeigt sich: Die Wachstumsperspektiven werden kaum infrage gestellt, die Diskussion dreht sich vielmehr um die Geschwindigkeit, mit der sich die hohen KI-Investitionen künftig auszahlen.
Auch fundamental hat sich das Bild verbessert. Nach der kräftigen Kurskorrektur der vergangenen Monate wird SAP mit einem für 2026 erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 22 bewertet. Für einen Marktführer mit zweistelligen Wachstumsraten im Cloud-Geschäft erscheint das im historischen Vergleich eher moderat.
Technisch steht jetzt die Bewährungsprobe an
Trotz der beeindruckenden Erholung ist aus charttechnischer Sicht noch keine vollständige Trendwende gelungen. Zwar hat sich die Aktie inzwischen fast +30% vom Juli-Tief bei 127,50 € entfernt, der seit Oktober bestehende Abwärtstrend ist jedoch weiterhin intakt. Die maßgebliche Trendlinie verläuft knapp unterhalb der Marke von 165 € und wird an diesem Montag bereits angelaufen.
Noch wichtiger aber ist die 200-Tage-Linie bei derzeit 173,41 €. Gelingt ein nachhaltiger Ausbruch über diese Hürde, könnte dies zahlreiche Anschlusskäufe auslösen und den Weg in Richtung der nächsten Widerstände im Bereich von 200 bis 210 € ebnen. Scheitert die Aktie dagegen an den technischen Barrieren, dürfte nach dem steilen Anstieg zunächst eine Konsolidierung wahrscheinlicher werden. Dafür spricht auch der RSI, der sich inzwischen dem überkauften Bereich nähert.
ℹ️ SAP in Kürze
- Die SAP SE (WKN: 716460) gehört weltweit zu den führenden Softwareunternehmen im Bereich Unternehmenssoftware. Der Konzern bietet Lösungen für Geschäftsprozesse, Datenmanagement und Cloud-Anwendungen für Unternehmen jeder Größe.
- Der Hauptsitz befindet sich in Walldorf (Deutschland). SAP ist weltweit tätig und verfügt über zahlreiche Standorte und Kunden in nahezu allen Branchen.
- Die Aktie ist im DAX und Euro Stoxx 50 gelistet und zählt mit einer Marktkapitalisierung von rund 190 Milliarden € zu den wertvollsten börsennotierten Unternehmen Europas.
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Fazit
Die Kombination aus starkem Cloud-Wachstum, einem rekordhohen Auftragsbestand, Insiderkäufen und einer inzwischen wieder moderateren Bewertung hat das Vertrauen der Anleger zurückgebracht. Gleichzeitig sorgen positive Branchensignale aus den USA und mehrheitlich optimistische Analystenstimmen für Rückenwind.
Dennoch ist Vorsicht angebracht, da der Wind im Softwaresektor auch jederzeit wieder drehen könnte. Zudem beginnt die eigentliche Bewährungsprobe erst jetzt: Mit der Trendlinie bei 165 € und der 200-Tage-Linie knapp darüber warten zwei entscheidende charttechnische Hürden.
Ein Ausbruch könnte den Weg in Richtung 200 € und darüber freimachen. Prallt die Aktie jedoch erneut nach unten ab, dürfte die Rallye zunächst an Schwung verlieren. Die Erholung macht Hoffnung – der Weg zurück zu den alten Höchstständen ist aber weit und mit einigen Risiken verbunden.
Hier sei angemerkt: Während sich viele auf Tech-Aktien konzentrieren, übersehen sie solide Dividendenzahler mit Aufwärtspotenzial. Diese Analyse beleuchtet zehn unterschätzte Kandidaten für das neue Jahr.