BayWa-Aktie: Die Lage wird kritischer
Der bayerische Agrarkonzern befindet sich weiterhin in einer schwierigen Lage und muss das Sanierungskonzept überarbeiten. Die BayWa-Aktie bewegt sich dementsprechend auf einem niedrigen Niveau und steht am Dienstag aktuell bei 2,80 €. Was macht die Sanierung so schwierig?
BayWa r.e. sorgt für Probleme
Nachdem der Sanierungsplan stand, ging es mit der Aktie aufwärts. Allerdings kam es immer wieder zu Rückgängen aufgrund schlechter Nachrichten. Aufgrund sinkender Erwartungen beim Verkauf der Tochter BayWa r.e. wurde am 12. März eine diesbezüglich Pflichtmitteilung veröffentlicht.
Durch ein schlechteres Umfeld ist der erwartete Verkaufspreis von 1,7 Milliarden € nicht mehr realisierbar. Basis für den Verkaufserlös war, dass 2028 mit einem EBITDA von 230 Millionen € gerechnet wurde. Das ist aufgrund der schlechteren wirtschaftlichen Lage der Tochter nicht mehr realistisch. Jetzt wird nur noch mit einem EBITDA von 150 Millionen € gerechnet.
BayWa r.e. ist im Geschäft mit Solaranlagen in den USA stark vertreten. Mit der neuen US-Regierung änderten sich dort die Rahmenbedingungen. Solar- und Windenergie werden nicht mehr gefördert. Die USA setzen wieder auf eine konventionelle Stromerzeugung.
Für BayWa r.e. läuft ein separates Sanierungsverfahren; die ursprüngliche Sanierungsfrist wurde von 2028 auf 2030 verlängert.
Schuldenschnitt gefordert
Laut Medienberichten laufen derzeit intensive Gespräche des Konzerns mit den beiden Großaktionären sowie den Kreditbanken. Großaktionäre sind die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG (BRB) mit 36,5 Prozent sowie die österreichische Raiffeisen Agrar Invest (RAI) mit 32,9 Prozent.
Nachdem die Großaktionäre einen wesentlichen finanziellen Beitrag 2025 leisteten, sollen jetzt die Banken einem Schuldenschnitt zustimmen. Die Rede ist von bis zu einer Milliarde €. Als Gegenleistung könnten Besserungsscheine ausgegeben werden. Die DZ Bank sowie die HVB sind die größten Kreditgeber.
Seitens des Konzerns sowie der Großaktionäre gibt es keine offiziellen Mitteilungen zu den laufenden Verhandlungen. Es muss zu einer Einigung bis Herbst 2026 kommen, sonst wird der Sanierungsplan des StaRUG-Verfahrens hinfällig. Dann dürfte die Insolvenz eingeleitet werden.
Verkaufserlöse eingegangen
Der wichtigste bisherige Verkauf betrifft die Tochter Cefetra. Der Verkauf ist mittlerweile abgewickelt. Die Gläubigerbanken erhielten 600 Millionen €. Insgesamt wurden aus den Verkäufen bisher 1,3 Milliarden € erzielt. Laut Sanierungsplan sollen bis 2028 die Schulden um 4 Milliarden € sinken.
Aus dem geplanten Verkauf der neuseeländischen Obsttochter T & G Global wird mit einem Erlös von 300 Millionen € gerechnet. Ein finaler Verkauf wurde noch nicht gemeldet.
Was bedeutet das für die Aktie?
In dem aktuellen Kursniveau ist die jetzige Situation weitestgehend eingepreist. Es kommt jetzt darauf an, ob die Verhandlungen erfolgreich verlaufen und ein Schuldenschnitt kommt.
Aus meiner Sicht bleibt den Gläubigerbanken keine andere Wahl, als der geforderten Maßnahme zuzustimmen. Die Alternative wäre die Einleitung eines Konkursverfahrens. In dem Fall dürften die Verluste der Banken noch höher ausfallen.
Die Lage für die BayWa-Aktie ist momentan hochbrisant. Kommt es zu keiner Einigung, droht ein Totalverlust. Kommt es zu einer Einigung, ist das Gesamtkonstrukt für den weiteren Kursverlauf entscheidend.
Mein Fazit:
Momentan eignet sich die Aktie nicht für einen Einstieg. Das Risiko eines Totalverlustes ist zu hoch. Es kann auch die Situation entstehen, dass es zu einer weiteren Kapitalerhöhung kommt. Die neuen Aktien würden an die Bankgläubiger gehen; eine Verwässerung der Anteile der Kleinaktionäre wäre dann die Folge.
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ℹ️ BayWa in Kürze
- Die bayerische BayWa AG ist ein international tätiges Handels- und Dienstleistungsunternehmen. Schwerpunkte der Handelsaktivitäten sind der Agrarbereich sowie der Handel mit Solarmodulen und Solarparks.
- Der Münchener Konzern betreibt seine Geschäfte überwiegend in Deutschland, Österreich und Osteuropa. Insgesamt hat der Konzern inklusive Franchise- und Partnerfirmen mehr als 3.000 Vertriebsstandorte in 16 europäischen Ländern.
- Die im SDAX gelistete Aktie wird aktuell mit 280 Millionen € bewertet.