Redcare Pharmacy-Aktie: Geht die Rallye jetzt erst richtig los?
E-Rezept-Boom zündet
Die Kurserholung kommt nicht von ungefähr. Mitte Juni überraschte das Management die Börse mit einer deutlichen Anhebung der Jahresprognose. Für 2026 erwartet Redcare nun ein Umsatzwachstum von 15 bis 17% statt zuvor 13 bis 15%. Gleichzeitig soll auch die Profitabilität stärker steigen als bislang erwartet.
Der größte Wachstumstreiber bleibt das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Dank des inzwischen flächendeckend etablierten E-Rezepts und der Card-Link-Technologie legte der Umsatz in diesem Segment zuletzt um beeindruckende 60% auf über 240 Millionen € zu.
Insgesamt gewann Redcare allein im zweiten Quartal rund 500.000 neue Kunden und betreut inzwischen 13,2 Millionen aktive Kunden in Europa. Auch das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten und Gesundheitsprodukten wächst mit mehr als 20% weiterhin dynamisch.
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Risiken bleiben, Analysten dennoch zuversichtlich
Ganz ohne Gegenwind verläuft die Erfolgsgeschichte allerdings nicht. Die Ankündigung von Rossmann, künftig ebenfalls in das Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten einzusteigen, sorgte zuletzt für Gewinnmitnahmen. Hinzu kommt das Sparpaket der Bundesregierung, das den Gesundheitssektor belastet und den Margendruck erhöhen könnte.
Allerdings sehen viele Experten die Konkurrenzsorgen gelassen. Die Deutsche Bank bezeichnet den jüngsten Kursrückgang in einer aktuellen Studie ausdrücklich als attraktive Einstiegschance und vergibt ein Kursziel von 102 €. Der Aufbau einer leistungsfähigen Online-Apotheke sei deutlich komplexer, als es auf den ersten Blick erscheine.
Auch Berenberg und Barclays bleiben mit Kurszielen von 92 € bzw. 110 € optimistisch. Jefferies sieht sogar 150 € als mögliches Ziel. Skeptischer zeigt sich dagegen die Schweizer Großbank UBS, die vor allem auf die ambitionierte Bewertung und den zunehmenden Wettbewerb verweist. Ihr Kursziele liegt bei 74 €.
Im direkten Vergleich mit DocMorris besitzt Redcare derzeit die stärkere Marktposition. Während Redcare bereits profitabel arbeitet und von erheblichen Skaleneffekten profitiert, befindet sich DocMorris noch mitten in der operativen Transformation. Dafür bietet die Schweizer Aktie aufgrund ihrer niedrigeren Bewertung im Erfolgsfall den größeren Hebel.
Charttechnisch auf Erholungskurs
Auch das Chartbild hat sich deutlich aufgehellt. Seit dem Tief Ende März im Bereich von 30 € hat sich die Aktie inzwischen mehr als verdoppelt. Im Zuge der Rallye wurden sämtliche wichtigen gleitenden Durchschnittslinien zurückerobert.
Nach den jüngsten Gewinnmitnahmen fiel der Kurs noch einmal bis an die 200-Tage-Linie im Bereich von 60 € zurück. Genau dort griffen die Käufer jedoch wieder beherzt zu. Dieser erfolgreiche Pullback spricht dafür, dass die übergeordnete Aufwärtsbewegung weiterhin intakt ist.
Solange die Aktie oberhalb dieser Unterstützung notiert, bleiben neue Angriffswellen auf das Jahreshoch von 73,80 € wahrscheinlich. Darüber lägen die nächsten Kursziele bei 90 €, 95,60 € und 100 €.
ℹ️ Redcare Pharmacy in Kürze
- Redcare Pharmacy (ehemals Shop Apotheke Europe) (WKN: A2AR94) ist eine Online-Versandapothekengruppe mit Hauptsitz im niederländischen Sevenum und Standorten in mehreren europäischen Ländern.
- Das Sortiment reicht von freiverkäuflichen Arzneimitteln über verschreibungspflichtige Medikamente bis zu Nahrungsergänzungsmitteln sowie Kosmetik- und Gesundheitsprodukten.
- Redcare Pharmacy notiert im Small Cap Index SDAX und ist aktuell ca. 1,3 Milliarden € wert.
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Fazit
Fundamental spricht vieles für Redcare Pharmacy. Das Unternehmen profitiert wie kaum ein anderer europäischer Anbieter vom strukturellen Wachstum des E-Rezepts, gewinnt kontinuierlich neue Kunden und verbessert gleichzeitig seine Profitabilität. Auch die Analysten sehen überwiegend weiteres Aufwärtspotenzial.
Dennoch sollten Anleger die Bewertung nicht ausblenden. Selbst auf Basis der Gewinnschätzungen für 2027 liegt das Forward-KGV noch deutlich über 80 und preist bereits einen großen Teil der erwarteten Wachstumsstory ein. Sollten neue Wettbewerber schneller vorankommen oder fällt das Margenwachstum geringer aus als erhofft, könnte das die Aktie unter Druck bringen.
Für langfristig orientierte Anleger bleibt Redcare damit zwar eine spannende Wachstumsstory mit intaktem Aufwärtstrend, nach der Kursverdopplung innerhalb weniger Monate dürfte der Weg nach oben allerdings anspruchsvoller werden.
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