Zalando-Aktie: Status quo analysiert
Die Aktie von Zalando zeigt nach den jüngsten Quartalszahlen erneut Anzeichen für eine operative Stabilisierung. Vor allem Fortschritte im B2B-Segment, eine deutlich entspanntere Lagersituation und der produktive Einsatz von KI stärken das Vertrauen in die mittelfristigen Wachstumsperspektiven des Unternehmens.
Jahresauftakt unterstreicht Stabilisierung
Im ersten Quartal 2026 steigerte Zalando den ausgewiesenen Umsatz um rund 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während das Bruttowarenvolumen um etwa 22 Prozent zulegte. Allerdings wurde das Wachstum wesentlich durch die Einbeziehung von ABOUT YOU beeinflusst. Bereinigt um diesen Effekt fiel die Entwicklung deutlich moderater aus: Das Pro-forma-Bruttowarenvolumen stieg um 6 Prozent, der Pro-forma-Umsatz um 3,4 Prozent.
Das B2C-Geschäft entwickelte sich verhalten. Hier legte der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 2,1 Prozent zu, während das Bruttowarenvolumen um 6 Prozent wuchs. Deutlich dynamischer präsentierte sich dagegen das B2B-Segment. Der Pro-forma-Umsatz erhöhte sich dort um etwa 17 Prozent. Wachstumstreiber waren insbesondere ZEOS Fulfillment mit Zalando Fulfilment Solutions und Multi-Channel-Fulfillment sowie die Integration von SCAYLE.
Besonders positiv fiel die Margenentwicklung aus. Die Bruttomarge im B2B-Bereich verbesserte sich von 12,4 auf 18,2 Prozent. Die bereinigte EBIT-Marge stieg von 2,4 auf 8,6 Prozent. Selbst ohne einen positiven Einmaleffekt durch die Auflösung von Rückstellungen hätte die Marge noch bei 7,4 Prozent gelegen. Auf Konzernebene erhöhte sich das bereinigte EBIT auf 64,8 Millionen Euro, während die bereinigte EBIT-Marge von 1,9 auf 2,2 Prozent anzog.
Lagerbestände verlieren ihren Schrecken
Ein zentrales Risiko der vergangenen Quartale war die Entwicklung der Lagerbestände. Zu hohe Bestände hätten aggressive Rabattaktionen notwendig machen können, was die Bruttomarge belastet und die Ertragsqualität verschlechtert hätte.
Im ersten Quartal 2026 zeigte sich hier jedoch eine deutliche Verbesserung. Das Wachstum der eigenständig gehaltenen Lagerbestände verlangsamte sich auf nur noch 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im vierten Quartal 2025 hatte der Anstieg noch bei 12,2 Prozent gelegen. Damit nähert sich die Entwicklung deutlich stärker dem tatsächlichen Wachstum des operativen Geschäfts an.
Zalando passt seine Einkaufsplanung zunehmend an das Wachstum des Partnergeschäfts und des Wholesale-Segments an. Gleichzeitig reduziert der steigende Anteil des Partnergeschäfts den Bedarf an selbst gehaltenen Warenbeständen, da nicht jede Produkteinheit mehr direkt im Eigentum des Unternehmens liegt.
Clevere Abverkaufsstrategie schützt die Margen
Bemerkenswert ist zudem die Art und Weise, wie Zalando überschüssige Waren abbaut. Statt breit angelegte Rabattaktionen über die Hauptplattform auszurollen, werden langsam drehende Produkte verstärkt über die Off-Price-Plattform Lounge verkauft.
Dieses Modell erlaubt es, ältere Ware über zeitlich begrenzte Kampagnen abzusetzen, ohne die Kernplattform dauerhaft als Rabattkanal erscheinen zu lassen. Dadurch bleibt die Preissetzungsmacht im Hauptgeschäft besser erhalten. Gleichzeitig sinkt das Risiko plötzlicher Margeneinbrüche durch hohe Lagerbestände.
Die Auswirkungen sind bereits sichtbar. Die Bruttomarge des Konzerns blieb stabil, während sich die B2C-Bruttomarge sogar um 50 Basispunkte verbesserte, obwohl die Integration von ABOUT YOU die ausgewiesene Marge belastete.
Künstliche Intelligenz wird zum operativen Vorteil
Auch beim Einsatz künstlicher Intelligenz zeigen sich zunehmend konkrete operative Effekte. Während lange befürchtet wurde, KI-gestützte Suchsysteme könnten klassische Online-Marktplätze schwächen, deutet die Entwicklung bei Zalando inzwischen in eine andere Richtung.
Im ersten Quartal nutzten rund zehn Millionen eingeloggte Kunden den Zalando Assistant. Gleichzeitig werden inzwischen monatlich etwa zwei Millionen Kommissionierungsvorgänge durch Robotik automatisiert. Zudem können bis zu 85 Prozent neuer Artikel innerhalb von weniger als drei Tagen online gestellt werden, unterstützt durch KI-basierte Prozesse beim Partner-Onboarding.
Diese Entwicklungen betreffen zentrale Bereiche des Geschäftsmodells: Produktsuche, Logistik und die Integration neuer Markenpartner.
Gerade im Modehandel spielen Daten eine entscheidende Rolle. Größen, Materialien, Passformen, Farben, Retourenquoten und individuelle Kundenpräferenzen machen die Produktauswahl komplex. Zalando verfügt hier über einen erheblichen Vorteil, weil Kunden-, Produkt- und Partnerdaten auf einer Plattform gebündelt werden.
Auch in der Logistik eröffnen sich Effizienzpotenziale. Die zunehmende Automatisierung im Fulfillment dürfte langfristig helfen, höhere Bestellvolumina zu bewältigen, ohne dass die Personalkosten im gleichen Tempo steigen. Das verbessert die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells.
Hinzu kommt ein schnelleres Partner-Onboarding. Marken können ihre Produkte deutlich schneller auf die Plattform bringen, wodurch sich das Sortiment erweitert und Kunden früher Zugriff auf neue Artikel erhalten. Das stärkt sowohl die Attraktivität des Marktplatzes als auch die Bindung der Partnerunternehmen.
Bewertung bleibt trotz Fortschritten moderat
Trotz der operativen Verbesserungen erscheint die Bewertung weiterhin vergleichsweise niedrig. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der nächsten zwölf Monate liegt inzwischen bei rund 14 und damit unter dem früheren Niveau von etwa 16.
Der Markt bewertet Zalando derzeit weiterhin eher wie einen klassischen Onlinehändler mit begrenztem Wachstum und erhöhtem Ausführungsrisiko. Die aktuellen Zahlen sprechen jedoch zunehmend für eine strukturelle Verbesserung des Geschäftsmodells. Vor allem das margenstärkere B2B-Geschäft gewinnt an Bedeutung und könnte mittelfristig zu einer Neubewertung der Aktie führen.
Sollte Zalando die erwarteten Gewinne je Aktie bis 2028 erreichen und sich die Bewertung wieder auf ein höheres Niveau normalisieren, ergibt sich daraus weiteres Kurspotenzial.
Integration und Margen bleiben wichtige Risikofaktoren
Trotz der positiven Entwicklung bleibt die Umsetzung anspruchsvoll. Die Integration von ABOUT YOU, der Ausbau des B2B-Geschäfts und die steigende Bedeutung des Partnersegments müssen parallel erfolgreich gesteuert werden.
Verzögerungen bei Synergien oder anhaltend hohe Restrukturierungskosten könnten kurzfristig auf die Profitabilität drücken. Zudem besteht das Risiko, dass das Partnergeschäft zwar das Handelsvolumen erhöht, das ausgewiesene Umsatzwachstum jedoch optisch verwässert.
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ℹ️ Zalando in Kürze
- Zalando ist der größte Online-Versandhändler für Mode und Lifestyle-Produkte in Europa.
- Der E-Commerce-Konzern mit Sitz in Berlin beliefert mehr als 50 Millionen Kunden in 25 europäischen Ländern.
- Zalando bietet seine Logistikinfrastruktur auch anderen Händlern für den Versand und die Retournierung von Produkten an.
- Zalando mit Sitz in Berlin ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und aktuell rund 5 Milliarden € wert.
Fazit
Zalando präsentiert sich operativ deutlich stabiler als noch vor einigen Quartalen. Vor allem die Fortschritte im B2B-Segment, die bessere Kontrolle der Lagerbestände und die zunehmende Nutzung von KI könnten die Grundlage für eine nachhaltige Verbesserung von Wachstum und Profitabilität schaffen. Die Aktie ist günstig bewertet und eine Beimischung zu aktuellen Kursen könnte sich lohnen.
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