Robinhood-Aktie crasht: Folgt auf den Dip ein weiterer Dip?
Unter Asche begraben: Der US-Broker Robinhood, der mittlerweile auch Bargeld an die Türen der Amerikaner liefert, damit sie nicht zum Geldautomaten laufen müssen, brach nach Bekanntgabe der Quartalszahlen nachbörslich um -9% und heute um weitere -5% ein. Ist das nur eine kurzfristige Reaktion oder hält die Flaute länger an?
Die News
Das vierte Quartal 2025 war für den US-Broker Robinhood ein Rekordquartal. Dementsprechend größer ist die Enttäuschung nach den unbefriedigenden neuesten Ergebnissen.
- Der Umsatz von 1,07 Milliarden US$ verfehlte die Erwartungen der Analysten von 1,17 Milliarden US$ – ein Minus von ca. 8,5% gegenüber den Schätzungen. Ursächlich waren mitunter die Einnahmen aus dem Krypto-Handel, die im Vergleich zum extrem starken Vorquartal um fast 47% einbrachen. Da Krypto lange Zeit der Wachstumsmotor des Brokers war, reagierten Investoren empfindlich auf diese Abkühlung.
- Die Transaktionseinnahmen fielen um 20%. Das zeigt mal wieder, wie unvorhersehbar die Einnahmen aus dem Handel für Robinhood sind.
- Der Gewinn je Aktie lag bei 0,38 US$ – auch ein Miss zu den erwarteten 0,41 US$.
- Der Nettogewinn schrumpfte um fast die Hälfte auf 346 Millionen US$ im Vergleich zu 605 Millionen US$ im Vorquartal.
Um die Zahlen jedoch richtig einzuordnen, muss man die Vogelperspektive einnehmen, denn im Jahresvergleich (YoY) wächst Robinhood weiterhin stark. Der Umsatz stieg um 15% gegenüber Q1 2025. Außerdem sollte man ein „normales” Quartal von Robinhood nicht einem Rekordquartal gleichstellen, denn die Aktivität auf den Kapitalmärkten schwankt und das ist nun mal der Kern des Geschäfts.
Das Alleinstellungsmerkmal von Robinhood
Besonders positiv gelaufen ist das Wachstum der Gold-Abonnenten, die in Q1 2026 ein Rekordhoch von 4,3 Millionen (+36 % YoY) erreichten. Sie sind ein wichtiges Vehikel für den Broker, denn Kunden können für 5 US$/Monat besondere Services in Kauf nehmen. Darunter bis zu 4% jährliche Rendite auf nicht investiertes Geld, hohe Boni bei Rentenzahlungen, Profi-Tools für Marktanalysen oder Bargeldlieferung vor die Haustür. Das alles scheint sehr gefragt zu sein und bringt dem Broker vorhersehbare Einnahmen.
Das verwaltete Vermögen sprang damit einhergehend um starke 39% auf 307 Milliarden US$, denn Gold-Abonnenten haben im Schnitt fünfmal mehr Vermögen auf der Plattform als normale Nutzer.
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Ausblick & Guidance (2026)
Trotz des schwächeren Quartals bleibt das Management für den Rest des Jahres optimistisch mit der Ankündigung den Umsatz sowie den Gewinn je Aktie zu steigern. Um sich weniger von den schwankenden Märkten abhängig zu machen, erhöht die Firma die Ausgaben für Marketing und neue Produkte. Dazu zählen die Expansion in Europa, die sogenannten „Trump Accounts“ und die Event Contracts.
Die Trump Accounts sind ein offizielles Regierungsprogramm, bei dem Robinhood steuerbegünstigte Investmentkonten für US-Bürger unter 18 Jahren zur Verfügung stellt. Das würde Millionen neue, junge Nutzer (und deren Eltern) auf die Plattform bringen und langfristig enorme Assets bedeuten. Der offizielle Start ist für den 4. Juli 2026 geplant.
Die Event Contracts sind ein spezielles Angebot im Rahmen der Prediction Markets und ermöglichen es den Nutzern, ähnlich wie auf der bekannten Wettplattform Polymarkets, Wetten auf den Ausgang eines Ereignisses, wie die US-Wahlen, zu schließen.
Ist die Bewertungen gerechtfertigt?
Aktuell zeigt sich, dass Robinhood im Vergleich zu klassischen Brokern deutlich teurer bewertet wird, was auf die höheren Wachstumserwartungen (KI-Tools, Trump Accounts, Gold-Mitglieder) zurückzuführen ist. Robinhoods KGV von rund 40 ist viel höher als das der Konkurrenz von z.B. 33 bei Interactive Brokers oder 19 bei Charles Schwab.
Die Investmentbanken J.P. Morgan und Goldman Sachs halten an ihren „Overweight“-Ratings fest, senkten aber teilweise die kurzfristigen Erwartungen aufgrund der anhaltenden Krypto-Volatilität. Die Schweizer Großbank UBS bleibt skeptisch mit einem Ziel von 82 US$, da sie die Bewertung im Vergleich zu traditionellen Brokern für zu hoch hält.
Es braucht Fantasie
Die Aktie ist meiner Meinung nach ein zweischneidiges Schwert. Objektiv betrachtet sind Broker ein zukunftssicheres und margenstarkes Geschäftsmodell, vor allem wenn sie aus den USA kommen. Allerdings ist das hohe KGV aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt dafür, dass die Firma nach wie vor eine solch hohe Abhängigkeit von dem (wer weiß noch wie lange schlecht laufenden) Kryptohandel und kein festes Standbein in den anderen Einnahmequellen hat.
Der Kurs ist nach den Zahlen unter die psychologisch wichtige Marke von 85 US$ gerutscht. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über 92 US$ würde das charttechnische Bild wieder auf „Bullisch“ drehen. Der Abwärtstrend könnte also noch länger anhalten.
Für langfristige Investoren ist der Dip unter 80 US$ interessant, da das Unternehmen operativ gesund ist und massiv investiert. Wer jedoch keine hohe Volatilität verträgt, sollte abwarten, bis sich der Kurs im Bereich der 75 US$ stabilisiert.
Für diejenigen, die Robinhood im Portfolio haben und einen sicheren Gegenspieler suchen, die sollten bei unseren Top 10 Dividendentiteln vorbeischauen.
ℹ️ Robinhood in Kürze
- Robinhood Markets (WKN: A3CVQC) ist ein US-amerikanisches Finanzdienstleistungsunternehmen mit Hauptsitz in Menlo Park in Kalifornien.
- Über die Online-Handelsplattform des Unternehmens können Privatanleger in Aktien, ETFs, Derivate, Kryptowährungen und weitere Finanzanlagen investieren.
- Robinhood hat derzeit etwa 29 Millionen aktive Nutzer.
- Robinhood notiert an der US-Börse Nasdaq und ist aktuell ca. 74 Milliarden US$ wert.