Rheinmetall-Aktie: Der Börsenliebling fällt in Ungnade — warum nur?
Der einstige Börsenstar fällt immer tiefer. Die Kursverluste der Rheinmetall-Aktie summierten sich in den letzten drei Monaten auf über -25%. Der Rüstungstitel ging am Freitag auf einem neuen 12-Monatstief aus dem Handel. Warum wollen Anleger plötzlich von dem Börsendarling der letzten Jahre nichts mehr wissen?
Nicht sensationell genug
Es ist eine Dreierkombination an Faktoren, die Anleger seit gut drei Monaten aus der Rheinmetall-Aktie treibt: Zu hohe Erwartungen, geopolitische Unsicherheiten und technische Verkaufssignale. Der Reihe nach:
Rheinmetall hat im März 2026 zwar Rekordzahlen für das Jahr 2025 vorgelegt, doch die Börse reagierte paradoxerweise mit Verkäufen. Der Ausblick für das Gesamtjahr 2026 mit einem Umsatzziel von ca. 14 Milliarden € lag am unteren Ende der extrem optimistischen Marktschätzungen.
Bei einem Forward-KGV von 40 erwartet der Markt nicht nur gute Nachrichten, er verlangt sensationelle Nachrichten. Diese konnte Rheinmetall nicht bieten.
Ein paradoxes Kriegsphänomen
Obwohl Kriege oft Rüstungsaktien treiben, sorgte die Eskalation im Nahen Osten im März und April für generell sinkende Kurse in der Rüstungsbranche. Auf den ersten Blick ein paradoxes Verhalten. Auf den zweiten Blick nicht ganz.
Einerseits sind die Kurse vieler Rüstungswerte, darunter auch der der Rheinmetall-Aktie, in den Monaten und Jahren zuvor bereits heißgelaufen. Andererseits befürchtet die Börse, dass der Konflikt die globalen Lieferketten für Vorprodukte (wie Elektronik oder Spezialmetalle) stören könnte, was die Produktion von Rheinmetall verteuern würde.
Hinzu kommt, dass in der Europäischen Union die Debatten zunehmen, ob die massive Erhöhung der Verteidigungsausgaben bei einer gleichzeitigen Konjunkturabkühlung politisch dauerhaft durchsetzbar ist. Auch in Deutschland dürften die Diskussionen um den Verteidigungshalt bei gleichzeitigen Kürzungen im Gesundheitssystem zunehmen.
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Technische Verkaufssignale
In den letzten Tagen rutschte der Kurs der Rheinmetall-Aktie unter wichtige Unterstützungslinien wie der 1.500-€-Marke. Dies löste automatisierte Verkaufsorders aus, die den Kurs weiter drücken.
Dass die Aktie nun auch noch das 12-Monatstief bei 1.360 € nach unten durchschlagen hat, ist ein charttechnisch sehr schlechtes Signal. Nun droht schlimmstenfalls sogar ein weiterer Absturz auf 1.180 €.
Die Argumente von Bullen und Bären
Die meisten Banken sind nach wie vor bullisch eingestellt und raten zum Kauf der Rheinmetall-Aktie. Besonders optimistisch sind die Analysten von Berenberg und Goldman Sachs mit Kurszielen von 1.900 und 1.850 €. Aber auch JPMorgan, Warburg Research und die Deutsche Bank glauben an weitere Kurssteigerungen zwischen 1.450 und 1.720 €. Lediglich die Schweizer UBS rät aktuell zum Verkauf der Rheinmetall-Aktie.
Die Bullen argumentieren mit dem Rekordauftragsbestand des Rüstungskonzerns von über 60 Milliarden €. Für sie ist Rheinmetall kein kurzfristiger Profiteur, sondern ein langfristiger „Garant“ der Sicherheit Europas.
Die Bären befürchten hingegen, dass der "Peak Defence" (der Höhepunkt des Rüstungszyklus) bereits überschritten ist. Sie weisen darauf hin, dass die Kapazitätserweiterungen der Produktion Milliarden verschlingen und die Zinsen für die Refinanzierung dieser Investitionen steigen könnten. Zudem wird bezweifelt, ob die nationalen Budgets in Europa die Ausgabendynamik über 2027 hinaus halten können.
Das bereitet Kopfzerbrechen
Mir bereitet besonders der letzte Punkt Kopfzerbrechen. Der Ukraine-Krieg ist weitgehend aus den Köpfen der Deutschen und Europäer verschwunden. Hinzu kommt, dass der Iran-Krieg die Kriegsaversion der Europäer noch einmal verstärkt hat.
Gleichzeitig müssen Deutschland und die meisten anderen europäischen Staaten sparen. Bei hohen Verteidigungsausgaben sind schmerzhafte Einschnitte im Sozialbereich unvermeidlich.
Ich gehe davon aus, dass viele europäische Länder diese Entwicklung politisch nicht lange durchhalten werden. Der Widerstand in der Bevölkerung dagegen wird in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Kein gutes Omen für die Rheinmetall-Aktie.
Am Rande erwähnt: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.
ℹ️ Rheinmetall in Kürze
- Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
- Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
- Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
- Rheinmetall ist Mitglied in den Leitindizes DAX und EuroStoxx 50. Der Börsenwert liegt aktuell bei rund 62 Milliarden €.