Last Call vor den Zahlen: Kaufen, bevor die Kanonen donnern?

Magnificent 7

In genau einer Woche stellen die restlichen Unternehmen der Magnificent 7 ihre Zahlen für das erste Quartal 2026 vor. Bei Tesla, das heute seine Zahlen offenlegt, geht bereits ein Raunen durch die Reihen – die ganze Welt schaut hin. Für die übrigen sechs Big Player bauen Investoren bereits jetzt ihre Positionen auf. Lohnt sich ein Einstieg in die börsendominierenden Tech-Titel heute noch?

stock.adobe.com

Das wird erwartet

Hier sind die Analystenschätzungen und Wallstreet-Erwartungen für die verbleibenden sechs der „Magnificent 7“ (ohne Tesla) für das erste Quartal 2026.

Amazon

Die Handelsplattform steht vor allem diese Woche im Fokus, da sie ihre KI-Allianz mit Anthropic, dem Claude-KI-Entwickler, angeht und zunächst 5 Milliarden US$ investiert mit Perspektive auf mehr. Dafür kauft Anthropic bei Amazon Cloud-Rechenleistung und Halbleiter ein.

Außerdem hat Amazon angekündigt, im Jahr 2026 200 Milliarden US$ in Investitionen (CapEx) zu stecken. Analysten erwarten demnach ein AWS-Wachstum von mindestens 25 bis 28%. Alles darunter würde als Enttäuschung gewertet, da die Cloud-Plattform Azure des Konkurrenten Microsoft momentan stark vorlegt.

Das Werbegeschäft Amazons ist mittlerweile der heimliche Star. Es wird erwartet, dass die Werbeumsätze im Q1 die Marke von 13 Milliarden US$ überschreiten. Da die Marge hier bei über 50% liegt (viel höher als im Paketversand), ist dies der Haupttreiber für den Gewinn pro Aktie.

Von 76 beobachtenden Analysten raten aktuell 84% zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei ca. 285 US$ (ein Aufwärtspotenzial von ca. +14% zum aktuellen Kurs von ca. 251 US$).

Microsoft

Das Softwareunternehmen hat die EPS-Schätzungen in den letzten acht Quartalen in Folge geschlagen. Nun sind die Erwartungen im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen, da Microsoft als der Champion bei der Monetarisierung von KI gilt.

Besonders viel Aufmerksamkeit wird die Wachstumsrate der vielversprechenden Cloud-Plattforme Azure bekommen, denn hier könnte alles unter 35% trotz eines Gewinnsprungs zu Verkäufen führen, da die KI-Investitionen eine proportional höhere Wachstumsrate versprechen. 

Zacks Rank stuft die Aktie aktuell auf Rang #2 (Buy), was auf überdurchschnittliche Gewinnrevisionen hindeutet. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei beeindruckenden 600,25 US$, was ein Aufwärtspotenzial von über +40% bedeuten würde mit einem aktuellen Kurs von ca. 427 US$.

Alphabet

Die Google-Mutter Alphabet steht vor einer hohen Hürde. Die Schätzung von 2,68 US$ Gewinn pro Aktie impliziert paradoxerweise einen leichten Rückgang gegenüber dem extrem starken Vorjahresquartal (2,81 US$). Ein „Beat“ wird hier erwartet; die wirkliche Musik spielt aber beim Ausblick auf das Cloud-Geschäft, das um über 50% zulegen soll (nach einem Wachstum von +45% im letzten Quartal).

Alphabet genießt derzeit unter den Mag 7 eine der höchsten „Buy“-Quoten – es gibt aktuell nahezu keine „Sell“-Empfehlungen der großen Häuser. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei ca. 367 bis 376 US$. Die Aktie notiert heute bei rund 341 US$ – ein Aufwärtspotenzial von etwa +10 bis +15% ist hier realitisch.

Meta Platforms

Nach einem Rekord-Abschluss des Jahres 2025 (mit fast 60 Milliarden US$ Umsatz im Q4) erwartet der Markt für das erste Quartal eine saisonale Abkühlung auf hohem Niveau. Meta-CEO Mark Zuckerberg hat die Erwartungen beim Umsatz auf bis zu 56,5 Milliarden US$ hochgeschraubt.

Da Meta die Ausgaben für KI-Infrastruktur hochgefahren hat, wird ein Rückgang der operativen Marge auf 38 bis 41% gegenüber dem Vorquartal (43%) erwartet.

Mit mittlerweile rund 1 Milliarde monatlich aktiven Nutzern von Meta AI (dem KI-Assistenten) will Zuckerberg beweisen, dass die Integration von KI in die Apps die Verweildauer der Nutzer signifikant erhöht und die hohen Investitionen gerechtfertigt sind.

Die Aktie bewegt sich heute auf einem Niveau von rund 672 US$. Damit bietet das mittlere Kursziel von 846 US$ ein theoretisches Aufwärtspotenzial von über +25% überwiegend mit einem „Buy”-Rating der Analysten.

Apple

Der iPhone-Hersteller ist aktuell das „Sorgenkind“ der Mag 7. Nach dem überraschenden „Beat” im letzten Quartal sind die Erwartungen für das laufende Frühjahrsquartal optimistisch, aber vorsichtig eingestuft.

Während andere zweistellig wachsen, kämpft Apple mit stagnierenden Hardware-Verkäufen. Analysten hoffen auf den „Services“-Sektor (iCloud, Music, Ads), der laut Analysten weiterhin mit ca. 14% wachsen muss, um das sichere Standbein gegen Hardware-Schwankungen und ein schwaches China-Geschäft zu bleiben.

Ein besonders Augenmerk gilt der Bruttomarge. Apple selbst hat eine Guidance von 48 bis 49% ausgegeben – ein extrem hoher Wert, der die Dominanz des hochmargigen Service-Geschäfts unterstreicht.

Nvidia

Während die anderen Giganten bereits nächste Woche berichten, lässt der Chiphersteller sich traditionell bis Ende Mai Zeit.

Der Marktkonsens für den Gewinn pro Aktie liegt bei ca. 1,68  bis 1,72 US$ (Das wäre eine Verdopplung zum Vorjahresquartal). Analysten erwarten, dass Nvidia die extrem hohen Margen von ca. 75 bis 77% halten kann, da die Nachfrage das Angebot weiterhin extrem übersteigt.

Es wird berichtet, dass Nvidias Chip-Kapazitäten für das gesamte Jahr 2026 bereits ausverkauft sind. Die Auftragsbücher füllen sich bereits für 2027 und 2028. Die Hyperscaler (Microsoft, Google, Meta) haben ihre Investitionsbudgets für Chips für 2026 bestätigt, also dürfte die Pipeline für Nvidia prall gefüllt bleiben. Und bekanntlich treibt Knappheit die Preise. Im April 2026 stiegen die Mietpreise für Blackwell-GPUs in der Cloud um fast +50%.

41 von 43 führenden Wall-Street-Analysten raten aktuell zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei ca. 265 bis 275 US$, was bei einem aktuellen Kurs von ca. 199 US$ ein Aufwärtspotenzial von +40 bis +50% bedeuten würde.

Fazit

Meiner Einschätzung nach geht es hier nicht um konkrete Zahlen, eine Blasenbildung oder Überinvestitionen, sondern um einen grundlegenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel, bei dem wir erst am Anfang stehen.

Im Großen und Ganzen sind die Erwartungen sehr hoch, getrieben durch immer höher werdende Investitionsausgaben, die auf große Skepsis treffen. Die Skepsis ist auch berechtigt, denn kein Extrem ist gesund. Ich sehe allerdings keine Gegenbewegung zum Wachstum. KI treibt die Effizienz und deshalb erwarte auch ich, dass die Mag 7 die Markterwartungen weiterhin größtenteils und mit Leichtigkeit übertreffen werden.

Allerdings wird der Markt immer sensibler und reagiert bei kleinsten Abweichungen der Ergebnisse recht ausfällig. Das Geld, das heute in die Mag 7 fließt, sollte kein kurzfristiger Trade sein und Geld, worauf man verzichten kann.

Zugehörige Kategorien: Tech-Aktien