ServiceNow-Aktie: Ist eine Verdoppelung möglich?
Die Kursentwicklung der ServiceNow-Aktie war zuletzt ein einziges Trauerspiel. In den vergangenen sechs Monaten hat sich der Börsenwert des Software-Konzerns halbiert. Auch gestern war die Aktie mit einem von -8% einer der schlechtesten US-Werte und fiel fast auf ein neues 3-Jahrestief. Warum verabschieden sich Anleger in Scharen vom einstigen Börsen-Highflyer? Und machen sie einen Fehler?
Angst vor der SaaSpocalyse
Die ServiceNow-Aktie leidet seit vielen Monaten unter einem Phänomen, das an der Börse inzwischen mit dem Ausdruck „SaaSpocalyse“ beschrieben wird. Damit wird die Angst der Finanzmärkte zusammengefasst, dass die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz zu einer massiven Disruption der Geschäftsmodelle klassischer Software-Unternehmen führen wird. Einfacher ausgedrückt: Geld, das Unternehmen heute noch für die Lizenzen von Software-Paketen an ServiceNow und andere Software-Konzerne zahlen, wird in Zukunft nicht mehr fließen.
ServiceNow gehört zwar zu einer der weltweit am weitesten verbreiteten Plattformen für digitale Workflows. Von IT über HR bis zum Kundenservice laufen in Tausenden Unternehmen alle Prozesse über die Now-Plattform. Aber auch dieser Software-Riese kann sich der SaaSpocalyse nicht entziehen.
Eines der größten Risiken für den Konzern ist der Ersatz menschlicher Mitarbeiter in Unternehmen durch KI-Agenten. Diese Entwicklung führt nicht zu einem geringeren Bedarf an Software-Lizenzen, sie verringert auch die Sichtbarkeit und damit den Wert der Software an sich. Wenn Menschen die Plattform nicht mehr wahrnehmen, weil KI im Hintergrund die Prozesse abwickelt, setzt ein Commoditization-Effekt ein.
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Vom 3- auf das 6-Jahrestief?
Das Chartbild der ServiceNow-Aktie ist desaströs. Seit rund neun Monaten befindet sich der Service-Titel in einem fast kontinuierlichen Abwärtstrend.
Inzwischen notiert die Aktie fast auf ihren 3-Jahrestief bei 87 US$. Ich gehe davon aus, dass der Aktienkurs in Kürze auf das 6-Jahrestief bei 75 US$ fallen wird.
Megabullische Banken
In den letzten Tagen und Wochen haben einige Bankanalysten ihre Kursziele für die ServiceNow-Aktie gesenkt. Zuletzt strich die Investmentbank Stifel das Kursziel von 180 auf 135 US$ zusammen und BTIG reduzierte den fairen Wert von 200 auf 185 US$. Der aktuellen Anaystenkonsens liegt aber immer noch bei 180 US$, also dem Doppelten des gegenwärtigen Kursniveaus.
Ich kann den Optimismus der Banken nicht nachvollziehen und rate Anlegern, derzeit nicht in die ServiceNow-Aktie zu investieren. Die Geschäftsentwicklung des Software-Konzerns sieht zwar nach wie vor hervorragend aus, aber das Wachstum könnte sich bald abschwächen.
Bereits heute ist ein guter Teil dieses Wachstums anorganischer Natur, soll heißen, ServiceNow gibt Milliardenbeträge für Akquisitionen aus (wie zum Beispiel für Armin und Moveworks). Ich sehe darin ein Zeichen, dass das organische Wachstum der Kernprodukte nachlässt und das Management versucht, Wachstum „einzukaufen“.
Ein Eisberg, dessen Größe niemand kennt
Zudem befürchte ich, dass die SaaSpocalyse ein viel größeres Ausmaß erreichen wird, als sich bislang erahnen lässt. Die Entwicklung von KI steckt nach wie vor in den Kinderschuhen. Derzeit sehen wir gerade einmal die Spitze eines Eisbergs, dessen Größe niemand kennt.
Fakt ist meiner Meinung nach aber, dass die meisten Unternehmen zukünftig nicht mehr die Bereitschaft haben werden, hohe Summe für die SaaS-Pakete von ServiceNow zu bezahlen, wenn sie quasi kostenlose KI-Alternativen zur Verfügung haben. ServiceNow ist mit seiner Workflow-Management-Plattform in meinen Augen besonders stark von dieser Entwicklung betroffen, denn dabei handelt es sich nicht um Hexenwerk.
Besonders kleinere Unternehmen werden meiner Meinung nach in Zukunft auf Basis von KI ihre eigenen Workflow-Tools „stricken“, die ihre Bedürfnisse zielgenau abdecken. Wie sich der Kurs der ServiceNow-Aktie vor diesem Hintergrund verdoppeln soll, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel.
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ℹ️ ServiceNow in Kürze
- ServiceNow (WKN: A1JX4P) ist ein 2004 gegründeter US-amerikanisches Software-Konzern mit Sitz in Santa Clara in Kalifornien.
- Der Konzern bietet eine cloudbasierte Plattform an, um Arbeitsabläufe (Workflows) in Unternehmen zu digitalisieren und zu automatisieren.
- Basis der Plattform ist eine einzige, große Datenbank, über die alle Unternehmensprozesse abgewickelt werden können und die isolierte Software in einzelnen Abteilungen überflüssig macht.
- ServiceNow ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500. Der Börsenwert liegt aktuell bei ca. 93 Milliarden US$.