CoreWeave-Aktie -10%: Rückgrat der KI-Wirtschaft oder ewiges Geldgrab?

Analysten uneins

Die CoreWeave-Aktie bricht am Freitagmorgen um -10% im europäischen Handel ein. Waren die Zahlen des Neocloud-Anbietes so mies und können Anleger hier nun eines der wichtigsten Unternehmen der KI-Wirtschaft günstig kaufen?

blue cloud hovers in the center of a server room, surrounded by computer servers and cables, The transformation from traditional computing to cloud technology
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Enttäuschende Ergebnisse

Der heutige Einbruch der CoreWeave-Aktie ist eine direkte Reaktion auf zwei Details aus den gemeldeten Zahlen und dem Ausblick des Rechenzentrenbetreibers, und war die Ergebnisentwicklung und die Capex-Planung. Der Reihe nach:

Die hohe Umsatzdynamik von CoreWeave ist nach wie vor ungebrochen. Im vierten Quartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 110% auf 1,6 Milliarden US$. Im Gesamtjahr 2025 lag das Umsatzwachstum sogar bei 168% auf 5,1 Milliarden US$.

Gar nicht gefallen hat der Börse allerdings die Ergebnisentwicklung. Für das vierte Quartal meldete CoreWeave ein beteinigstes operatives Ergebnis von 88 Millionen US$. Das stellt einen Rückgang gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres dar, als der Wert noch 121 Millionen US$ betrug.

Die EPS lagen im abgelaufenen Vierteljahr bei -0,89 US$ und verfehlten damit meilenweit den Analystenkonsens von -0,21 US$. Der Nettoverlust betrug besorgniserregend -452 Millionen US$.

Und ein Capex-Schock

Neben der miserablen Ergebnisentwicklung dürfte auch der „Capex-Schock“ seinen Teil zum heutigen Kurssturz der CoreWeave-Aktie beigetragen haben. Das Neocloud-Unternehmen kündigte für 2026 Investitionsausgaben in Höhe von 30 bis 35 Milliarden US$ an. Das ist mehr als das Doppelte der bereits massiven Ausgaben von 15 Milliarden US$ im Vorjahr.

Anleger fürchten nun, dass CoreWeave sich mit diesen Investitionen übernimmt. Die Finanzierung dieser Summen erfordert neue Kredite oder die Ausgabe neuer Aktien, was den Wert bestehender Anteile verwässert. Zudem belastet die Zinslast bei einem Schuldenberg von bereits über 18 Mrd. US$ das Ergebnis massiv.

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Auch noch Ärger vor Gericht

Als hätte CoreWeave nicht schon genug Ärger mit der Börse, bahnen sich nun auch noch große rechtliche Probleme an. Mehrere renommierte US-Anwaltskanzleien gaben bekannt, Sammelklagen gegen das Unternehmen zu prüfen oder bereits eingereicht zu haben. Die Vorwürfe wiegen schwer.

Die Kanzleien behaupten, dass CoreWeave im Vorfeld seines Börsengangs irreführende Angaben zur voraussichtlichen Geschäftsentwicklung gemacht habe. Sie sind der Meinung, dass das Unternehmen erhebliche Bauverzögerungen in seinen Rechenzentren verschwiegen habe. Zudem behaupten die Kläger, dass die ehrgeizigen Umsatzziele für 2025 und 2026 von vornherein unhaltbar waren, da die physische Kapazität zur Bereitstellung der Rechenleistung gar nicht rechtzeitig zur Verfügung stand.

Weiter seitwärts

Die CoreWeave-Aktie hat sich in den letzten vier Monaten in einem breiten Seitwärtskanal zwischen 65 und 110 US$ eingependelt. Nach den aktuellen Zahlen gehe ich davon aus, dass der Neocloud-Titel auch weiterhin in dieser Bandbreite verharren wird. Ein neues Zwischentief bei unter 65 US$ sehe ich noch nicht kommen.

Bullen versus Bären

Bei kaum einem anderen Unternehmen gehen die Meinungen der Experten so weit auseinander wie bei der CoreWeave-Aktie. Die Bandbreite der Kursziele liegt zwischen 41 und 251 US$. Das heißt, dass manche Analysten ein Downside von über -50% prognostizieren, andere jedoch ein Upside von über +150% sehen.

Die Bullen konzentrieren sich auf den fast 70 Milliarden US$ schweren Auftragsbestand des Neocloud-Unternehmens. Sie gehen davon aus, dass CoreWeave in einigen Jahren das „Rückgrat der KI-Wirtschaft“ sein wird.

Die Bären fokussieren sich hingegen auf den gewaltigen Cash-Burn des Unternehmens. Zudem könnten ihrer Meinung nach die Zinslast und die Abschreibungen auf die Hardware das Unternehmen noch jahrelang in den roten Zahlen halten.

Die Börse hat die Geduld nicht

Ich rate Anlegern, derzeit nicht in die CoreWeave-Aktie zu investieren. Das Marktsentiment gegenüber Neocloud-Unternehmen ist derzeit ziemlich negativ. An der Börse überwiegt gegenwärtig die Skepsis, dass die Profitabilität dieser Branche deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben wird.

Die Betreiber von Rechenzentren sind einerseits mit gewaltigen Investitionserfordernissen konfrontiert und haben andererseits mit hohen Abschreibungen aufgrund der raschen Überalterung der Hardware zu kämpfen. Manch Experte geht sogar soweit, dass man mit Rechenzentren überhaupt kein Geld verdienen kann.

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Das glaube ich zwar nicht, aber der Weg zu einer nachhaltigen Profitabilität wird ein langer. Ich fürchte, die Börse hat nicht ausreichend Geduld mit der CoreWeave-Aktie.

ℹ️ CoreWeave in Kürze

  • CoreWeave (WKN: A413X6) mit Sitz in Livingstone im US-Bundesstaat New Jersey ist ein 2017 gegründetes KI-Cloud-Computing-Startup.
  • Das Unternehmen baut und betreibt Hochleistungsrechenzentren mit einer Cloud-basierten GPU-Infrastruktur.
  • Die Kunden von CoreWeave sind im Wesentlichen die Entwickler von KI-Anwendungen, darunter Alphabet, Meta Platforms, Microsoft und OpenAI.
  • CoreWeave gab im März 2025 sein Debüt an der US-Technologiebörse Nasdaq. Das Tech-Unternehmen ist ca. 51 Milliarden US$ wert.
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