ServiceNow-Aktie -12%: Kann man hier ein Schnäppchen machen?

Neue Quartalszahlen

Die ServiceNow-Aktie konnte sich in den letzten Tagen deutlich von ihrem 3-Jahrestief absetzen, doch am Donnerstagmorgen crasht der Kurs des Software-Konzerns abermals um -12%. Fielen die Quartalszahlen von ServiceNow so enttäsuchend aus und können Anleger hier jetzt ein Schnäppchen machen?

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Exzellente Zahlen

Die extrem negative Kursreaktion der ServiceNow-Aktie auf die vorgestellten Quartalszahlen ist mal wieder ein dieser Fälle, in denen ein Software-Unternehmen fantastische Zahlen abliefert, aber der Markt doch mehrere Haare in der Suppe findet. Zuerst zu den Zahlen, dann zu den „Suppenhaaren“:

Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 22% auf 3,77 Milliarden US$ und übertraf damit leicht den Analystenkonsens von 3,75 Milliarden US$. Auch beim bereinigten Gewinn traf ServiceNow mit 0,97 US$ je Aktie exakt die Erwartungen des Marktes.

Sehr positiv entwickelte sich der Auftragsbestand. Die RPO (Remaining Performance Obligations) stiegen um 25% auf 27,7 Milliarden US$.

Auch bei den Margen gibt es eigentlich wenig zu meckern: Die operative Marge lag im abgelaufenen Vierteljahr bei 32% und die Free Cashflow-Marge bei 44%.

Die Haare in der Suppe

Das erste Haar in der Suppe dürfte die Entwicklung der Bruttomarge gewesen sein. ServiceNow erwartet für das Gesamtjahr 2026 eine bereinigte Abo-Bruttomarge von 81,5%. Analysten hatten im Vorfeld jedoch mit 82,1% gerechnet.

Das Management führt den Rückgang auf die jüngsten teuren Übernahmen (wie Armis für über 7,7 Milliarden US$ und Moveworks) zurück. Anleger befürchten, dass die Integration dieser Firmen die Profitabilität länger belasten könnte als gehofft.

Das zweite Haar war die aktuelle politische Lage im Nahen Osten. Mehrere große On-Premise-Verträge im Nahen Osten konnten aufgrund des regionalen Konflikts im ersten Quartal nicht abgeschlossen werden. Dies führte zu einem Verlust von etwa 75 Basispunkten beim Wachstum der Abo-Umsätze. Da die Börse bei Wachstumsaktien wie ServiceNow Perfektion erwartet, reagierten Investoren empfindlich auf diese Verzögerungen.

Und das dritte Haar in der Suppe war die Umsatzprognose für das Gesamtjahr. ServiceNow geht von einem Umsatz in Höhe von rund 17,75 Milliarden US$ aus. Diese Prognose blieb jedoch leicht hinter der Markterwartung zurück.

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Zurück aufs 3-Jahrestief?

Das Chartbild der ServiceNow-Aktie ist nach wie vor sehr düster. Der seit Mitte 2025 anhaltende steile Abwärtstrend ist nach wie vor intakt.

Durch den heutigen Kurssturz wird ein Ausbruch nach oben verhindert. Ich gehe davon aus, dass die Software-Aktie nun wieder ihr 3-Jahrestief bei 83 US$ testen wird.

Wie gefährlich ist dieses Schreckgespenst?

Die zentrale Frage bei der Beurteilung der ServiceNow-Aktie bleibt jedoch, ob der Software-Konzern letztlich ein Profiteur von Künstlicher Intelligenz ist, oder ob KI früher oder später das Geschäftsmodell untergraben wird. Das Management und der Markt haben in dieser Frage offenbar andere Auffassungen.

Das ServiceNow-Management sieht das Unternehmen längst als eine KI-getriebene Plattform. CEO Bill McDermott sprach bei der Vorlage der Zahlen von einem „AI Control Tower“, in dem alle Daten, Workflows und Sicherheitsfunktionen von Unternehmen zusammenfließen.

Noch spielen rein KI-bezogene Umsätze eine untergeordnete Rolle bei ServiceNow. Das Unternehmen rechnet für 2026 mit 1,5 Milliarden US$. Aber die Zahl der Nutzer, die mehrere KI-Module nutzen, wächst nach Aussage des Managements deutlich.

Trotzdem schafft es die ServiceNow-Führung bislang nicht erfolgreich, das Schreckgespenst der SaaSpocalyse zu vertreiben. Noch zeigt sich dieses Gespenst nicht in den Zahlen des Software-Konzerns, aber ich gehe davon aus, dass das in den kommenden zwei bis drei Jahren geschehen wird.

KI-Tools haben bereits heute ein Entwicklungsniveau, mit dem sich viele Workflows in Unternehmen automatisieren lassen — und das zu einem Bruchteil der Kosten der ServiceNow-Software. Vor allem für kleinere und mittelgroße Unternehmen dürften die Fähigkeiten von KI-Modellen für die Automatisierung von Workflows ausreichen. Zumindest werden Kunden die potenzielle KI-Alternative verwenden, um Preisdruck auf ServiceNow auszuüben.

Aus gutem Grund günstig

Ich bin deshalb skeptisch in Bezug auf die weitere Kursentwicklung der ServiceNow-Aktie eingestellt. Der heutige Kurseinbruch zeigt deutlich, dass selbst hervorragende Zahlen nicht reichen, um die Börse noch zufriedenzustellen.

Mit einem Forward-KGV von 25 ist die ServiceNow-Aktie zwar deutlich günstiger bewertet als in der Vergangenheit. Aber dieser Bewertungsabschlag hat eben seinen guten Grund. Jedesmal, wenn Anthropic, OpenAI & Co. ein neues Tool vorstellen, sackt die ServiceNow-Aktie in den Kurskeller. Das wird auch weiterhin so sein.

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ℹ️ ServiceNow in Kürze

  • ServiceNow (WKN: A1JX4P) ist ein 2004 gegründeter US-amerikanisches Software-Konzern mit Sitz in Santa Clara in Kalifornien.
  • Der Konzern bietet eine cloudbasierte Plattform an, um Arbeitsabläufe (Workflows) in Unternehmen zu digitalisieren und zu automatisieren.
  • Basis der Plattform ist eine einzige, große Datenbank, über die alle Unternehmensprozesse abgewickelt werden können und die isolierte Software in einzelnen Abteilungen überflüssig macht.
  • ServiceNow ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500. Der Börsenwert liegt aktuell bei ca. 93 Milliarden US$.
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