Xiaomi-Aktie: 50% Gewinneinbruch erwartet – ein Verkaufssignal?
Das Kernproblem: Profit
Die Zahlen sind brutal. Der Gewinn brach im ersten Quartal 2026 um ganze 43% ein.
Ausgerechnet die Cashcow des Unternehmens wackelt. Die margenträchtigen Smartphone-Auslieferungen brachen um 19% auf 34 Millionen Geräte ein. Der Grund ist simpel, aber verheerend: Die Einkaufspreise für Smartphone-Speicher haben sich verfünffacht. TV-Speicherchips kosten sogar das Zehnfache von vor wenigen Monaten. Diese Kostenexplosion drückt die Bruttomarge im Smartphone-Geschäft auf gerade mal 10,1% – ein Niveau, das kaum noch Spielraum für Gewinnwachstum lässt.
Und noch schlimmer: US-Bank Goldman Sachs erwartet für Q2 2026 einen noch drastischeren Rückgang des Nettogewinns von 50% und ein Umsatzwachstum von nur 1. Ohne das Elektrofahrzeug- und KI-Segment würde der Umsatz sogar schrumpfen.
Konzernchef Lei Jun rechnet damit, dass dieser Preisdruck noch mindestens zwei weitere Jahre anhalten wird. Das heißt: Die Gewinnmargen bleiben unter Druck, während der Umsatz stagniert.
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Ein teures Experiment
Trotz der Prämiere des legendären SU7 Ultra, das auf der Nürburgring-Nordschleife zum schnellsten viertürigen Elektro-Serienfahrzeug der Welt gekrönt wurde mit seinen 1.500 PS, läuft das Elektroautogeschäft schlecht. Xiaomi verliert pro ausgeliefertem Fahrzeug etwa 5.600 US$. Somit schrieb die EV-Sparte einen operativen Verlust von 430 Millionen US$ allein in Q1 2026.
Bis Mai lieferte Xiaomi etwa 150.000 Fahrzeuge aus – ein Rückgang von 11% gegenüber April. Das ehrgeizige Jahresziel von 550.000 Einheiten rückt damit in weite Ferne.
Parallel bricht der gesamte Markt für EREV-Fahrzeuge (Elektroautos mit Benzin-Reichweitenverlängerer) ein: Die Großhandelsvolumina sanken im Mai um fast 25%, der stärkste monatliche Rückgang seit fünf Jahren. Xiaomi steigt also in ein Segment ein, das gerade schrumpft.
Charttechnisches Alarmsignal
Die charttechnische Situation verschärft die Lage deutlich. Die Aktie hat im letzten Monat allein -20% an Wert verloren und durchbrach mehrere wichtige Unterstützungslinien nach unten. Ein neues Allzeit-Tief gibt es inklusive. Das Papier notiert aktuell bei 2,52 € mit einem RSI-Wert von etwa 26, also klar im überverkauftem Terrain.
Wenn technische Unterstützungen durchbrochen werden, aktiviert das automatisch Verkaufsprogramme und Stoploss-Orders von Tradern. Institutionelle Investoren, die an bestimmte technische Level gebunden sind, verkaufen gleichzeitig und der Kurs rutscht schneller in die Tiefe, als die Fundamentals allein erklären würden. Das sorgte heute für zusätzlichen Abwärtsdruck.
Alarm in der Chefetage
Um den massiven Kurssturz zu bremsen, griff das Management am 19. Juni zu einer weiteren Rückkaufstranche im Wert von vier Milliarden Hongkong-Dollar – eingebettet in ein gigantisches 20-Milliarden-Programm. Doch angesichts der fundamentalen Probleme scheint der Notfallplan keine Wirkung auf den Kurs zu haben.
Allerdings könnte das Management sich auch gerade freuen, denn sie haben eigene Aktien zu dem wohl günstigsten Preis, den die Aktie je hatte, zurückgekauft.
ℹ️ Xiaomi in Kürze
- Xiaomi (WKN: A2JNY1) ist ein chinesischer Technologiekonzern, der Smartphones, Notebooks, Smartwatches und weitere Elektrogeräte wie Saug- und Wischroboter herstellt.
- Zudem entwickelt der Konzern ein eigenes Betriebssystem für die Vernetzung von Elektrogeräten.
- Derzeit ist Xiaomi hinter Apple und Samsung der drittgrößte Smartphone-Hersteller der Welt.
- 2024 ging die erste rein elektrische Sportlimousine von Xiaomi (SU7 Ultra) mit 1.548 PS viral.
- Xiaomi mit Sitz in Peking ist an der Börse derzeit ca. 70 Milliarden US$ wert.
Wenn Du Xiaomi beobachtest, solltest Du Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung sichern. Im SD Insider Newsletter berichten wir regelmäßig über Entwicklungen bei diesem und ähnlichen Werten – kompakt und ohne Umwege.
Fazit
Die Kombination aus Gewinneinbruch, EV-Verluste und charttechnischem Zusammenbruch ist zu groß. Automobilhersteller dürften angesichts der abkühlenden E-Auto-Nachfrage auch weiterhin stark unter Druck stehen – das Narrativ hat sich schlicht noch lange nicht gedreht. Ein Kauf zwingt sich auf diesem Niveau daher nicht auf.
Zwar steht dem düsteren Bild eine im historischen Vergleich günstige Bewertung mit einem Forward-KGV von etwa 16 bis 18 gegenüber, was die Aktie für Schnäppchenjäger interessant macht. Dennoch steckt Xiaomi vorerst in einer klassischen Value-Trap: Das Unternehmen verbrennt horrende Summen in der margenarmen E-Auto-Sparte und bei KI-Investitionen, während die einstige Cashcow – das Smartphone-Kerngeschäft – unter einer Kostenexplosion bei den Speicherkomponenten leidet. Solange dieser Hebel blockiert ist, bleibt die Aktie trotz optisch niedriger Kurse ein riskantes Unterfangen.
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