Walmart-Aktie glänzt operativ – Doch rechtfertigt das ein KGV von über 40?
Walmart profitiert von Inflation
Walmart hat die Analystenschätzungen beim Umsatz nicht nur geschlagen, sondern regelrecht pulverisiert. Satte 177,75 Milliarden US$ spülten die Kunden in die Kassen – ein starkes Plus von 7,3% im Vergleich zum Vorjahresquartal. Die Wall Street hatte im Schnitt mit rund 3 Milliarden US$ weniger gerechnet.
Der eigentliche Clou der Bilanz versteckt sich jedoch im Digitalgeschäft. Der globale E-Commerce-Umsatz schoss um 26% nach oben. Ob Abholservice, Express-Lieferung oder der hauseigene Online-Marktplatz – Walmart gräbt dem Rivalen Amazon immer erfolgreicher das Wasser ab. Auch das margenstarke Werbegeschäft „Walmart Connect“ boomt und legte um 37% zu. Da fallen selbst die durch höhere Treibstoffkosten leicht belasteten operativen Margen kaum ins Gewicht.
On top kletterten die weltweiten Einnahmen aus dem Abo- und Mitgliedsgebührensegment (Walmart+ & Sam's Club) um starke 17,4% nach oben. Die günstigen Eigenmarken von Walmart wurden auch deutlich stärker nachgefragt.
Walmart ist „The Place to Be” für den wohlhabend wie auch weniger wohlhabende US-Bürger geworden und profitiert von den Nebeneffekten, die die Inflation auf das Verhalten der Menschen hat. An der Börse wird Walmart deshalb auch als ein klassischer „Inflationsgewinner“ betitelt.
Premium-Qualität zum Premium-Preis?
Die Zahlen sind unbestreitbar stark, doch an der Börse wird bekanntlich die Zukunft gehandelt. Und genau hier beginnt das Dilemma für Investoren.
Das Fundament stimmt: Walmart profitiert paradoxerweise von der anhaltenden Inflation. Wenn das Geld knapper wird, weichen selbst einkommensstärkere Haushalte auf die günstigeren Eigenmarken des Discounters aus. Das sichert Walmart ein extrem krisenresistentes Geschäftsmodell.
Der Haken ist aber die Bewertung, denn die Aktie hat in den letzten Monaten eine fulminante Rallye hinter sich und notiert auf Allzeithoch-Niveau (+14% YTD). Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis kratzt an der Marke von 44 bis 47. Für einen Einzelhändler, selbst für einen so digitalisierten, ist das eine sportliche Premium-Bewertung.
Walmart hat also mal wieder gezeigt, dass die Digitalisierung einen größeren Hebel darstellt, als zu Beginn vermutet. Drei weitere Aktien, die davon ebenfalls Gebrauch machen, findest Du in unserem Report „3 Top-Picks 2026“.
Und was, wenn die Zölle steigen?
Im begleitenden Conference Call der Konzernleitung stand die Debatte um globale Lieferkettenkosten und Einfuhrzölle im Fokus. Walmart betont, durch seine gestiegene Automatisierung in der Logistik Produktivitätsvorteile zu generieren, um potenzielle Zollbelastungen abzufedern, wenngleich gestiegene Treibstoffkosten beim Transport das operative Ergebnis in Q1 bereits um rund 250 Basispunkte gedrückt haben.
Das Management hat den bisherigen Ausblick für das Gesamtjahr 2027 bestätigt. Der Kurs gab trotz starker Zahlen um rund 2,2% nach, was daran liegen könnte, dass der Markt insgeheim auf eine leichte Anhebung gehofft hat.
ℹ️ Walmart in Kürze
- Walmart (WKN: 860853) ist der weltweit größte Einzelhandelskonzern und zählt zu den umsatzstärksten Unternehmen der Welt.
- Der Konzern betreibt aktuell knapp 11.000 Filialen in 19 Ländern sowie einen Online-Shop.
- In seinen großflächigen Supermärkten vertreibt Walmart fast alle Produkte des täglichen Bedarfs.
- Walmart ist Mitglied im US-Leitindex Dow Jones, im S&P 500 und Nasdaq 100 und hat einen Börsenwert von rund 1,04 Billionen US$.
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Fazit
Wer die Aktie im Depot hat, hält sie stur und erfreut sich an der defensiven Klasse und den geringen Dividenden. Wer neu einsteigen will, wartet jedoch besser auf einen gesunden Rücksetzer. Walmart ist ein Pflichtkauf für jedes langfristige Konsum-Portfolio – aber eben nicht zu jedem Preis.
Für Dividendenjäger, die Top-Werte mit einer höheren Ausschüttung als Walmart sie aktuell bietet (<1%) suchen, haben wir eine Liste aus 10 Dividendentiteln zusammengestellt. Das solltest Du nicht verpassen!