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Volkswagen-Aktie: Gibt es überhaupt noch Hoffnung?

Auf dem 15-Jahrestief
Die Volkswagen-Aktie rutscht am Freitagmorgen kurzzeitig unter 80 € und notiert damit auf einem neuen 15-Jahrestief. Was zieht den Kurs der Wolfsburger immer weiter in die Tiefe und gibt es überhaupt noch Hoffnung auf einen Turnaround?

Der Ex-Dividendentag

Zuallererst gibt es einen technischen Grund, weshalb die Volkswagen-Aktie zum Wochenschluss auf ein Kursniveau von 80 € abgerutscht ist, und zwar die Dividende. Auf der gestrigen Hauptversammlung des Konzerns wurde eine Gewinnausschüttung in Höhe von 5,20 € je Stammaktie und 5,26 € je Vorzugsaktie beschlossen.

Heute ist der Ex-Dividendentag. Das bedeutet, dass der Aktienkurs rein rechnerisch um diese Gewinnausschüttung korrigiert wird.

Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.

Blumes Plan für die Zukunft

Aber auch die Hauptversammlung selbst dürfte Auswirkungen auf den Kurs der Volkswagen-Aktie haben. Konzernchef Oliver Blume nutzte die Bühne, um angesichts schwächelnder Absatzzahlen, geopolitischer Spannungen und zunehmender Zollbarrieren seinen strengen Plan für die Zukunft der Wolfsburger zu untermauern.

Die Kernpunkte: Überkapazitäten sollen abgebaut, die Komplexität verringert und das Investitionsportfolio gestrafft werden. Um die Trendwende zu schaffen, rollt in diesem Jahr die sogenannte "Electric Urban Car Family" an – vier elektrische Kompaktmodelle der Marken VW, Skoda und Cupra, die ab 25.000 Euro zu haben sein sollen. Sie sollen wesentlich dazu beitragen, Volkswagen gegenüber chinesischen Herstellern im Kleinwagensegment wettbewerbsfähiger zu machen.

Mit einem Renditeziel von 8 bis 10% bis zum Jahr 2030 hat sich Blume die Latte sehr hoch gelegt. Um dieses Ziel zu erreichen, will VW in Europa und China die Produktionskapazität um hunterttausende Fahrzeuge verringern.

Ein handfester Eklat

Kurz vor der Hauptversammlung kam es übrigens zu einem handfesten Eklat. Aufsichtsrätin Susanne Wiegand hat völlig überraschend ihre Kandidatur zurückgezogen und das Kontrollgremium verlassen.

Wiegand galt als die einzige wirklich unabhängige Stimme auf der Kapitalseite und war Vorsitzende des Prüfungsausschusses. Sie hat unter anderem Finanzvorstand Arno Antlitz kritisch auf die Finger geschaut und sich offen gegen die Wiederwahl von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch gestellt (mit dem Argument, er sei durch seine Doppelrolle als Porsche-SE-Chef oft befangen). Verhindern konnte sie die Bestellung nicht.

Und eine katastrophale Umfrage

Kurz vor der Hauptversammlung wurde auch noch eine anonyme Umfrage unter den Volkswagen-Vorständen publik, die es wirklich in sich hat. Sechs der neun Vorstände gaben darin an, dass der Konzern ihrer Meinung nach in seiner Existenz gefährdet sei. Die übrigen drei Vorstandsmitglieder bezeichneten die Situation als „angespannt“.

Es kommt aber noch schlimmer: Alle neun Vorstände gaben an, dass der Autokonzern kein tragfähiges Geschäftsmodell mehr besitze. Vor allem die Strategie in den Kernmärkten China und USA sehen die VW-Bosse als nicht nachhaltig an.

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Es droht ein weiterer Absturz

Für eine ausführliche charttechnische Analyse der Volkswagen-Aktie verweise ich auf meinen Kollegen Christian Kämmerer.

Die Liste der Probleme ist zu lange

Ich rate Anlegern, angesichts der prekären Situation nicht in die Volkswagen-Aktie zu investieren. Obwohl sie mit einem Forward-KGV von 4,2 wirklich ein Schnäppchen ist, sehe ich einfach kein Potenzial mehr in ihr.

Die Liste der Probleme der Wolfsburger ist wahnsinnig lang und VW hat nicht mehr viel Zeit, sie abzuarbeiten. Volkswagen muss sofort seine Produktionskapazität drastisch reduzieren. Das gilt vor allem für den Standort Deutschland, wo viele Werke seit langem einen zu geringen Auslastungsgrad haben. Angesichts der enormen Stärke der Gewerkschaften und der politischen Einflussnahme in Deutschland ist die kurzfristige Schließung von Fabriken für VW aber kaum machbar.

Das wahrscheinlich noch größere Problem ist die fehlende Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen bei Elektroautos. Im ersten Quartal war weltweit nicht einmal jedes zehnte Auto von Volkswagen ein Stromer. Das ist ein Armutszeugnis im Jahr 2026.

Fraglich, ob VW durch die Modelloffensive bei Kleinwagen noch einmal das Ruder herumreißen kann. Nicht nur chinesische Hersteller bieten seit längerem E-Autos in einem Preisbereich von 15.000 bis 30.000 €. Auch die beiden anderen europäischen Autogroßkonzerne Renault und Stellantis habe inzwischen ein starkes Portfolio an Elektrokleinwagen.

Hinzu kommt, dass Kleinwagen traditionell eine wesentlich geringer Marge haben als Mittel- und Oberklasseautos. Wie VW-Chef Blume vor diesem Hintergrund auf eine zweistellige Marge kommen will, ist mir ein Rätsel.

ℹ️ Volkswagen in Kürze

  • Die Volkswagen AG (WKN: 766403) mit Sitz in Wolfsburg ist der nach Umsatz größte und nach Absatz zweitgrößte Fahrzeughersteller der Welt. Zusätzlich zur Kernmarke Volkswagen ist die VW AG auch Muttergesellschaft zahlreicher weiterer Autohersteller, darunter Audi, Lamborghini, Porsche, Seat und Skoda.
  • Neben dem Pkw-Bereich gehört auch der Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge mit den Unternehmen MAN und Scania zum VW-Konzern. Zudem bietet der Konzern zahlreiche Finanzdienstleistungen an, darunter Finanzierungen und Versicherungen.
  • Volkswagen ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 und aktuell ca. 45 Milliarden € wert.

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Fazit

Die deutsche Autobranche befindet sich in einem schleichenden Niedergang. In China ist der Wettbewerb inzwischen zu groß geworden und das Premiummarkenimage der Deutschen entfallen. Mehr Wettbewerbsintensität droht nun auch auf dem europäischen Heimatmarkt.

VW muss die Axt bei seinen Kosten ansetzen. Wie das einem von der Politik und den Gewerkschaften geführten Konzern gelingen soll, ist mir schleierhaft.