Varta-Aktie: Ist das wirklich ein Gamechanger?

Deal mit Porsche
08.07.24 um 10:36

Am Freitag erfreute die Varta-Aktie (WKN: A0TGJ5) ihre Anleger mit einem Kursfeuerwerk von +21%. Die plötzliche Jubelstimmung, die durch eine mögliche Beteiligung durch Porsche ausgelöst wurde, setzt sich zum Wochenauftakt fort. Die Aktie des Batterieherstellers ist auch am Montagmorgen mit über +7% im Plus. Aber ist die Kooperation mit dem deutschen Sportwagenbauer wirklich ein Gamechanger für Varta?

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Ein Deal mit Porsche

Vor der Bewertung noch einmal kurz die Fakten:

Zum Wochenschluss meldet Varta den Abschluss einer unverbindlichen Absichtserklärung mit Porsche. Darin geht es um eine Beteiligung an der Varta-Tochter V4Drive, in der die Aktivitäten des Batterieherstellers im Bereich Elektromobilität gebündelt sind. Offenbar will sich Porsche mehrheitlich über eine Kapitalerhöhung an V4Drive beteiligen.

Für die beiden deutschen Traditionskonzerne wäre das eine Win-win-Situation. Porsche würde sich damit den Zugriff auf die Produktion von Akkus für seine zukünftigen Elektromodelle sichern. Die Stuttgarter planen derzeit den Aufbau einer Produktion mit einem Volumen von 10 bis 20 Gigawattstunden, was umgerechnet für rund 200.000 Fahrzeuge mit einer Batteriekapazität von je 100 Kilowattstunden reichen würde.

Für Varta wäre Porsche ein sehr wichtiger Partner, der fürs Erste die Produktion von Autobatterien auslasten würde. Zudem würde eine Kapitalerhöhung durch den Autohersteller dringend benötigtes Kapital in die Varta-Firmenkasse spülen.

Das sagen die Analysten

Analysten zeigen sich in ersten Reaktionen auf den Varta-Porsche-Deal allerdings sehr zurückhaltend. Die Privatbank Berenberg senkte ihr Kursziel für die Varta-Aktie drastisch von bislang 22 auf nunmehr 15 € und beließ ihr Rating bei „halten“.

Nach Meinung der Berenberg-Experten sei die mögliche Kooperation kein Gamechanger. Die Varta-Tochter V4Drive stecke immer noch in den Kinderschuhen, so die Analysten.

In das gleiche Horn stoßen die Analysten der DZ Bank. Auch sie sehen die V4Drive-Technologie noch in der Entwicklung. Außerdem könne sich Varta die notwendigen dreistelligen Millionen-Investitionen in die Technologie nicht selbst leisten, so die DZ-Experten.

Ein charttechnischer Befreiungsschlag

Nach einem wochenlangen Kursrückgang scheint Varta ein kurzfristiger charttechnischer Befreiungsschlag gelungen zu sein. Die Varta-Aktie notiert nur noch knapp unter ihrem Zwischenhoch bei 12,50 €. Sollte sie auch diesen Widerstand knacken, ist sogar ein Hochlauf auf rund 15 € denkbar.

Noch kein Grund zum Jubeln

Auch ich sehe noch keinen Grund zum Jubeln. Die genauen Details des Deals mit Porsche sind noch nicht bekannt. Möglicherweise kettet sich Varta über viele Jahre zu schlechten Bedingungen an einen Partner und kann demnach nicht mehr frei auf dem Markt der Batteriezellenhersteller agieren.

Zudem steht die Sanierung des Batteriekonzerns immer noch auf der Kippe. Es ist alles andere als sicher, dass die Gläubigerbanken einem zweiten Sanierungskonzept zustimmen.

Durch die Absichtserklärung mit Porsche hat sich meiner Meinung nach die Wahrscheinlichkeit eines Zustandekommens einer Schuldenrestrukturierung durch die Gläubigerbanken von Varta erhöht. Als neuer Partner im Boot hat nun auch Porsche großes Interesse an einer erfolgreichen Sanierung von Varta.

Auch bei einer Einigung mit den Banken über die weitere Unternehmensfinanzierung steht die kommerzielle Zukunft von Varta allerdings in den Sternen. Das Kerngeschäft des Traditionskonzerns mit Mikrobatterien steht massiv unter Druck und im Bereich der E-Autobatterien muss Varta erst noch den Beweis liefern, dass es damit Geld verdienen kann.

Die Varta-Aktie bleibt deshalb bis auf Weiteres ein hochspekulativer Wert. Anleger, die darauf wetten wollen, dass nun auch die weitere Unternehmensfinanzierung gesichert ist, können kurzfristig in die Aktie einsteigen. Mittel- bis langfristig sind die Unsicherheiten rund um Varta aber immer noch sehr groß.

ℹ️ Varta in Kürze

  • Varta ist ein deutscher Batteriehersteller, der aus den drei Tochterunternehmen Varta Microbattery (Mikrobatterien, etwa für Kopfhörer und Hörgeräte), Varta Consumer Batteries (Haushaltsbatterien) und Varta Storage (Speicherlösungen) besteht.
  • Neben dem Hauptsitz im baden-württembergischen Ellwangen verfügt das Unternehmen über weitere Produktionsstandorte in Deutschland, Rumänien und Indonesien.
  • Mit rund drei Milliarden Batteriezellen ist das Unternehmen der führende Hersteller von Haushaltsbatterien in Europa.
  • Varta ist Mitglied im deutschen Small Cap Index SDAX und rund 500 Millionen € an der Börse wert.

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