Tesla-Aktie -7%: Wieso ist die Börse damit unzufrieden?
Starke Absatzzahlen
Eigentlich gab es gestern seit längerem mal wieder Grund zur Freude bei Tesla. Der Autobauer gab seine Absatzzahlen für das zweite Quartal bekannt und sie waren hervorragend.
Von April bis Juni verkaufte Tesla rund 480.000 Autos. Das ist nicht nur ein sattes Verkaufsplus von 25% gegenüber dem Vorjahr, sondern übertraf auch deutlich die Erwartungen der Analysten, die mit einem Absatz von nur rund 400.000 Fahrzeugen gerechnet hatten.
Auch die Produktion legte im zweiten Quartal zu. Insgesamt liefen rund 452.000 Fahrzeuge von den Bändern der Gigafactories.
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Zwei Gründe für Skepsis
Es gibt aber zwei Gründe, weshalb die Börse dann doch nicht zufrieden mit den Absatzzahlen von Tesla sein konnte:
Zum einen konnte Teslas Erzrivale BYD wieder den Thron als weltgrößter Verkäufer von Elektroautos zurückerobern. Dabei geht es nicht nur um einen reinen Titel, sondern vor allem um die Sorge, dass die Chinesen durch ihre massive Auslandsexpansion in immer mehr Märkten zum Konkurrenten von Tesla werden.
Zum anderen macht sich die Börse Sorgen, zu welchem Preis die Fahrzeuge von Tesla in den letzten drei Monaten verkauft wurden. Um den Absatz im zweiten Quartal in Europa und China anzukurbeln, hat der Autobauer aggressive Rabattaktionen und extrem günstige Finanzierungs- und Leasingkonditionen angeboten sowie neue, puristischere Basisvarianten (z. B. beim Model 3 und Model Y für unter 40.000 €) auf den Markt geworfen.
Anleger befürchten nun, dass das enorme Volumenwachstum durch eine deutliche Schrumpfung der Bruttomarge erkauft wurde. Das Management wies im Bericht selbst explizit darauf hin, dass die reinen Auslieferungszahlen kein verlässlicher Indikator für das Nettoeinkommen und den Cashflow sind.
Im Seitwärtstrend gefangen
Die Tesla-Aktie befindet sich seit Jahresbeginn in einem Seitwärtstrend. Die Marke von 450 US$ ist seit Monaten unüberwindbar. Bei ca. 350 US$ hat der Autobauer allerdings einen Boden gefunden. Angesichts fehlender stärkerer Kurskatalysatoren gehen ich von einer Fortsetzung der Kursentwicklung innerhalb dieser Grenzen aus.
Der Motor startet einfach nicht
Am 22. Juli wird es spannend. Dann wird Elon Musks Autohersteller seine Quartalsergebnisse vorlegen. Die Nervosität dürfte im Vorfeld groß sein.
Und das muss sie auch, denn die Bewertung der Tesla-Aktie ist nach wie vor absurd hoch. Das Forward-KGV liegt bei weit über 200. Wir sprechen hier aber über einen Konzern, der im laufenden Jahr mit ca. 8% und im kommenden Jahr mit rund 15% wachsen wird und angesichts der extrem harten Wettbewerbs in der Automobilindustrie kaum Margenpotenzial besitzt.
Die meiner Überzeugung nach immer noch völlig illusorische Tesla-Bewertung beruht nach wie vor auf den beiden Zukunftsstories Robotaxis und Roboter. Doch auf beiden Feldern tut sich nicht besonders viel.
Mit seinen Robotaxis ist Tesla immer noch nicht aus der Testphase herausgekommen. Zwar rollen die autonom fahrenden Teslas inzwischen durch drei texanische Städte (Austin, Dallas und Houston). Aber Wettbewerber, allen voran Waymo (Alphabet), Apollo Go (Baidu) und Pony.ai sind längst dabei, den internationalen Markt im Regelbetrieb aufzurollen. Tesla hat meiner Meinung nach inzwischen einen Rückstand von mindestens zwei Jahren gegenüber seinen Wettbewerbern.
Auch beim Roboter Optimus gibt es seit geraumer Zeit keine nennenswerten News. Er kommt in einigen Autofabriken von Tesla zum Einsatz. Das war es aber auch schon.
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ℹ️ Tesla in Kürze
- Der 2003 gegründete US-Autohersteller mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas ist derzeit der weltweit zweitgrößte Hersteller von Elektroautos. Neben Fahrzeugen stellt Tesla (WKN: A1CX3T) auch Batteriespeicher und Photovoltaikanlagen her.
- Die Fahrzeuge und teilweise auch die Batterien werden in Gigafactories genannten Großfabriken produziert. Derzeit betreibt Tesla Gigafactories in den USA, Deutschland und China.
- Tesla ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500. Der Unternehmenswert liegt aktuell bei rund 1,23 Billionen US$.
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Fazit
Seit drei Jahren hinkt die Tesla-Aktie nun schon ihrem Vergleichsindex Nasdaq 100 hinterher und ich glaube nicht, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird. Das Kerngeschäft Automobilbau ist längst kein Wachstumsmotor mehr und die beiden Zukunftsfelder Robotaxis und Roboter haben ihren Motor noch gar nicht gestartet. Vor diesem Hintergrund ist mir die Bewertung der Tesla-Aktie viel zu euphorisch und muss dringend auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.