SUSS-Aktie: Wo geht die Reise im 2. Halbjahr hin?
MDAX-Aufstieg sorgt für kräftigen Kursschub
Die Papiere von SUSS MicroTec wurden kürzlich in den MDAX aufgenommen, den wichtigsten deutschen Mid-Cap-Index. Die Aufnahme löste eine starke Kursrally aus. Nach dem Anstieg auf ein neues Jahreshoch von 118,40 US-Dollar gab der Kurs allerdings wieder um rund 20 Prozent nach.
Trotz dieser Konsolidierung bleibt unsere Einschätzung grundsätzlich positiv. Ein Blick auf die Geschäftsberichte zeigt, warum die Voraussetzungen für die kommenden Quartale weiterhin günstig erscheinen.
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Spezialist für Schlüsseltechnologien der Halbleiterindustrie
SUSS MicroTec zählt zu den wichtigsten Ausrüstern der Halbleiterindustrie und ist sowohl im Frontend als auch im Backend der Chipfertigung aktiv. Das Unternehmen gliedert sich in zwei zentrale Geschäftsbereiche.
Der Bereich Advanced Packaging entwickelt Anlagen für Beschichtungs-, Belichtungs- und Bonding-Prozesse, die bei modernen Gehäusetechnologien für Halbleiter unverzichtbar sind. Diese Verfahren spielen insbesondere bei leistungsstarken KI-Chips und Hochleistungsprozessoren eine entscheidende Rolle.
Der zweite Geschäftsbereich Photomask Solutions liefert Systeme zur Reinigung und Bearbeitung von Fotomasken, die für moderne Lithografieverfahren benötigt werden. Diese Technologien sind essenziell für die Produktion besonders leistungsfähiger Halbleiter.
SUSS MicroTec verfügt in mehreren Nischen über außergewöhnlich starke Marktpositionen. Das Unternehmen gilt als weltweiter Technologieführer bei UV-Projektionssystemen für Backend-Lithografie und besitzt in diesem Bereich praktisch eine Monopolstellung. Gleichzeitig hält SUSS MicroTec einen bedeutenden Anteil am Weltmarkt für Anlagen zum temporären Bonden und Debonden ultradünner Wafer. Diese Systeme werden unter anderem für moderne HBM-Speicher und fortschrittliche Chip-Packaging-Verfahren eingesetzt, die bei führenden Herstellern wie Taiwan Semiconductor Manufacturing, Samsung, Micron und SK hynix Verwendung finden.
Schwacher Jahresauftakt verdeckt starke Nachfrage
Auf den ersten Blick fielen die Zahlen des ersten Quartals 2026 enttäuschend aus. Der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahresquartal um rund 31 Prozent auf 86,5 Millionen Euro. Auch der Nettogewinn sowie das Ergebnis je Aktie gingen deutlich zurück.
Die Hintergründe zeichnen jedoch ein wesentlich positiveres Bild.
Das erste Quartal ist traditionell das schwächste Quartal des Unternehmens, während der Jahresendspurt üblicherweise den größten Umsatzbeitrag liefert. Zudem spiegeln die Umsätze des ersten Quartals vor allem den geringeren Auftragseingang aus der Mitte des vergangenen Geschäftsjahres wider und geben deshalb die aktuelle Nachfrage nur eingeschränkt wieder.
Für das Gesamtjahr rechnet das Management mit einem Umsatz zwischen 425 und 485 Millionen Euro. Der erwartete Rückgang gegenüber dem Rekordjahr 2025, in dem erstmals knapp über eine halbe Milliarde Euro erlöst wurde, ist vor allem auf die unregelmäßige Verteilung großer Kundenaufträge zurückzuführen.
Rekordaufträge stärken den Ausblick
Während die Umsätze saisonal schwach ausfielen, entwickelte sich der Auftragseingang im ersten Quartal außerordentlich dynamisch.
Mit Neuaufträgen von 149,3 Millionen Euro erzielte SUSS MicroTec den höchsten Quartalswert der Unternehmensgeschichte. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von fast 70 Prozent.
Beide Geschäftsbereiche trugen zu diesem Rekord bei. Advanced Backend Solutions profitierte vor allem von der anhaltend hohen Nachfrage entlang der Wertschöpfungskette für KI-Chips. Gleichzeitig verzeichnete auch Photomask Solutions eine deutliche Belebung.
Der gesamte Auftragsbestand erhöhte sich dadurch auf 330,1 Millionen Euro und liegt damit fast 24 Prozent über dem Niveau des Vorquartals. Das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,73 signalisiert, dass deutlich mehr neue Aufträge eingingen als ausgeliefert wurden. Ein Großteil dieser Bestellungen dürfte im weiteren Jahresverlauf umsatzwirksam werden.
Bewertung bleibt trotz Kursanstieg attraktiv
Nach der kräftigen Kursentwicklung stellt sich die Frage, ob die Aktie inzwischen bereits zu hoch bewertet ist.
Ein Vergleich mit den großen Branchengrößen zeigt weiterhin einen deutlichen Bewertungsabschlag. Während Unternehmen wie ASML, Applied Materials oder Lam Research werden beim Verhältnis von Unternehmenswert zu Umsatz mit deutlich höheren Multiplikatoren bewertet. Selbst für 2027 läge SUSS erheblich darunter.
Das Verhältnis von Unternehmenswert zum operativen Ergebnis erscheint auf den ersten Blick nicht besonders günstig. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass 2026 weiterhin als Übergangsjahr mit vorübergehend gedrückten Margen gilt.
Für 2027 erwarten Analysten bereits eine deutliche Verbesserung der Profitabilität. Sollte der hohe Auftragsbestand planmäßig abgearbeitet werden und die Fixkosten auf eine höhere Auslastung treffen, könnte sich die Bewertung im Branchenvergleich als ausgesprochen günstig erweisen.
Risiken im Blick
Kurzfristig bleibt das Geschäftsmodell stark vom Auslieferungszeitpunkt großer Kundenaufträge abhängig. Bereits kleinere Verschiebungen können einzelne Quartale erheblich beeinflussen und zu deutlichen Schwankungen bei Umsatz und Marge führen.
Hinzu kommt die hohe Konzentration auf wenige Großkunden aus dem Bereich moderner Chipfertigung. Sollten Unternehmen wie Taiwan Semiconductor Manufacturing oder Samsung ihre Investitionsprogramme zeitweise zurückfahren, könnte sich das Auftragstempo spürbar abschwächen und den Bewertungsaufschlag der Aktie begrenzen.
ℹ️ SUSS in Kürze
- Die in Garching bei München ansässige SUSS (vormals Süss MicroTec SE) entwickelt Anlagen für die Herstellung von Mikroelektronik und -systemtechnik.
- Der Konzern liefert Systemlösungen für die Halbleitertechnik, die im Labor- und Produktionsbereich eingesetzt werden. Diese umfassen alle notwendigen Arbeitsschritte der Waferbearbeitung.
- Die Produkte werden in Deutschland und Taiwan entwickelt und gefertigt.
- SUSS ist Mitglied im MDAX und TecDAX und an der Börse aktuell rund 1,82 Milliarden € wert.
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Fazit
SUSS MicroTec hat trotz eines schwachen Jahresauftakts eine außergewöhnlich starke Auftragslage aufgebaut. Gelingt die planmäßige Abarbeitung des Rekordbestands und verbessert sich die Margensituation wie erwartet, besitzt die Aktie trotz der jüngsten Kursrally weiterhin weiteres Aufwärtspotenzial.
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