Sektorrotation: Mag 7 schlägt Halbleiter
Warum Schulden gut sind
In der neuesten Analyse von der Investmentbank Morgan Stanley rechnet man mit sage und schreibe 1,2 Billionen US$ Investitionsausgaben der großen Tech-Hyperscaler allein im Jahr 2027. Das ist mehr Geld, als die traditionellen S&P-500-Schwergewichte ExxonMobil, Walmart, Chevron, Ford und General Motors in ihrer gesamten Unternehmensgeschichte zusammen für Fabriken, Logistikzentren und Maschinen ausgegeben haben.
Morgan Stanley prognostiziert, dass die Hyperscaler 2026 rund 400 Milliarden US$ am Anleihemarkt aufnehmen werden, mehr als doppelt so viel wie noch im Jahr 2025.
Am Anfang der KI-Welle schöpften diese unheimlich hohen CapEx-Summen noch Skepsis und Kursabschläge. Es war wie investieren in eine Blackbox, weil der Gewinn nicht sofort sichtbar war. Heute liest der Markt dieselben Zahlen als Beweis für Wettbewerbsvorsprung. Meta, Amazon und Alphabet steigen seit Bekanntgabe neuer Fremdfinanzierungen ungewöhnlich stark (+2-4% an einem Tag).
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Amazon: Die 25-Milliarden-Kriegskasse (Stufe 1)
Amazon platzierte am 7. Juli eine Rekordanleihe über 25 Milliarden US$ mit Laufzeiten von 2029 bis 2066 und Coupons zwischen 4,6% und 6,25%. Das Ziel ist der Ausbau von Amazon Web Service (AWS) und KI-Rechenzentren, verpackt in einen rund 200 Milliarden US$ schweren Investitionsplan alleine für das Jahr 2026. Seit dem 7. Juli stieg die Aktie bereits um +4,2%.
Alphabet: Der Weg über die Kommunen (Stufe 3)
Alphabet hat eine Finanzierungsart nicht gereicht und ging gleich mehrere Wege: Den Anfang machte im Mai eine gigantische Finanzierungstranche in Euro und kanadischen Dollar über gut 17 Milliarden US$. Im Juni kündigte der Konzern eine historische Kapitalerhöhung über rund 85 Milliarden US$ an (inklusive eines 10-Milliarden-Einstiegs von Warren Buffett mit Berkshire Hathaway).
Der jüngste und ungewöhnlichste Schritt: Ein 1,2 Milliarden US$ schwerer Deal über Kommunalanleihen der California Community Choice Financing Authority – ein Instrument, das bislang Städten und Gemeinden vorbehalten war. Bei dieser Finanzierungsart sichert sich der Tech-Gigant langfristig günstigen Strom für seine KI-Rechenzentren.
Alphabet ist damit der erste Hyperscaler, der diesen Markt anzapft, was vergangene Tage für zusätzlichen Kursschub sorgte.
Meta: Hier wirds noch kreativer (Stufe 5)
Seit Meta einen Weg gefunden hat, die riesigen Rechenzentrumsinvestitionen zu monetarisieren, indem es die gebauten Rechenzentren weitervermietet, geht die Party erst richtig los. Für das neueste Großprojekt, den Hyperion-Campus in Louisiana, geht Meta einen genialen Deal ein: Ein Joint Venture mit dem Privatkredit-Riesen Blue Owl Capital.
Das Geniale dabei ist, dass rund 27 Milliarden US$ über eine Zweckgesellschaft finanziert werden. Bedeutet, dass Metas Schulden eleganterweise außerhalb der Konzern-Bilanz bleiben (Off-Balance-Sheet-Konstrukt).Blue Owl hält 80% des neuen Campus, Meta nur 20%. Später mietet Meta die fertige Anlage langfristig zurück.
Erst vor einer Woche dann die nächste Stufe im CapEx-Rennen: 13 Milliarden kanadische Dollar pumpt der Facebook-Konzern in ein Rechenzentrumscampus in Alberta, Kanada. Die Leistung des Campus kann auf bis zu 1,8 Gigawatt skaliert werden. Zur Verdeutlichung: Unter Volllast benötigt diese Anlage die Stromproduktion von fast zwei modernen Kernkraftwerken oder so viel Strom, wie eine europäische Großstadt wie Hamburg oder das gesamte Land Lettland verbraucht.
Die „Nebenwirkungen” der Investitionen
Für Amazon, Alphabet und Meta bedeutet das deutlich steigende Zinslast, höhere Abschreibungen auf die neuen Rechenzentren und spürbarer Druck auf den freien Cashflow. Gleichzeitig bleibt bei allen dreien die operative Kernprofitabilität hoch genug, um diese Last zu tragen.
Anders ist es bei Oracle, wo die Kombination aus kleinerer Eigenkapitalbasis und aggressivem Wachstum bereits das Rating gefährdet. Und genau da zeigt sich der entscheidende Unterschied: Nur Konzerne mit AA- oder besserem Rating können sich Kapital zu derart günstigen Konditionen über Jahrzehnte sichern. Wer wie Oracle oder CoreWeave tiefer im Rating steht, zahlt drastisch mehr oder muss auf teurere, restriktivere Projektfinanzierungen ausweichen.
Das KI-Rennen wird damit auch zu einem Bonitäts-Rennen und nur eine Handvoll Unternehmen weltweit hat die Bilanzstärke, um wirklich mitzuhalten. Auf diese Unternehmen sollte man setzen.
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Fazit
Die Anleihen und Fremdfinanzierungen selbst sind fast schon Nebensache, das eigentliche Signal ist die Bonität dahinter. Amazon, Alphabet und Meta gehören zu den wenigen Konzernen der Welt, die sich dieses Tempo überhaupt leisten können, ohne ihre Bilanz zu gefährden.
Das ist ein nennenswerter Vorteil gegenüber Wettbewerbern wie Oracle oder reinen KI-Infrastrukturfirmen wie CoreWeave, die für dasselbe Kapital drastisch mehr bezahlen müssen. Sie können nicht so schnell investieren wie sie gerne wollen würden und das bedeutet im Umkehrschluss, dass auch das Wachstum nicht mit dem der Hyperscaler mithalten kann.
Meiner Ansicht nach ist es fatal, nicht einen der drei Hyperscaler in seinem Depot zu haben.
In unserem Report „KI-Gewinner 2026“ findest Du passend zu den drei oben genannten Hyperscalern, weitere Kandidaten, die erfolgreich die KI-Welle reiten.