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AMD-Aktie: Warum der Rücksetzer die nächste Chance sein könnte

Nach Zahlen unter Druck
Nach dem kräftigen Rücksetzer Ende Juli hatte sich die AMD-Aktie zuletzt wieder nach oben gekämpft. Am Dienstagabend öffnete der US-Chipentwickler nun Bücher und gewährte Einblick in die Zahlen zum zweiten Quartal. Der Markt quittiert die Ergebnisse mit deutlichen Abschlägen. Vorbörslich verliert der Tech-Titel fast -9% und rutscht damit wieder unter die 500-US$-Marke. Sind die Zahlen wirklich so schlecht oder waren die Erwartungen einfach zu hoch?

Rekordquartal mit starkem KI-Wachstum

AMD hat im zweiten Quartal operativ auf ganzer Linie überzeugt. Der Umsatz sprang um 50% auf den Rekordwert von 11,54 Milliarden US$ und lag damit über den Analystenschätzungen von 11,32 Milliarden US$. Das bereinigte Ergebnis je Aktie kletterte von 0,54 auf 1,66 US$ und übertraf ebenfalls die Konsensprognosen, die bei 1,62 US$ lagen.

Der eigentliche Wachstumsmotor bleibt das Rechenzentrumsgeschäft. Dort schnellte der Umsatz um 107% auf 6,7 Milliarden US$ nach oben und macht inzwischen den größten Teil der Konzernerlöse aus. Die starke Nachfrage nach EPYC-Prozessoren und Instinct-KI-Beschleunigern zeigt, dass AMD im boomenden Markt für KI-Infrastruktur zunehmend Marktanteile gewinnt und sich als wichtigste Alternative zu Nvidia etabliert.

Auch die übrigen Sparten präsentierten sich solide. Das Client-Geschäft legte um 23% zu, Embedded wuchs um 19%. Lediglich das Gaming-Segment blieb mit einem Umsatzrückgang von 31% die Schwachstelle.

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Gute Zahlen – aber keine große Überraschung

Auch der Ausblick fiel auf den ersten Blick überzeugend aus. Für das dritte Quartal stellte AMD Erlöse von rund 13 Milliarden US$ in Aussicht und liegt damit über den bisherigen Analystenschätzungen von rund 12,5 Milliarden US$. Gleichzeitig erwartet das Management eine stabile Bruttomarge von etwa 56%.

Genau hier setzte jedoch die Enttäuschung des Marktes an. Viele Investoren hatten nach der starken Kursrallye auf deutlich höhere Margen und noch ambitioniertere Aussagen zum KI-Geschäft gehofft. Die operative Entwicklung war zwar hervorragend, blieb aber unter den inoffiziellen "Flüstererwartungen". Nach einem Kursanstieg von zeitweise fast +200% innerhalb eines Jahres genügte ein einfacher Beat schlicht und ergreifend nicht mehr.

Analysten trotz Rücksetzer weiter optimistisch

Die Reaktionen der Analysten fallen aber deutlich gelassener aus als die kurzfristige Marktreaktion. Die große Mehrheit der Wall Street hält an ihren Kaufempfehlungen fest. UBS zählt mit einem Kursziel von 730 US$ zu den größten Optimisten, auch Jefferies und Bernstein sehen mit 650 US$ erhebliches Aufwärtspotenzial. Das durchschnittliche Konsenskursziel bewegt sich derzeit je nach Datenanbieter zwischen 530 und 575 US$.

Fundamental bleibt die Aktie allerdings anspruchsvoll bewertet. Das für 2026 erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei rund 70 und damit deutlich über dem Branchendurchschnitt. Diese Wachstumsprämie spiegelt die hohen Erwartungen an das KI-Geschäft wider. Gleichzeitig wächst AMD jedoch deutlich schneller als viele Wettbewerber und gewinnt sowohl bei KI-Beschleunigern als auch bei Server-CPUs kontinuierlich Marktanteile. So könnte das KGV im kommenden Geschäftsjahr bereits auf 40 sinken.

Die größten Risiken bleiben der enorme Erwartungsdruck sowie die dominante Marktstellung von Nvidia. Schon kleine Enttäuschungen bei Margen oder Ausblick können kurzfristig heftige Kursreaktionen auslösen.

Chartbild bleibt konstruktiv

Charttechnisch hatte die Aktie zuletzt gemeinsam mit dem gesamten KI- und Technologiesektor deutlich korrigiert und in der vergangenen Woche bei 424,03 US$ ein Zweimonatstief markiert. Noch vor Erreichen der 100-Tage-Linie setzte jedoch eine dynamische Gegenbewegung ein. Am Dienstag gelang sogar der Sprung zurück über die 50-Tage-Linie.

Die Quartalszahlen sorgen allerdings wieder für Gewinnmitnahmen und einen Rückfall unter die Marke von 500 US$. Erste Unterstützung bietet nun der Bereich zwischen 460 und 470 US$. Darunter würden das Julitief sowie die 100-Tage-Linie bei 406,06 US$ zusammen mit der psychologisch wichtigen 400-US$ -Marke in den Fokus rücken.

Kann sich die Aktie dagegen zügig wieder oberhalb der 50-Tage-Linie etablieren, dürften zunächst das Rekordhoch bei knapp 585 US$ und anschließend die 600-US$ -Marke wieder in Reichweite kommen. Für eine noch detailliertere Chartanalyse, kannst Du hier weiterlesen.

ℹ️ Advanced Micro Devices in Kürze

  • Advanced Micro Devices (AMD) mit Hauptsitz in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien entwickelt und vertreibt Mikroprozessoren, Chipsätze und System-on-a-Chip-Lösungen.
  • Eine eigene Fabrikationsstätte hat das Unternehmen seit der Ausgründung der eigentlichen Halbleiterherstellung im Jahr 2009 in Globalfoundries nicht mehr.
  • AMD ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500 und hat eine Marktkapitalisierung von rund 790 Milliarden US$.

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Fazit

AMD hat erneut bewiesen, dass der Konzern zu den größten Gewinnern des KI-Booms zählt. Rekordumsätze, eine Verdopplung des Rechenzentrumsgeschäfts und ein starker Ausblick sprechen klar für die operative Stärke des Unternehmens. Dass die Aktie nach den Zahlen dennoch nachgibt, ist vor allem Ausdruck einer extrem hohen Erwartungshaltung – ein Muster, das AMD-Anleger inzwischen bestens kennen.

Rücksetzer nach Quartalszahlen haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder als attraktive Einstiegs- oder Nachkaufgelegenheiten erwiesen. Angesichts der intakten Wachstumsgeschichte, der positiven Analysteneinschätzungen und der starken Positionierung im KI-Markt spricht vieles dafür, dass sich dieses Szenario auch diesmal wiederholen könnte – wobei Anleger kurzfristig weiterhin mit erhöhter Volatilität rechnen sollten.

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