Schaeffler-Aktie: Jetzt ein Drohnenspezialist?
Kooperation mit Drohnenhersteller Delair
Am 19. Juni gab Schaeffler eine strategische Partnerschaft mit dem französischen Drohnenspezialisten Delair bekannt. Ziel der Zusammenarbeit ist die industrielle Skalierung bestehender Drohnensysteme.
Ab November sollen täglich bis zu 100 Drohnen produziert werden. Zunächst umfasst die Kooperation die Modelle Damoclès und Aspik. Die Produktion wird vorerst vollständig vom Beschaffungsamt DGA des französischen Verteidigungsministeriums abgenommen.
Langfristig soll die Zusammenarbeit jedoch deutlich ausgeweitet werden. Neben einer höheren Produktionskapazität könnten auch neue Drohnensysteme gemeinsam entwickelt werden.
Während Delair seine Expertise in der Entwicklung unbemannter Flugsysteme einbringt, übernimmt Schaeffler den industriellen Fertigungspart.
Delair-CEO Bastien Mancini erklärte:
Durch Bündelung unserer UAS-Expertise mit Schaefflers Fertigungsexzellenz und industrieller Kompetenz wollen wir unsere Produktionskapazitäten stärken und die Belieferung unserer Kunden mit modernsten Drohnensystemen beschleunigen.
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Diversifikation schreitet konsequent voran
Der Wandel der Automobilindustrie zwingt viele Zulieferer dazu, ihre Geschäftsmodelle neu auszurichten. Schaeffler hat diese Entwicklung frühzeitig erkannt und bereits mehrere strategische Schritte eingeleitet.
Ein wichtiger Meilenstein war die Übernahme von Vitesco, die das Geschäft im Bereich Elektromobilität stärkt.
Darüber hinaus baut der Konzern gezielt neue Geschäftsfelder auf. Das Verteidigungsgeschäft soll künftig eine bedeutende Rolle innerhalb der Konzernstruktur spielen. Zur Bündelung der Aktivitäten wurde bereits eine eigenständige Geschäftseinheit geschaffen.
Neben der Kooperation mit Delair arbeitet Schaeffler bereits mit dem deutschen Drohnenunternehmen Helsing zusammen. Auch hier liegt der Schwerpunkt auf der industriellen Fertigung und Skalierung von Drohnensystemen.
Zusätzlich engagiert sich das Unternehmen im Robotikmarkt. Gemeinsam mit Hexagon Robotics entwickelt Schaeffler Hardwarelösungen für humanoide Industrieroboter. Gleichzeitig plant der Konzern, entsprechende Systeme künftig verstärkt in den eigenen Produktionsstätten einzusetzen.
Auch im Bereich Raumfahrt werden neue Wachstumschancen geprüft. Ende Mai wurde eine mögliche Zusammenarbeit mit dem Satellitenspezialisten Spire Global bekanntgegeben. Ziel ist die Entwicklung von Subsystemen und Plattformkomponenten für Satelliten.
Die Vielzahl der Kooperationen zeigt deutlich, dass Schaeffler seine Abhängigkeit vom klassischen Automobilgeschäft schrittweise reduzieren möchte. Viele der neuen Geschäftsfelder – etwa Drohnen, Robotik und Raumfahrt – verfügen über deutlich höhere langfristige Wachstumsraten als die traditionelle Automobilindustrie.
Solider Jahresauftakt
Auch operativ verlief der Start ins Geschäftsjahr solide.
Im ersten Quartal sank der Umsatz zwar nominal um 2,7% auf 5,8 Milliarden €, währungsbereinigt wurde jedoch ein leichtes Wachstum erzielt.
Das operative EBIT verbesserte sich von 276 auf 285 Millionen €. Positiv wirkte sich insbesondere die geringere Verlustbelastung im Bereich E-Mobility aus. Die EBIT-Marge erhöhte sich dadurch von 4,7% auf 5,0%.
Die Jahresprognose wurde bestätigt. Schaeffler erwartet weiterhin einen Umsatz zwischen 22,5 und 24,5 Milliarden € sowie eine EBIT-Marge von 3,5 bis 5,5%.
Warum die Aktie trotzdem korrigiert
Trotz der zahlreichen positiven Meldungen konnte die Aktie ihre Aufwärtsbewegung zuletzt nicht fortsetzen.
Ein wesentlicher Grund dürfte sein, dass viele Zukunftsthemen bereits im Kurs eingepreist sind. Hinzu kommt, dass Rüstungs- und Drohnenwerte derzeit nicht mehr die Aufmerksamkeit der Anleger erhalten wie noch zu Jahresbeginn.
Davon betroffen sind auch andere Unternehmen aus dem Sektor. Selbst spezialisierte Drohnenunternehmen konnten zuletzt ihre Kursdynamik nicht aufrechterhalten.
Zudem bleibt das klassische Automobilgeschäft weiterhin von einer schwachen Nachfrage und hohem Wettbewerbsdruck geprägt.
ℹ️ Schaeffler in Kürze
- Die Schaeffler Gruppe ist ein weltweit führender Zulieferer der Automobil- und Industriebranche. Der Schwerpunkt dabei liegt bei Getriebe und Fahrwerk sowie Wälz- und Gleitlagerlösungen. Der Konzern befindet sich in einer Umbauphase hin zur Elektromobilität.
- Der Hauptsitz befindet sich in Herzogenaurach, daneben ist der Konzern weltweit aufgestellt.
- Die Übernahme und Verschmelzung der Vitesco AG wurde Ende September abgeschlossen.
- Das Unternehmen ist im SDAX gelistet und wird aktuell mit rund 8,5 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Die neuen Aktivitäten in den Bereichen Drohnen, Robotik, Raumfahrt und Verteidigung eröffnen langfristig interessante Wachstumsperspektiven.
Kurzfristig dürfte die Aktie jedoch weiter von der schwachen Stimmung im Automobilsektor und der derzeit verhaltenen Nachfrage nach Rüstungswerten beeinflusst werden.
Aus meiner Sicht sollten Anleger vorerst abwarten und die weitere Kursentwicklung beobachten.
Ergänzend sei erwähnt: Während Panzerproduktion boomt, deckt „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ zwei Unternehmen auf, die dank des Nachfrageschubs den entsprechenden Rohstoffe bald massiv profitieren werden.