SAP-Aktie: Droht jetzt der nächste Absturz?
Goldman Sachs senkt Kursziel
Die Sorgen in der Softwarebranche haben nach einer zwischenzeitlichen Erholung unlängst wieder zugenommen. Nun sorgt eine frische Einschätzung von Goldman Sachs für zusätzliche Unruhe.
Die US-Investmentbank hat ihr Kursziel für SAP von 271 auf 265 US$ reduziert. Zwar bleibt die Kaufempfehlung bestehen, doch die Begründung zeigt, wo derzeit die Sorgen des Marktes liegen.
Die Analysten rechnen in der zweiten Jahreshälfte mit höheren Hardwarekosten und haben deshalb ihre Margenschätzungen reduziert. An der grundsätzlichen Investmentthese halten sie fest: Das Cloud-Geschäft wächst weiterhin solide und auch die langfristigen Chancen im Bereich Künstliche Intelligenz werden nicht infrage gestellt.
Dennoch sendet die Kurszielsenkung ein ungünstiges Signal zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
Tipp: Bleibe mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter immer über die aktuellsten Börsen-Chancen informiert.
Oracle-Zahlen sorgen für Nervosität
Zusätzliche Unsicherheit kommt aus den USA. Die gesamte Softwarebranche blickt gespannt auf die Geschäftszahlen von Oracle. Der US-Konzern gilt als wichtiger Gradmesser für den Markt für Unternehmenssoftware und Cloud-Lösungen.
In den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Software-Aktien aufgrund möglicher KI-bedingter Umbrüche neu bewertet. Investoren fragen sich zunehmend, welche Unternehmen tatsächlich von der KI-Revolution profitieren und welche auf der Strecke bleiben.
Ein schwacher Ausblick von Oracle könnte daher den Druck auf den gesamten Sektor erhöhen und SAP als europäisches Schwergewicht besonders treffen.
Cloud-Migration bleibt die größte Baustelle
Fundamental läuft das operative Geschäft weiterhin ordentlich. Im ersten Quartal konnte SAP den Cloud-Umsatz deutlich steigern und den Cloud-Auftragsbestand weiter ausbauen.
Doch gleichzeitig zeigt sich immer stärker das zentrale Problem: Viele Kunden zögern weiterhin bei der Migration auf S/4HANA und moderne Cloud-Lösungen.
Budgetbeschränkungen, komplexe Integrationsprozesse und hohe Umstellungskosten bremsen zahlreiche Unternehmen aus. Dabei läuft die Zeit. Der Support für ältere SAP-Systeme endet Ende 2027, weshalb viele Kunden ihre Transformation eigentlich beschleunigen müssten.
Für SAP bedeutet das eine schwierige Balance. Das Potenzial ist enorm, doch die Umsatzrealisierung erfolgt langsamer, als es sich viele Investoren wünschen.
50-Tage-Linie wird zur Schicksalsmarke
Auch aus charttechnischer Sicht spitzt sich die Lage zu. Die Aktie hat einen Großteil ihrer Erholung von Mitte Mai bis Anfang Juni bereits wieder abgegeben und nähert sich erneut wichtigen Unterstützungszonen.
Besonders die 50-Tage-Linie (SMA50) steht dabei im Fokus. Sie verläuft aktuell knapp oberhalb des Kurses und muss aus Sicht der Bullen verteidigt werden. Gelingt hier keine schnelle Gegenbewegung, droht ein erneuter Test der Jahrestiefs.
Sollte diese Unterstützung fallen, könnte sich der übergeordnete Abwärtstrend weiter beschleunigen. Die nächsten relevanten Auffangzonen lägen dann deutlich tiefer.
Auf der Oberseite müssten die Käufer zunächst den Bereich um 160 € zurückerobern. Erst darüber würde sich das technische Bild wieder spürbar aufhellen.
Bewertung zunehmend attraktiv
Doch gleichzeitig wird die Bewertung zunehmend attraktiv. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für die kommenden zwölf Monate liegt inzwischen nur noch im Bereich von etwa 20 und damit deutlich unter den Bewertungsniveaus vieler internationaler Software- und KI-Werte.
Für langfristig orientierte Investoren könnte genau das interessant werden. SAP bleibt Marktführer in einem hochprofitablen Segment, verfügt über einen milliardenschweren Cloud-Auftragsbestand und besitzt durch seine starke Kundenbasis einen tiefen Burggraben.
Du begeisterst Dich für Tech-Investments? Dann höre heute Abend mal rein in unsere Expertengespräch zum Thema SpaceX-IPO.
ℹ️ SAP in Kürze
- Die SAP SE (WKN: 716460) gehört weltweit zu den größten Softwareunternehmen im Bereich der Unternehmenssteuerung. Für kleinere und mittelgroße Unternehmen bietet der Konzern Standardlösungen an, für größere Unternehmen gibt es individuelle Angebote.
- Der Hauptsitz des Konzerns ist im baden-württembergischen Walldorf, weltweit verfügt der IT-Konzern über zahlreiche Niederlassungen.
- Die Aktie des Unternehmens ist in den Leitindizes DAX und EuroStoxx 50 gelistet und wird an der Börse aktuell mit rund 180 Milliarden € bewertet.
Wenn Du SAP beobachtest, solltest Du Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung sichern. Im SD Insider Newsletter berichten wir regelmäßig über Entwicklungen bei diesem und ähnlichen Werten – kompakt und ohne Umwege.
Fazit
Die jüngste Kurszielsenkung von Goldman Sachs trifft auf einen ohnehin nervösen Markt. Höhere Infrastrukturkosten, Unsicherheit vor den Oracle-Zahlen und eine schleppende Cloud-Migration sorgen derzeit für Zurückhaltung.
Gleichzeitig ist die Bewertung nach dem massiven Rücksetzer attraktiver geworden und viele Belastungsfaktoren scheinen inzwischen eingepreist.
Aus charttechnischer Sicht ist jedoch Vorsicht geboten, da die Aktie nach der Zwischenerholung wieder stark unter Druck gerät. Kurzfristig könnte es daher weiter ungemütlich bleiben.