Richemont-Aktie: Warum sich „langweilig“ jetzt auszahlt

Schmuck-Boom
Polina Dmitrovskaya
Erneutes Tief im Halbleiter-Sektor vs. ein Allzeithoch im Luxussektor. Derzeit schauen Investoren zunehmend auf alternative Sektoren, die weniger von überhitzen Bewertungen betroffen sind. Die Luxus-Aktie Richemont kommt mit ihren frischen Quartalszahlen ganz gelegen. Schon wieder glänzt die Schweiz ganz ohne Rüstungs- und Halbleiter-Boom und vielleicht sollte man als Anleger hier genauer hinschauen. Gründe gibt es zur Genüge.

Langweilige Aktien sind die Besten

Was wie ein unspektakuläres Geschäft aussieht, könnte der Segen für Dein Depot sein. Mein Kollege Peter Karnitschnig hat im Januar diesen Jahres in seiner Analyse zu Richemont bereits ein klares Kaufvotum ausgesprochen. Wäre man dem nachgegangen, hätte man rund +14% Rendite gemacht und dazu noch ein paar Dividenden kassiert. Allein in den letzten drei Monaten ging es für den Luxuskonzern +26% im Kurs aufwärts, was einen klaren Aufwärtstrend signalisiert.

Q1 2027 Update

Der Umsatz stieg im ersten Quartal (April bis Juni) währungsbereinigt um satte 20% auf 6,3 Milliarden €. Analysten hatten im Schnitt nur mit ca. 11% Wachstum gerechnet.
Die absolute Paradedisziplin des Konzerns (die Schmucksparte Jewellery Maisons mit Cartier und Van Cleef & Arpels) wuchs im Vergleich zum Vorjahr um sagenhafte 24%. Das ist das siebte Quartal in Folge mit zweitstelligem Wachstum. Auch hier haben Analysten lediglich 13% erwartet. Auch das Uhrengeschäft (u. a. IWC, Panerai) legte um 8% zu und zeigte eine deutliche Erholung zum Vorquartal.

Besonders beeindruckend war, dass Richemont entgegen dem allgemeinen Trend einer China-Schwäche im Luxussektor in dieser Region ein Plus von 21% verzeichnete. In Japan sogar +36, dich gefolgt von Amerika mit +27% Zuwachs.

Diese operative Stärke honorierte die Börse mit einem Kursanstieg von +7%.

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Wie es weitergehen könnte

Richemont geht im Vergleich zu anderen Luxuskonzernen einen etwas anderen Weg. Der Verwaltungsratspräsident Johann Rupert hat das mehrfach auf Bilanzpressekonferenzen betont:

Wir sind bei der Preisfestsetzung fair.

Während Konkurrenten wie Chanel die Preise für klassische Handtaschen seit der Pandemie teilweise fast verdoppelt haben (was viele Kunden inzwischen als unverschämt empfinden), hat Richemont seine Preise nur moderat und zielgerichtet angepasst.

Spannend ist auch die Diskussion über den Goldpreisanstieg. Gold ist für die Richemonts Schmucksparte der wichtigste Rohstoff. Da der Goldpreis kräftig angestiegen ist, hat das Richemonts Produktionskosten in die Höhe getrieben. Das hat zeitweise die Bruttomarge des Konzerns etwas gedrückt, zahlt sich jetzt aber doppelt aus:

Wenn man eine Handtasche aus Leder für 10.000 € kauft, deren Materialwert bei einem Bruchteil liegt, fühlt sich das bei extremen Preiserhöhungen irgendwann nach Abzocke an.

Wenn man hingegen 10.000 € für ein goldenes Love-Armband von Cartier ausgibt, kauft man einen realen Sachwert mit ein.

Für mich sieht es danach aus, als wären steigende Kosten keine Hürde für weiteres Wachstum des Luxuskonzerns. Denn wer reich ist, ist es auch in Zeiten hoher Inflation oder Goldpreisanstiegen. Reiche werde immer kaufen, aber sich schlussendlich für das Cartier-Armband oder eine Uhr, statt einer Tasche entscheiden.

Gute Margen, guter Cashbestand

Richemont gehört zu den profitabelsten Luxuskonzernen der Welt, was vor allem an der extrem margenstarken Schmucksparte liegt. Die Operative Marge (EBIT-Marge) liegt nun schon seit drei Geschäftsjahren bei mindestens 20%.

Zudem sitzt der Schweizer auf einem gigantischen Nettocash-Polster von rund 9,1 Milliarden €. Das gibt dem Konzern enorme finanzielle Sicherheit und Spielraum, um die Uhrensparte weiter anzutreiben.

Luxus-Bewertung

Mit einem erwarteten KGV von 29 ist hier nicht mehr die Rede von einer günstigen Bewertung. Richemont wird an der Börse derzeit mit einem Aufschlag gehandelt, wenn auch günstiger als die Konkurrenz LVMH, Kering und Hermes.

Während LVMH und Kering stark vom zyklischen Modemarkt und Trends abhängen, besitzt Richemont mit Cartier und Van Cleef & Arpels zwei Marken, die zeitlos sind. Der Markt bewertet Schmuck im aktuellen Umfeld als deutlich widerstandsfähiger und wachstumsstärker einschätzt als Kleidung und Handtaschen.

ℹ️ Richemont in Kürze

  • Die Compagnie Financière Richemont (WKN: A1W5CV) ist ein Schweizer Luxusgüterkonzern, der vor allem in den Bereichen Schmuck und Uhren tätig ist.
  • Aber auch Designerbekleidung, Lederwaren und Modeaccessoires gehören zum Portfolio des im Kanton Genf beheimateten Konzerns.
  • Vor allem die Uhrenmarken von Richemont (A. Lange & Söhne, Baume & Mercier, IWC, Jaeger-LeCoultre, Minerva, Piaget und Vacheron Constantin) zählen zu den international exquisitesten und teuersten Konsumgütern der Welt.
  • Die Compagnie Financière Richemont ist Teil des Schweizer Leitindex SMI und an der Börse ca. 116 Milliarden CHF wert.

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Polina Dmitrovskaya

Fazit

Einige Analysten stufen die Aktie nach der Rally nun temporär als „fair bewertet” ein. Einige Analysten sehen sogar schwindendes Wachstum im Fiskaljahr 2028. Ich jedoch erkenne, auch ohne einen Dip und trotz Rally und Allzeithoch, einen Kaufkandidaten.

Man kann warten bis eine Korrektur einsetzt und die Aktie günstiger einkaufen. Man kann aber auch jetzt schon Renditen einsacken, da ich vorerst noch weiteres Kurspotenzial sehe, bevor eine Korrektur in den nächsten Jahren einsetzten könnte. Wenn diese Korrektur dann einsetzt, kann man nochmal günstiger nachkaufen.

Richemont ist einer von vielen Firmen, die Dividenden ausschütten und als krisenresistenter gelten. Weitere Werte findest Du in dieser Liste unserer 10 Dividendentitel.