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Rheinmetall-Aktie: Kann man hier ein Schnäppchen machen?

Weiter auf Talfahrt
Die Rheinmetall-Aktie steht weiter unter Druck und notiert inzwischen über -40% unterhalb des Hochs von Mitte Januar bei 1.966 €. Was sind die Gründe für die anhaltende Kursflaute und sollten Anleger diese zum Einstieg nutzen?

Das Marktumfeld trübt sich ein

Der jüngste Kursrutsch hat mehrere Ursachen. Zum einen haben führende Investmentbanken ihre Einschätzung für den europäischen Rüstungssektor zuletzt deutlich vorsichtiger formuliert. JPMorgan strich das bisherige "Outperform"-Rating für Rheinmetall und senkte das Kursziel auf 1.500 €. Auch Bernstein Research warnte vor einer möglichen längeren Schwächephase bei Rüstungswerten. Solche Neubewertungen großer Häuser führen häufig zu automatischen Umschichtungen institutioneller Investoren.

Hinzu kommt ein zunehmender Fokus auf die operative Umsetzung. Zwar profitiert Rheinmetall weiterhin von steigenden Verteidigungsbudgets und einem beispiellosen Auftragsboom, doch der Markt stellt inzwischen eine andere Frage: Wie schnell lassen sich die Milliardenaufträge tatsächlich in Umsatz und Gewinn verwandeln? Produktionskapazitäten müssen ausgebaut, Lieferketten gesichert und Projekte abgearbeitet werden. Gleichzeitig sorgen bürokratische Verzögerungen und Beschaffungsstaus auf Kundenseite immer wieder für Unsicherheit.

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Rekordauftrag verpufft an der Börse

Wie wenig neue Aufträge derzeit beeindrucken, zeigt der jüngste Milliarden-Deal mit Rumänien. Das Auftragspaket im Volumen von 5,7 Milliarden € umfasst knapp 300 Lynx-Schützenpanzer, Luftverteidigungssysteme sowie weitere militärische Ausrüstung und ist der größte internationale Auftrag der Unternehmensgeschichte.

An der Börse verpuffte die Nachricht jedoch nahezu wirkungslos. Der Grund: Große Teile der Auslieferungen sollen erst zwischen 2028 und 2030 erfolgen. Investoren honorieren daher nicht mehr die bloße Auftragshöhe, sondern verlangen konkrete Fortschritte bei Produktion, Umsatz und Margen.

Sell the Facts nach den Quartalszahlen

Belastend wirkte zudem die Reaktion auf die Anfang Mai vorgelegten Quartalszahlen. Zwar stieg der Umsatz im ersten Quartal um 8% auf knapp 1,94 Milliarden €, die extrem hohen Erwartungen vieler Anleger wurden jedoch nicht vollständig erfüllt. Die Folge war ein klassischer "Sell-the-Facts"-Effekt: Gute Zahlen, aber keine neuen positiven Überraschungen.

Zusätzlich fließt derzeit Kapital teilweise aus europäischen Rüstungswerten ab. Einige Investoren bevorzugen inzwischen US-Konzerne wie Lockheed Martin, die zuletzt von neuen Großaufträgen profitierten. Gleichzeitig wird der deutsche Verteidigungsmarkt breiter aufgestellt, wodurch Rheinmetalls Sonderrolle etwas an Exklusivität verliert.

Papperger setzt ein Zeichen

Ein bemerkenswertes Signal kam zuletzt von CEO Armin Papperger. Er kaufte Aktien im Wert von rund 5 Millionen € zu Kursen um 1.250 € und unterstrich damit sein Vertrauen in die langfristigen Perspektiven des Konzerns.

Fundamental spricht weiterhin vieles für Rheinmetall. Die geopolitischen Spannungen bleiben hoch, europäische Verteidigungsprogramme wie SAFE sorgen für langfristige Planungssicherheit und die Auftragsbücher sind auf Jahre hinaus gefüllt.

Charttechnik bleibt angespannt

Kurzfristig dominiert jedoch das schwache Chartbild. Seit dem Hoch bei knapp 2.000 € Mitte Januar befindet sich die Aktie in einem klaren Abwärtstrend. Mit dem Bruch mehrerer wichtiger Unterstützungen haben sich die Verkaufssignale zuletzt verstärkt.

Nun rückt die Unterstützungszone um 1.100 € erneut in den Fokus. Dort konnte sich die Aktie bereits im Mai stabilisieren. Fällt dieser Bereich nachhaltig, dürfte die psychologisch wichtige Marke von 1.000 € schnell in den Mittelpunkt rücken. Darunter wäre sogar ein Rücksetzer bis zum markanten Zoll-Tief vom April 2025 bei 933 € denkbar. Eine ausführliche Chartanalyse findest Du hier.

Relevant in diesem Kontext: Während sich Militärhaushalte weltweit verdoppeln, analysiert unser Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ einen unterbewerteten Rohstoff, der für Hochpräzisionswaffen unverzichtbar ist – und den passenden Aktientipp.

ℹ️ Rheinmetall in Kürze

  • Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
  • Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
  • Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
  • Rheinmetall ist Mitglied in den Leitindizes DAX und EuroStoxx 50. Der Börsenwert liegt aktuell bei rund 55 Milliarden €.

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Fazit

Der Kursverfall von Rheinmetall ist weniger eine Folge schlechter Geschäfte als vielmehr das Ergebnis eines Stimmungswandels. Nach der spektakulären Rallye der vergangenen Jahre verlangen Investoren nun konkrete Nachweise, dass die gewaltigen Auftragsbestände tatsächlich zügig in Umsatz, Gewinn und Cashflow umgewandelt werden können.

Die langfristige Investmentstory bleibt dabei intakt. Viele Analysten sehen die Aktie inzwischen sogar deutlich unter ihrem fairen Wert; das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 1.890 € und damit weit über dem aktuellen Niveau. Kurzfristig dürfte jedoch das Chartbild die Richtung vorgeben – und das spricht derzeit nicht für eine schnelle Trendwende.