CoreWeave-Aktie fährt Achterbahn: Wie lange noch?
Trotz des starken Kursanstiegs zählt CoreWeave im Vergleich zu vielen Wettbewerbern weiterhin zu den günstig bewerteten Unternehmen im Rechenzentrumssektor. Das erwartete Kurs-Umsatz-Verhältnis pendelt derzeit zwischen 4 und 5 und liegt damit nur moderat über dem Branchendurchschnitt von 3,6. Angesichts des deutlich höheren Wachstumstempos erscheint dieser Bewertungsaufschlag vergleichsweise gering.
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Rechenzentrumsmarkt vor Phase massiver Expansion
Die Wachstumsaussichten für die Branche bleiben beeindruckend. Der globale Markt für Rechenzentren wird im Jahr 2026 auf rund 300 Milliarden US-Dollar geschätzt. Bis 2034 könnte das Marktvolumen auf etwa 700 Milliarden US-Dollar anwachsen, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund elf Prozent entspricht.
Diese Prognosen könnten sich sogar als vorsichtig erweisen. Die großen Technologiekonzerne investieren bereits heute enorme Summen in den Ausbau ihrer Infrastruktur. Allein die sogenannten Magnificent Seven dürften im Jahr 2026 zusammen rund 700 Milliarden US-Dollar an Investitionsausgaben tätigen. Sollten diese Investitionen erfolgreich in Umsatz- und Gewinnwachstum umgewandelt werden, könnte sich dieser Trend auf weitere Unternehmen ausweiten.
Zusätzlichen Rückenwind liefert der weltweite Markt für Künstliche Intelligenz. Dieser soll von rund 390 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf etwa 3,5 Billionen US-Dollar bis 2033 wachsen. Das entspräche einer jährlichen Wachstumsrate von nahezu 31 Prozent und würde die Nachfrage nach leistungsfähiger Recheninfrastruktur weiter antreiben.
Umsatzdynamik bleibt entscheidende Faktor
CoreWeave überzeugt vor allem durch seine außergewöhnliche Umsatzentwicklung. Seit dem Börsengang konnte das Unternehmen jede Umsatzprognose erfüllen oder übertreffen. Schwankungen bei der Profitabilität sorgen zwar regelmäßig für Diskussionen, werden derzeit jedoch eher als Begleiterscheinung der aggressiven Expansion interpretiert.
Im ersten Quartal 2026 erzielte CoreWeave einen Umsatz von rund 2,08 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht dies einem Wachstum von 112 Prozent. Im Vergleich zum unmittelbar vorherigen Quartal lag das Plus bei mehr als 30 Prozent.
Besonders bemerkenswert ist der Auftragsbestand des Unternehmens. Dieser beläuft sich inzwischen auf nahezu 100 Milliarden US-Dollar und liegt damit 284 Prozent über dem Vorjahresniveau. Der Umfang dieser Verträge unterstreicht die starke Nachfrage nach den angebotenen Dienstleistungen und verschafft dem Unternehmen eine hohe Visibilität für die kommenden Jahre.
Entscheidend wird nun sein, diesen Auftragsbestand erfolgreich in tatsächliche Umsätze umzuwandeln. Die Fähigkeit des Managements, die vereinbarten Projekte termingerecht umzusetzen und die Kapazitäten schnell genug auszubauen, dürfte maßgeblich über die weitere Kursentwicklung entscheiden.
Profitabilität leidet unter rasantem Ausbau
Weniger überzeugend präsentierte sich zuletzt die Entwicklung der operativen Marge. Das bereinigte operative Ergebnis ging zurück, während die entsprechende Marge lediglich bei rund einem Prozent lag.
Die schwache Profitabilität ist jedoch eng mit den hohen Investitionen verbunden. CoreWeave erhöhte seine Investitionsausgaben im Jahresvergleich von 1,9 Milliarden auf 6,8 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen investiert damit massiv in zusätzliche Kapazitäten, um die stark steigende Nachfrage bedienen zu können.
Der Wettbewerb im Rechenzentrumsmarkt wird zunehmend von der Geschwindigkeit des Ausbaus bestimmt. Unternehmen, die ihre Infrastruktur am schnellsten skalieren können, sichern sich langfristige Verträge und stärken ihre Marktposition. Genau deshalb steht die Umsetzung der Wachstumsstrategie derzeit deutlich stärker im Vordergrund als kurzfristige Margenziele.
Bewertung erscheint im Branchenvergleich attraktiv
Gemessen am erwarteten Umsatzwachstum wirkt die aktuelle Bewertung weiterhin moderat. Während CoreWeave mit einem erwarteten Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 4,8 bewertet wird, liegen vergleichbare Unternehmen teilweise deutlich höher.
Besonders auffällig ist dabei die enorme Wachstumsdynamik. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate stieg der Umsatz um rund 130 Prozent. Der Branchendurchschnitt liegt dagegen bei lediglich etwa elf Prozent.
Auch beim erwarteten Unternehmenswert im Verhältnis zum operativen Gewinn notiert CoreWeave mit einem Abschlag gegenüber vergleichbaren Unternehmen. Sollte das Unternehmen seinen Auftragsbestand erfolgreich in Umsätze umwandeln und die Profitabilität schrittweise verbessern, könnte dies zusätzliche Spielräume für eine höhere Bewertung eröffnen.
Hohe Verschuldung bleibt unter Beobachtung
Ein kritischer Aspekt bleibt die Kapitalstruktur. CoreWeave weist Verpflichtungen von rund 35 Milliarden US-Dollar aus. Zwar verfügt das Unternehmen über liquide Mittel von etwas mehr als zwei Milliarden US-Dollar, dennoch bleibt die Verschuldung auf einem hohen Niveau.
Zusätzlich belasteten in den vergangenen zwölf Monaten Zinsaufwendungen von rund 1,5 Milliarden US-Dollar die Ergebnisse. Sollten die Zinsen in den kommenden Quartalen sinken, könnte dies allerdings die Möglichkeit eröffnen, bestehende Verbindlichkeiten zu günstigeren Konditionen zu refinanzieren und die Finanzierungskosten zu reduzieren.
Positiv wirkt sich die Unterstützung durch Nvidia aus. Die Beteiligung des KI-Chipriesen stärkt das Vertrauen vieler Investoren und erhöht die Wahrscheinlichkeit weiterer langfristiger Kooperationen zwischen beiden Unternehmen.
Darüber hinaus verfügt CoreWeave über eine Bruttomarge von rund 69 Prozent und liegt damit deutlich über dem Branchendurchschnitt von etwa 50 Prozent. Dies deutet auf eine starke Marktposition und erhebliche Preissetzungsmacht hin.
Welche Faktoren die Investmentstory gefährden könnten
Trotz der positiven Perspektiven existieren mehrere Unsicherheiten. Der gesamte KI-Sektor profitiert derzeit von einer außergewöhnlich optimistischen Marktstimmung. Sollte sich zeigen, dass die milliardenschweren Investitionen vieler Unternehmen nicht in entsprechend hohe Umsätze und Gewinne münden, könnte sich die Stimmung rasch eintrüben.
Auch das erwartete Wachstum des Rechenzentrumsmarktes ist nicht garantiert. Eine Verlangsamung der Nachfrage oder sinkende Investitionsbudgets könnten die Expansion der Branche bremsen und die Bewertungen unter Druck setzen.
Hinzu kommt die operative Herausforderung, den gewaltigen Auftragsbestand tatsächlich umzusetzen. Verzögerungen oder Schwierigkeiten beim Ausbau der Infrastruktur könnten die Erwartungen der Investoren enttäuschen.
Ebenso wird die Entwicklung der Margen genau beobachtet werden. Während die aktuelle Schwäche noch durch die starke Expansion erklärbar erscheint, dürfte der Kapitalmarkt mittelfristig sichtbare Fortschritte bei der Profitabilität verlangen.
Schließlich können geopolitische Entwicklungen und Schwankungen an den Finanzmärkten jederzeit für erhöhte Unsicherheit sorgen.
Langfristige Wachstumsperspektiven bleiben überzeugend
Trotz der genannten Herausforderungen bleibt die langfristige Investmentthese intakt. CoreWeave profitiert von mehreren strukturellen Wachstumstreibern gleichzeitig: dem Boom der Künstlichen Intelligenz, dem Ausbau globaler Rechenzentrumskapazitäten und einem außergewöhnlich hohen Auftragsbestand.
Gelingt es dem Unternehmen, seine Infrastruktur erfolgreich auszubauen und die bestehenden Verträge in Umsätze umzuwandeln, dürfte CoreWeave auch in den kommenden Jahren zu den wachstumsstärksten Unternehmen des Sektors zählen. Viele Analysten sehen daher weiterhin deutliches Kurspotenzial für die Aktie.
ℹ️ CoreWeave in Kürze
- CoreWeave (WKN: A413X6) mit Sitz in Livingstone im US-Bundesstaat New Jersey ist ein 2017 gegründetes KI-Cloud-Computing-Startup.
- Das Unternehmen baut und betreibt Hochleistungsrechenzentren mit einer Cloud-basierten GPU-Infrastruktur.
- Die Kunden von CoreWeave sind im Wesentlichen die Entwickler von KI-Anwendungen, darunter Alphabet, Meta Platforms, Microsoft und OpenAI.
- CoreWeave gab im März 2025 sein Debüt an der US-Technologiebörse Nasdaq. Das Tech-Unternehmen ist ca. 55 Milliarden US$ wert.
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Fazit
CoreWeave verbindet außergewöhnliches Umsatzwachstum mit einer starken Position im boomenden KI- und Rechenzentrumsmarkt. Entscheidend wird sein, ob das Unternehmen seinen enormen Auftragsbestand effizient in Umsätze und künftig auch in steigende Gewinne umwandeln kann. Dann wäre die Aktie um 100 US-Dollar aktuell ein glasklarer Kauf.
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