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Redcare Pharmacy-Aktie: Kursfeuerwerk und MDAX-Rauswurf

Neues Signal aus der Politik
Polina Dmitrovskaya
Redcare Pharmacy – seit Monaten Prügelknabe der Shortseller, schoss gestern plötzlich um über +9% nach oben. Am Abend dann aber die schlechte Nachricht: Redcare muss den MDAX verlassen. Zwei völlig gegenläufige Impulse, doch was bedeutet dieses Tauziehen für die Aktie, und wer steht als potenzieller Nachfolger für den MDAX bereit?

Das Kabinett liefert

Das Bundeskabinett hat eine Honorarerhöhung für Apotheken beschlossen, die Redcare als führenden europäischen Online-Arzneimittelversender direkt begünstigt. Konkret: Das Fixum je verschreibungspflichtiger Packung steigt bereits ab Juli 2026 von bisher 8,35 € auf 9 € und soll bis zum Jahreswechsel auf 9,50 € klettern, was exakt dem im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD vereinbarten Niveau entspricht. Für die gesetzlichen Krankenkassen entstehen dadurch unangebracht hohe Mehrkosten von rund 875 Millionen € pro Jahr.

Doch Redcare kann sich freuen: Jedes abgewickelte E-Rezept bringt künftig spürbar mehr in die Kasse. Bei einem Unternehmen, das seinen Umsatz zuletzt primär über schiere Volumenmengen aufgebaut hat, ist eine Vergütungserhöhung von über 13% je Packung kein Kleingeld. Es ist ein direkter Hebel auf die operative Marge im Rx-Segment (verschreibungspflichtiges Medikamentengeschäft), dem zentralen Wachstumstreiber der nächsten Jahre.

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Ein Titel mit Narben und neuem Aufwind

Man muss ehrlich sein: Redcare hat seine Anleger in den vergangenen Monaten arg strapaziert. Das 52-Wochenhoch lag bei 118 € – derzeit notiert die Aktie rund -62% darunter. Der Ausblick für 2026, den das Management Anfang des Jahres präsentierte, fiel deutlich schwächer als von Analysten erwartet aus, und das Papier wurde daraufhin rigoros abverkauft. Die Leerverkäufer haben sich zudem eingenistet: Das Short-Interest beläuft sich auf knapp 10% des Streubesitzes, weit über dem 12-Monats-Durchschnitt von gut 6%.

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Indexabstieg im Anmarsch?

Nicht alles ist aber rosig. Ausgerechnet heute veröffentlicht die Deutsche Börse das Ergebnis ihrer planmäßigen Quartalsüberprüfung der DAX-Familie. Und der Beschluss: Süss Microtec wird aus dem SDAX aufsteigen und Redcare Pharmacy im MDAX ersetzen. Diese Änderung würde am 22. Juni in Kraft treten.

Der kritische Moment für die Aktie ist das sogenannte Rebalancing am direkt vorhergehenden Freitagabend (19. Juni 2026) zum Handelsende, da hier alle MDAX-ETFs ihre Redcare-Aktien auf den Markt werfen. Die SDAX-ETFs, die parallel die Aktie einkaufen, können die Volumina aus dem MDAX-Abverkauf aber nicht auffangen. Dadurch wird der Kurs vermutlich sinken. Die Börse reagiert auf diese Verkündung heute nur mit einem leichten Kursrutsch von rund -1%.

ℹ️ Redcare Pharmacy in Kürze

  • Redcare Pharmacy (ehemals Shop Apotheke Europe) (WKN: A2AR94) ist eine Online-Versandapothekengruppe mit Hauptsitz im niederländischen Sevenum und Standorten in mehreren europäischen Ländern.
  • Das Sortiment reicht von freiverkäuflichen Arzneimitteln über verschreibungspflichtige Medikamente bis zu Nahrungsergänzungsmitteln sowie Kosmetik- und Gesundheitsprodukten.
  • Redcare Pharmacy ist ab dem 22. Juni kein Mitglied im deutschen Nebenwerteindex MDAX mehr, sondern steigt mit einem Börsenwert von rund 1,04 Milliarden € in den SDAX ab.

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Polina Dmitrovskaya

Fazit

Die fundamentale Story rund um das angehobene Apothekenhonorar ist zweifellos positiv und stärkt die langfristige Ertragskraft von Redcare Pharmacy spürbar. Allerdings droht durch die MDAX-Degradierung in den kommenden Wochen ein rein technischer, aber schmerzhafter Verkaufsdruck durch institutionelle Investoren. Ich würde keinen weiteren Kauf empfehlen, sondern vorerst das Rebalancing am 22. Juni abwarten. Die mehr oder minder starke Kurskorrektur könnte dann womöglich einen vorteilhaften Einstiegszeitpunkt bieten.