POET Technologies-Aktie -47%: Aus der Traum?
Es ist ein Schock, der aus dem Nichts kam. Nachdem sich der Kurs der POET Technologies-Aktie innerhalb weniger Tage verdoppelte, halbierte er sich am gestrigen Montag nahezu. Und der Kurskollaps setzt sich auch am Dienstagmorgen im europäischen Handel mit einem zweistelligen Minus fort. Ist der Traum des nächsten KI-Superstars geplatzt und was sollten Anleger jetzt tun?
Der Auslöser des Flash Crashs
Der Flash-Crash der POET Technologies-Aktie ist auf den Verlust eines möglicherweise existenzkritischen Auftrags zurückzuführen. Erst vor wenigen Tagen sorgte POET mit der Bestätigung einer Partnerschaft mit dem Chipkonzern Marvell Technologies für Aufsehen. Die neue Marvell-Tochtergesellschaft Celestial AI platzierte laut Aussagen von POET-CFO Tom Mika einen bedeutenden Auftrag für optische Interconnect-Technologie.
Für POET Technologies war dies ein Ritterschlag. Anleger werteten das nicht nur als großen Vertrauensbeweis für die neuartige Technologie, sondern spekulierten auch darüber, dass das Unternehmen aufgrund der engen Partnerschaft von Marvell mit Nvidia damit Einstieg in die nächste Generation von Nvidia-KI-Chips schaffen würde.
Doch plötzlich ist alles nur noch Schall und Rauch. Am Montagnachmittag wurde bekannt, dass Marvell Technology sämtliche Kaufaufträge bei POET Technologies mit sofortiger Wirkung storniert hat. Marvell wirft POET vor, gegen Vertraulichkeitsvereinbarungen verstoßen zu haben. Konkret geht es darum, dass Mitglieder des POET-Managements (darunter CFO Tom Mika) Details über den Auftrag und die Zusammenarbeit in Interviews und sozialen Medien öffentlich gemacht haben sollen, ohne dass dies autorisiert war.
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Ein juristisches Nachspiel
Besonders pikant ist der zeitliche Ablauf, der unter Anlegern für Empörung sorgt. Die schriftliche Kündigung durch Marvell ging bereits am Donnerstag, den 23. April, bei POET ein.
Das Unternehmen kommunizierte dies jedoch erst am Montagnachmittag, nachdem die Aktie am Freitag und Montagmorgen noch massiv aufgrund der (nun hinfälligen) Marvell-Spekulationen gestiegen war. Kritiker werfen dem Management vor, die schlechte Nachricht absichtlich zurückgehalten zu haben, während der Kurs künstlich befeuert wurde.
Dieses Vorgehen wird nun ein juristisches Nachspiel haben. Unmittelbar nach dem Kurssturz haben mehrere US-Anwaltskanzleien Ermittlungen gegen POET Technologies eingeleitet. Es steht der Verdacht des Wertpapierbetrugs und irreführender Angaben gegenüber Investoren im Raum.
Wie gewonnen, so zerronnen
Das Chartbild der POET Technologies-Aktie ist ein klassischer Fall von „wie gewonnen, so zerronnen“. Die Kursverdoppelung der letzten Handelswoche hat sich innerhalb von anderthalb Handelstagen in Luft aufgelöst.
Charttechnisch ist die weitere Kursentwicklung aufgrund der brisanten Situation sehr schwer einzuschätzen. Ich gehe davon aus, dass die POET-Aktie noch nicht ganz ihren Boden gefunden hat.
Ist alles Porzellan zerbrochen?
POET Technology steht nun vor dem Trümmerhaufen seiner Investmentstory. Das Management des Tech-Unternehmens versuchte den Markt noch mit der Aussage zu beruhigen, dass andere Projekte weiterhin Bestand haben — aber vergeblich.
Die Euphorie der letzten Tage ist in Panik umgeschlagen. Der Verlust des Halbleiterschwergewichts Marvell Technology wiegt schwer. Vor allem, weil er mit der Verletzung der Vertraulichkeit durch das POET-Management zu tun hat. In einer Branche, in der Vertraulichkeit ein sehr hohes Gut ist, ist das eine katastrophale Nachricht.
Nicht nur das Vertrauen in das Unternehmen selbst ist nun schwer ramponiert, sondern auch das Vertrauen in das Management. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Angelegenheit personelle Konsequenzen nach sich ziehen wird.
Eine sehr spannende spekulative Chance
Und trotzdem sehe ich in der POET Technologies-Aktie nach dem gewaltigen Kurseinbruch eine sehr spannende spekulative Kaufchance. Der Großauftrag von Marvell beweist, dass die Technologie von POET einen Mehrwert hat. Auch die Umsatzprognosen für das laufende und das kommende Jahr deuten darauf hin, dass die Optical Interpose-Plattform des Unternehmens auf sehr großes Interesse in der Halbleiterbranche stößt.
Die Verletzung einer Vertraulichkeitserklärung ist eine ernste Sache, aber sie ändert meiner Überzeugung nach nichts am technologischen Mehrwert der POET-Produkte. Das Unternehmen wird seine Lektion gelernt haben. Ich glaube deshalb nicht, dass die Angelegenheit das Image von POET Technologies dermaßen zerstört hat, dass andere Kunden keine Geschäftsbeziehung mehr eingehen wollen.
Ich rate Anlegern, die Kursentwicklung der POET Technologies dieser Tage genau zu beobachten. Sobald sich eine Bodenbildung abzeichnet, eröffnete sich meiner Meinung nach eine sehr interessante Einstiegsgelegenheit für spekulativ eingestellte Anleger.
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ℹ️ POET Technologies in Kürze
- POET Technologies mit aktuellem Sitz in Toronto ist ein Technologieunternehmen and der Schnittstelle von Elektronik und Lichtwellenleitertechnik (Photonik).
- Das Unternehmen entwickelt Lösungen, um den massiven Energieverbrauch und die Geschwindigkeitsbegrenzungen moderner KI-Rechenzentren zu überwinden.
- Das Herzstück des Tech-Unternehmens ist der POET Optical Interpose — eine Plattform, die es ermöglicht, elektronische Komponenten (wie Mikrochips) und optische Komponenten (wie Laser) auf einem einzigen Chip zu vereinen.
- Statt Daten mühsam und energieintensiv über Kupferkabel oder komplexe externe optische Module zu schicken, ermöglicht POET die Kommunikation mit Licht direkt auf der Chipebene.
- POET Technologies notiert an der Technologiebörse Nasdaq und ist ca. 1,20 Milliarden US$ wert.