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Oracle-Aktie -9%: Der Preis des KI-Booms – warum die Börse trotz Rekordzahlen verkauft

Starke Zahlen, schwache Kursreaktion
Eine Erholung von Mitte April bis Anfang Juni verhalf der Oracle-Aktie zu einem Kursanstieg von über +80%, doch in den letzten Tagen bröckelten die Gewinne wieder ab. Nun hat das US-Technologieunternehmen seine aktuellen Quartalszahlen vorgelegt, die vorbörslich zu einem weiteren Kursrückgang von mehr als -9% führen. Warum reagiert die Börse so zerknirscht und wie sollten sich Anleger nun verhalten?

KI-Geschäft mit nächstem Wachstumsschub

Oracle profitiert weiterhin massiv von der weltweiten Investitionswelle in Künstliche Intelligenz. Der Konzern steigerte seinen Quartalsumsatz um 21% auf 19,18 Milliarden US$ – leicht über den Markterwartungen von 19,1 Milliarden US$. Etwas deutlicher fiel die Entwicklung beim Gewinn aus: Das bereinigte Ergebnis je Aktie kletterte auf 2,11 US$ – Analysten hatten 1,96 US$ erwartet.

Besonders beeindruckend entwickelte sich erneut das Cloud-Infrastrukturgeschäft (OCI), das die Grundlage für KI-Anwendungen und Rechenzentren bildet. Die Erlöse in diesem Segment schossen um 93% auf 5,8 Milliarden US$ nach oben. Zusammengenommen legten die Umsätze aus Cloud-Infrastruktur und Software-Abonnements um 48% auf knapp 10 Milliarden US$ zu.

Ein weiteres Ausrufezeichen setzte Oracle beim Auftragsbestand. Die sogenannten Remaining Performance Obligations (RPO), die zukünftige vertraglich zugesicherte Umsätze widerspiegeln, explodierten auf 638 Milliarden US$. Vor einem Jahr hatte dieser Wert noch bei 138 Milliarden US$ gelegen. Damit verfügt Oracle über eine der größten Wachstumspipelines der gesamten Softwarebranche.

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Warum die Aktie trotzdem abstürzt

Trotz der starken Zahlen überwiegt an der Börse die Skepsis. Im nachbörslichen Handel verlor die Aktie zeitweise rund -10%, am Donnerstag geht es vorbörslich um -9% nach unten.

Der Hauptgrund liegt nicht im operativen Geschäft, sondern in den gewaltigen Investitionen, die notwendig sind, um die Nachfrage überhaupt bedienen zu können. Oracle gab allein im vergangenen Geschäftsjahr rund 55,7 Milliarden US$ für Investitionen aus – deutlich mehr als ursprünglich geplant. Für das laufende Geschäftsjahr sollen die Investitionen sogar auf bis zu 95 Milliarden US$ steigen.

Die Folge: Der Free Cashflow rutschte tief ins Minus. Trotz eines operativen Cashflows von 32 Milliarden US$ blieb nach den Investitionen ein negativer Free Cashflow von rund 23,7 US$ Dollar übrig.

Um den Ausbau der KI-Infrastruktur zu finanzieren, plant Oracle im Geschäftsjahr 2027 die Aufnahme von rund 40 Milliarden US$ über Fremd- und Eigenkapital. Bereits angekündigt wurde eine Aktienplatzierung über 20 Milliarden US$. Die daraus resultierende Verwässerung sowie die steigende Verschuldung sorgen bei Investoren für Unbehagen.

Ausblick: Wachstum bleibt gewaltig

Für das laufende erste Quartal stellte Oracle ein Umsatzwachstum von 27 bis 29% in Aussicht. Das Cloud-Geschäft soll sogar um 58 bis 64% zulegen. Für das gesamte Geschäftsjahr 2027 hält das Management an seinem Umsatzziel von 90 Milliarden US$ fest und erhöhte gleichzeitig die Prognose für das bereinigte Ergebnis je Aktie auf 8,05 US$.

Gleichzeitig warnte Finanzchefin Safra Catz, dass die Margen kurzfristig unter Druck geraten könnten. Neue Rechenzentren benötigen zunächst hohe Vorleistungen, bevor sie ihren vollen Ergebnisbeitrag leisten können.

Analysten sehen Licht und Schatten

Die Reaktionen der Analysten fielen entsprechend differenziert aus.

Die Experten von Vital Knowledge bezeichneten das Quartal als solide bis stark, verwiesen jedoch auf die bevorstehenden hohen Mittelabflüsse. Der Aufbau zusätzlicher Rechenzentrumskapazitäten werde weiterhin erhebliche Finanzmittel verschlingen und die Bilanz belasten.

Positiver äußerten sich die Analysten von JPMorgan. Die US-Bank hob insbesondere die Beschleunigung des Cloud-Wachstums sowie der rekordhohe Auftragsbestand hervor. Auch das Geschäft außerhalb der KI-Infrastruktur entwickle sich weiterhin robust.

Etwas zurückhaltender zeigte sich dagegen Jefferies. Zwar sei der enorme Auftragsbestand beeindruckend, doch die Umsetzung dieser Verträge in tatsächliche Umsätze verlaufe bislang langsamer als von vielen Investoren erhofft. Zudem habe Oracle die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2027 lediglich bestätigt, anstatt sie trotz der prall gefüllten Auftragsbücher anzuheben.

Die Kursziele liegen mit 256 US$ im Schnitt knapp +30% über dem aktuellen Niveau.

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ℹ️ Oracle in Kürze

  • Oracle (WKN: 871460) ist ein US-Soft- und Hardwarekonzern mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas.
  • Bekannt ist der Konzern vor allem als Betreiber eines Datenbanksystems. Darüber hinaus bietet Oracle seinen Kunden Cloud-Infrastruktur und zahlreiche Anwendungen an.
  • Gegründet im Jahre 1977 und mit einem Jahresumsatz von 50 Milliarden US$ zählt Oracle zu den ältesten und größten Tech-Konzernen weltweit.
  • Oracle ist Mitglied im US-Leitindex S&P 500 und ca. 579 Milliarden US$ wert.

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Fazit

Die jüngsten Quartalszahlen zeigen eindrucksvoll, dass Oracle zu den großen Gewinnern des globalen KI-Booms zählt. Das Cloud-Geschäft wächst rasant, der Auftragsbestand erreicht historische Höchststände und die Nachfrage nach Rechenzentrumskapazitäten scheint ungebrochen.

Doch die Börse blickt inzwischen einen Schritt weiter. Nicht mehr die Nachfrage steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie teuer dieses Wachstum erkauft wird. Die kommenden Quartale werden zeigen müssen, ob Oracle die gigantischen Investitionen tatsächlich in steigende Cashflows und nachhaltige Gewinne umwandeln kann.

Für Anleger bleibt Oracle damit eine der spannendsten KI-Wetten am Markt, allerdings auch eine der kapitalintensivsten. Und für mich persönlich stellt genau dieser Punkt eine rote Flagge dar, weshalb ich mich nicht zu einer Kaufempfehlung durchringen kann.