Novartis-Aktie: Unangenehme Zeiten brechen heran
Die Novartis-Aktie setzt am Dienstagvormittag ihren Abwärtstrend der letzten Wochen mit einem Kursverlust von über -2% fort und fällt damit fast auf ein neues Jahreshoch. Was drückt auf den Kurs des Schweizer Pharmariesen und können Anleger hier nun ein Schnäppchen machen?
Starker Gegenwind durch Generika und Biosimilars
Die von Novartis vorgelegten Quartalszahlen wurden von der Börse als Enttäuschung aufgenommen. Der Umsatz des Pharmakonzerns ging im ersten Quartal um 1% auf 13,1 Milliarden US$ zurück. Währungsbereinigt lag der Umsatzrückgang sogar bei 5%. Vor allem in den USA liefen die Geschäfte von Novartis schlecht.
Generell bekamen die Schweizer sehr starken Gegenwind seitens Generika und Biosimilars zu spüren. Das Auslaufen der Patente beim Herzkreislaufmittel Entresto, beim Hepatitismedikament Promacta und beim Krebsmittel Tasigna hinterließ deutliche Spuren in der Gewinn- und Verlustrechnung des Pharmakonzerns.
Noch größer waren die Spuren beim Ergebnis. Der operative Gewinn sank in den ersten drei Monaten des Jahres um 9% gegenüber dem Vorjahr auf 4,2 Milliarden US$. Verantwortlich für den Gewinneinbruch waren auch erhöhte Ausgaben für Forschung und Entwicklung.
Der bei Banken im Fokus stehende Kernbetriebsgewinn sank sogar um 12% auf 4,9 Milliarden US$. Analysten hatten zuvor einen Wert von 5,2 Milliarden US$ auf dem Zettel. Unter dem Strich fiel der Nettogewinn von Novartis von 3,6 Milliarden US$ im Vorjahr auf 3,2 Milliarden US$.
Novartis-Chef Narasimhan gab sich trotz der rückläufigen Geschäftsentwicklung gelassen. Er meinte, dass die Einbußen durch Nachahmerpräparate in etwa wie erwartet ausfielen. Narasimhan schätzte die gesamte Umsatzbelastung durch Generika bereits im Vorfeld auf rund 4 Milliarden US$.
Trotz des schwachen Starts in das neue Jahr hält Novartis an seinen Jahreszielen fest. Zu konstanten Wechselkursen geht der Pharmakonzern von einem Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich aus. Beim operativen Kerngewinn erwartet Novartis allerdings einen Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
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Bald zweistellige Kurse?
Ende Februar kletterte die Novartis-Aktie auf ein neues Allzeithoch. Doch seitdem befindet sich der Pharmakonzern auf Talfahrt. Die Aktie fiel heute auf ein neues 3-Monatstief. Der Abwärtstrend könnte sich nun bis 100 CHF fortsetzen.
Deshalb ist sie keinen Kauf wert
In den letzten drei Jahren zeigte Novartis eine dynamische Umsatz- und vor allem Ergebnisentwicklung. Doch diese Wachstumsgeschichte scheint fürs Erste vorbei zu sein. Der Schweizer Pharmakonzern bekommt den Sprung über die Patentklippe voll ab. Neue Medikamente wie Endocyte und Pluvicto können die Umsatz- und Gewinnausfälle einiger Blockbuster noch nicht wettmachen.
Vor diesem Hintergrund ist die Novartis-Aktie meiner Meinung nach aktuell keinen Kauf wert. Das Forward-KGV von 16 finde ich angesichts der Wachstumsschwäche des Konzerns etwas zu hoch.
Auch für Dividendenanleger ist der Pharmatitel nicht besonders attraktiv. Die Dividendenrendite von 3,3% ist für die Pharmabranche kein besonders hoher Wert und auch das langfristige Dividendenwachstum von rund 5% haut einen nicht vom Hocker.
Nicht zuletzt spricht auch die Marktdynamik gegen ein Investment in die Novartis-Aktie. Die US-Regierung sucht verzweifelt nach Wegen, die extrem hohen Arzneimittelpreise in den USA einzudämmern. Aber auch in Deutschland und Europa, wo Medikamente zum Teil wesentlich günstiger angeboten werden, wollen die Regierungen in diesem Bereich den Rotstift ansetzen. Für die Novartis-Aktie könnten unangenehme Zeiten heranbrechen.
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ℹ️ Novartis in Kürze
- Novartis (WKN: 904278) mit Sitz in Basel erforscht, entwickelt, produziert und vertreibt ein breites Spektrum von Medikamenten in Bereichen wie Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Immunologie, Neurowissenschaften, Hepatologie und Dermatologie.
- Mit einem Jahresumsatz von ca. 56 Milliarden US$ gehört Novartis zu den zehn größten Pharmakonzernen der Welt.
- Novartis notiert an der Schweizer Börse in Zürich und ist aktuell ca. 225 Milliarden CHF wert.